Erinnern – Bewahren – Weitergeben: Thementag in Augustdorf blickte auf Gottes Wirken zurück
- Redaktion

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Aktualisiert: vor 17 Stunden

Einladung zu einem besonderen Thementag
Augustdorf. Unter dem Motto „Erinnern – Bewahren – Weitergeben. Gottes Wirken im Rückblick“ luden Andreas Friesen und Jurij Fast am 9. Mai 2026 zu einem besonderen Thementag nach Augustdorf ein. Der Thementag fand in dem Gemeindehaus der Baptisten-Brüdergemeinde Augustdorf statt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Gottes Führung in der Geschichte erkannt, dankbar bewahrt und an die nächste Generation weitergegeben werden kann.
Bereits die Einladung stellte den Tag unter ein ernstes biblisches Wort aus 5. Mose 4,9:
"Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut, dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben, und dass es nicht aus deinem Herzen kommt dein ganzes Leben lang. Und du sollst sie deinen Kindern und Kindeskindern kundtun."
Damit war der geistliche Rahmen des Tages klar gesetzt. Es ging nicht nur um historische Rückblicke, alte Bilder oder Erinnerungsstücke, sondern um das bewusste Festhalten an Gottes Wirken in schweren und gesegneten Zeiten.
Dankgottesdienst mit Predigt und Zeitzeugenberichten
Der Thementag begann mit einem Dankgottesdienst. In der Predigt wurde besonders hervorgehoben, dass Geschichte aus biblischer Sicht bedeutungsvoll ist. Dabei wurde auf Jeremia 6,16 verwiesen: „Tretet auf die Wege und schauet und fraget nach den vorigen Pfaden, welches der gute Weg sei, und wandelt darin.“

Geschichte ist demnach nicht nur etwas, das man nebenbei hört. Sie fordert zum Nachfragen auf. Besonders Eltern und Großeltern tragen hier Verantwortung, ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Glaubenswege an Kinder und Enkel weiterzugeben.

Im Gottesdienst waren auch Zeitzeugen zugegen, die aus ihrem eigenen Leben berichteten. Sie erzählten von Erfahrungen, Bewahrungen und Führungen Gottes. Ein Schwerpunkt dieser Berichte lag auf dem Leben von Christen in der ehemaligen Sowjetunion.

Besonders eindrücklich waren die Erinnerungen an den heimlichen Transport von Bibeln aus dem Westen in die damalige UdSSR. Solche Berichte machten deutlich, unter welchen Schwierigkeiten Gläubige damals an Gottes Wort festhielten und welchen Wert eine Bibel in Zeiten religiöser Unterdrückung hatte.
In der Predigt und in den Zeugnissen kam immer wieder eine ernste Aussage zum Ausdruck: Der Glaube kostet etwas. Für manche Gläubige bedeutete das nicht nur Spott, Benachteiligung oder Überwachung, sondern sogar mehrere Jahre Gefängnis. Die Zeitzeugen berichteten, dass bei der Berufung zum Dienst häufig zugleich der Hinweis stand: „Du kannst dafür ins Gefängnis kommen.“ Trotzdem waren der Glaube an Gott und die Verantwortung vor ihm bei vielen stärker als die Angst vor den Folgen. Sie nahmen Leiden, Gefahr und persönliche Nachteile in Kauf, weil sie Gott mehr gehorchen wollten als den Menschen.
Geschichte wurde in der Predigt auch als Bildung für die nächste Generation beschrieben. Wer die Wege der Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart besser verstehen. Zugleich gibt Geschichte Gelassenheit für die Gegenwart und Sicherheit für die Zukunft.

Leider, so wurde betont, betrachtet die heutige Zeit Geschichte oft nicht mehr als Quelle der Weisheit. Dabei beantwortet Geschichte viele Fragen der Gegenwart.
Auch Psalm 78,6–7 wurde als wichtiger Grund für die Weitergabe von Geschichte genannt. Dort wird deutlich, dass kommende Generationen Gottes Werke kennen sollen, damit sie ihre Hoffnung auf Gott setzen, seine Taten nicht vergessen und seine Gebote halten.
Rückblicke sind darum nicht nur menschliche Erinnerungspflege. Sie sollen Glauben wecken, Vertrauen stärken und zum Gehorsam gegenüber Gott führen.
Gottes Treue in der Geschichte erkennen
In Liedern, Gebeten und Berichten wurde daran erinnert, dass Geschichte für gläubige Menschen mehr ist als eine Abfolge von Ereignissen. Sie zeigt Gottes Treue, Bewahrung und Führung. Gerade die Geschichte russlanddeutscher Christen ist vielfach geprägt von Auswanderung, Verfolgung, Entbehrung, Neuanfang und Glaubenstreue.
Dabei wurde auch deutlich, dass Geschichte nicht nur aus einer Täter- oder Opferrolle betrachtet werden darf. Wer nur Schuld, Leid oder menschliches Versagen sieht, greift zu kurz. Ein geistlicher Rückblick fragt danach, wie Gott geführt, bewahrt, getragen und zurechtgebracht hat.

In diesem Zusammenhang wurde auch Johannes 20,31 erwähnt. Dort heißt es, dass die aufgeschriebenen Dinge dazu dienen, dass Menschen glauben, dass Jesus der Christus ist. Ein rechter Rückblick macht daher nicht Menschen groß, sondern Jesus Christus.
Geschichte hilft auch, das Handeln von Menschen besser einzuordnen. Wer ihre Erlebnisse, Nöte, Prägungen und Entscheidungen kennt, versteht oft besser, warum sie bestimmte Wege gegangen sind. Dadurch entsteht nicht nur Wissen, sondern auch ein tieferes Verständnis für die Generationen vor uns.

Gerade die Berichte über Gefängnis, Bibelschmuggel und verborgenen Dienst machten deutlich, dass Glaubensgeschichte oft mit persönlicher Hingabe verbunden ist. Sie zeigt nicht nur, was Menschen erlebt haben, sondern auch, welche innere Überzeugung sie getragen hat. Wo der Glaube an Gott stärker war als staatlicher Druck, Angst und menschliche Sicherheit, wurde Gottes Treue besonders sichtbar.
Gemeinschaft und Führungen im Archiv
Im Anschluss an den Gottesdienst folgte ein gemeinsames Mittagessen. Diese Gemeinschaft gab den Besuchern Gelegenheit zu Gesprächen, Begegnungen und persönlichem Austausch. Viele Erinnerungen werden nicht allein durch Bücher weitergegeben, sondern im Gespräch zwischen den Generationen. Gerade darin lag ein wichtiger Wert dieses Tages.

Ein besonderer Schwerpunkt war der Besuch in der privaten Sammlung von Andreas Friesen. Dort konnten die Teilnehmer historische Ausstellungsstücke betrachten und mehr über das Leben, den Glauben und die Wege russlanddeutscher Christen erfahren.

Führungen durch das Museum machten die Geschichte anschaulich und lebendig. Bilder, Dokumente, Gegenstände und persönliche Berichte halfen dabei, vergangene Zeiten nicht nur sachlich zu betrachten, sondern innerlich besser zu verstehen.

Das Museum besitzt viele originale Exponate aus der Zeit der Christenverfolgung in der ehemaligen UdSSR. So sind Bibeln vorhanden, die damals geschmuggelt wurden. Auch Autos aus jener Zeit wurden ausgestellt. Ein besonderes Highlight ist eine originale Druckmaschine aus dieser Zeit. Sie ist immer noch funktionsfähig und wurde von einem Zeitzeugen bedient, der authentisch die Arbeit von damals beschrieb.

Auch das Schicksal vieler Gläubiger, die wegen ihres Glaubens im Gefängnis waren, wird im Museum dargestellt. Es gibt sogar eine Gefängniszelle mit originalen Möbelstücken und Betten. Gerade diese Darstellung führte den Besuchern vor Augen, dass der Glaube für viele Christen damals einen hohen Preis hatte.

Gerade die Berichte der Zeitzeugen standen in enger Verbindung zu den Ausstellungsstücken des Archivs. Sie zeigten, dass hinter Dokumenten, Fotos und Gegenständen konkrete Lebenswege stehen. Geschichte besteht nicht nur aus Jahreszahlen, sondern aus Menschen, Familien, Gemeinden, Gebeten, Entscheidungen und Gottes Führungen.

Neben den Führungen gab es persönliche Zeugnisse, Berichte, eine Ausstellung historischer Exponate sowie Möglichkeiten, themenbezogene Bücher und DVDs zu erwerben. Dadurch wurde deutlich: Geschichte muss gesammelt, geordnet und bewahrt werden, damit sie nicht verloren geht.
Ein geistliches Erbe für die Zukunft
Der Thementag wollte besonders jungen Menschen einen Zugang zur eigenen Geschichte eröffnen. Wer die Wege der Väter und Mütter im Glauben kennt, versteht besser, aus welchem geistlichen Erbe er kommt.
Aus Geschichte kann Tradition entstehen, die nicht leer und äußerlich bleibt, sondern das Vertrauen auf Gott stärkt. Erinnerung soll dabei nicht bei Nostalgie stehen bleiben. Sie soll zur Dankbarkeit führen und dazu ermutigen, das Gute und Bewährte treu weiterzugeben.
In der Predigt wurde dazu ein ernster Gedanke ausgesprochen: Ein Volk, das keine Geschichte hat, hat auch keine Zukunft. Das gilt auch für das mennonitische Volk und für alle Gemeinden, die aus einem besonderen geistlichen und geschichtlichen Erbe kommen. Wenn die Erinnerung verloren geht, werden auch Orientierung, Identität und geistliche Standfestigkeit geschwächt.

Zum Abschluss des Tages wurden noch selbstgebackene Waffeln gereicht. Auch dieser einfache, herzliche Ausklang passte gut zum Charakter der Veranstaltung. Nach Gottesdienst, Mittagessen, Museumsgang und vielen Gesprächen endete der Thementag in dankbarer Gemeinschaft.
Der Tag in Augustdorf zeigte eindrücklich, wie wichtig es ist, geistliche Geschichte nicht zu vergessen. Rückblicke machen Mut, stärken das Vertrauen und festigen den Glauben an Gott.
Wer Gottes Wirken im Rückblick erkennt, wird gestärkt für die Gegenwart und erhält Orientierung für die Zukunft. Erinnern, Bewahren und Weitergeben bleiben darum Aufgaben, die jede Generation neu ernst nehmen muss.
Informationen aus persönlichen Gesprächen und von der Museumsseite




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