Zeitzeugen erzählen – das Archiv hält ihre Geschichte im Film fest
- Redaktion

- 29. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Die Dokumentarfilme des Archivs entstehen aus persönlichen Gesprächen, historischem Bildmaterial und Reisen an die früheren Schauplätze. So werden Erfahrungen bewahrt, die sonst mit den letzten Zeitzeugen verlorengehen könnten.
Am Anfang steht die Spurensuche
Jeder Film beginnt lange vor der ersten Aufnahme. Mitarbeiter des Archivs suchen Menschen, die von ihrem Leben als russlanddeutsche Christen in der Sowjetunion berichten können. Sie sprechen mit Familien, sammeln alte Fotos und Schriftstücke und klären, welche Orte mit den Erinnerungen verbunden sind.
Der Anstoß zur Filmarbeit entstand bei der Vorbereitung einer christlichen Kinderfreizeit. Zwei ältere Christen sollten den Kindern aus ihrem Leben erzählen. Sie verwiesen jedoch auf weitere Personen, deren Erfahrungen ebenfalls festgehalten werden sollten. Aus den ersten Gesprächen wuchs schrittweise ein größeres Dokumentationsprojekt.

Zeitzeugen vor der Kamera
Im Mittelpunkt der Dreharbeiten stehen die persönlichen Erzählungen. Die Kamera bewahrt nicht nur Namen und Daten, sondern auch Stimme, Gesichtsausdruck und Pausen eines Menschen. Ehemalige Mitarbeiter der Geheimdruckerei, Angehörige, frühere Dorfbewohner und andere Zeitzeugen schildern ihre Erlebnisse aus eigener Sicht. Mehrere Aussagen ergänzen einander und lassen ein vielschichtiges Bild entstehen.
Zu den Interviews kommen Fotografien, Briefe und vorhandene Filmrollen. Alte Super-8-Aufnahmen werden digitalisiert, gesichtet und zeitlich eingeordnet. Beim Schnitt werden Erinnerungen, historische Bilder und neue Aufnahmen so miteinander verbunden, dass eine verständliche Erzählung entsteht.
Dreharbeiten an den Originalschauplätzen
Für viele Filme reist das Team dorthin, wo die Geschichte stattgefunden hat. In Kasachstan und im russischen Altaigebiet werden frühere Wohnhäuser, Schulen, Friedhöfe, Versammlungsorte und Verstecke der Geheimdruckerei aufgenommen. An solchen Orten werden Erinnerungen oft besonders lebendig: Ehemalige Bewohner erkennen Wege und Gebäude wieder und erzählen, was sich dort ereignet hat.

Zugleich zeigt die Kamera das heutige Leben in den Orten. Dadurch bleiben die Filme nicht bei der Vergangenheit stehen. Sie machen sichtbar, wie sich Dörfer und Landschaften verändert haben und welche Spuren des russlanddeutschen Lebens noch vorhanden sind.
Eine Filmreihe über die Geheimdruckerei
Besonders umfangreich wurde die Reihe „Im geheimen Untergrund“. Sie beschäftigt sich mit der Entstehung und Arbeit der Geheimdruckerei „Christianin“. Unter staatlicher Verfolgung bauten Christen eigene Druckmaschinen, vervielfältigten Bibeln und geistliche Schriften, banden die Bücher und brachten sie heimlich zu den Gemeinden.
Die Fülle des Materials führte zu mehreren Episoden. Die Filme erklären technische Arbeitsabläufe, zeigen erhaltene Geräte und berichten über Transportwege, Verhaftungen und Haftstrafen. Auch ein tödlicher Unfall während eines Bibeltransports wird aus der Sicht von Angehörigen und Freunden erzählt. So verbindet die Reihe sachliche Dokumentation mit den persönlichen Folgen des Dienstes im Untergrund.


Unterwegs im Heimatland
Für die vierteilige Reihe „Unterwegs im Heimatland“ begleitete die Kamera ehemalige Bewohner in das Altaigebiet und nach Kasachstan. Dorf für Dorf wurden alte Erinnerungen wach. Die Reisenden erzählten von Kindheit, Glaubensleben und Vertreibung; die heutige Bevölkerung gab zugleich Einblick in ihren Alltag.

Zu den besuchten Orten gehören unter anderem Karaganda, Pawlodar, Konstantinowka, Rawnopol, Halbstadt, Orlowo und Slawgorod. Der Film „Rawnopol – Ein Dorf in Kasachstan“ zeigt, wie aus den Aufnahmen eines einzelnen Ortes ein eigenständiges Porträt entstehen kann.
Aus Rohmaterial wird ein bleibendes Zeugnis
Nach den Reisen beginnt die aufwendige Arbeit am Material. Gespräche werden ausgewählt, Aufnahmen geordnet und historische Bilder zugeordnet. Der Schnitt verdichtet viele Stunden Rohmaterial zu einem Film, ohne die Stimmen der Zeitzeugen zu überdecken. Ältere Produktionen werden außerdem digitalisiert, damit seltene Aufnahmen weiterhin angesehen werden können.
Die fertigen Filme wurden zunächst auf DVD herausgegeben. Nach Angaben des Flyers bietet das Archiv sie auch auf USB-Sticks und SD-Karten an. Damit können die Aufnahmen in Familien, Gemeinden und im Unterricht weitergegeben werden.
Die Erinnerung soll weitergegeben werden
Die Kamera dient dem Archiv als Werkzeug gegen das Vergessen. Die Filme zeigen Verfolgung und Verlust, erzählen aber ebenso von Glaubenstreue, Gebet, gegenseitiger Hilfe und dem Mut, Gottes Wort weiterzugeben. Damit entspricht die Filmarbeit dem Leitgedanken aus 5. Mose 4,9: Das Erlebte soll den Kindern und Enkeln weitererzählt werden.

Bestellung und Kontakt
Archiv zur Geschichte Russlanddeutscher Christen e. V.,
32832 Augustdorf.
Ansprechpartner: Jurij Fast,
Telefon 0176 22847058.
Quellen:
Informationsflyer des Archivs zur Geschichte Russlanddeutscher Christen e. V.: Webseite öffnen
Selbstdarstellung und Entstehungsgeschichte des Archivs: Webseite öffnen
Übersicht der Filme: Webseite öffnen
Filmreihe „Im geheimen Untergrund“: Webseite öffnen
Filmreihe „Unterwegs im Heimatland“: Webseite öffnen
Film „Rawnopol – Ein Dorf in Kasachstan“: Webseite öffnen




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