William Penn (1644 -1718)
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William Penn wurde am 14. Oktober 1644 in London geboren. Sein Vater, Admiral Sir William Penn, war ein angesehener englischer Marineoffizier. Er verfügte über Reichtum, Einfluss und gute Beziehungen zum Königshaus. Für seinen Sohn war daher eine erfolgreiche politische oder militärische Laufbahn vorgesehen.
William Penn hätte ein bequemes Leben führen können. Ihm standen viele Türen offen. Doch schon als junger Mann beschäftigte ihn die Frage, wie ein Leben nach Gottes Willen aussehen sollte.
Während seines Studiums in Oxford kam er mit Christen in Verbindung, die sich nicht der anglikanischen Staatskirche unterordnen wollten. Penn nahm an ihren Versammlungen teil und weigerte sich, an den vorgeschriebenen kirchlichen Formen mitzuwirken. Wegen seiner Haltung wurde er schließlich von der Universität verwiesen.
Für seine Familie war dies eine große Enttäuschung. Sein Vater konnte nicht verstehen, warum der Sohn seine gesellschaftlichen Möglichkeiten wegen religiöser Überzeugungen aufs Spiel setzte. Doch für William Penn wurde die Stimme des Gewissens wichtiger als die Anerkennung der Menschen.
Glaube, der etwas kostet
Um 1667 schloss sich Penn der noch jungen Gemeinschaft der Quäker an. Diese glaubten, dass der Mensch Gott persönlich gehorsam sein müsse. Sie lehnten religiösen Zwang, Kriegsdienst und das Schwören von Eiden ab. Stattdessen bemühten sie sich um ein einfaches und friedfertiges Leben.
Damit geriet Penn in einen schweren Gegensatz zur damaligen Gesellschaft. Gottesdienste außerhalb der Staatskirche waren verboten oder wurden stark eingeschränkt. Quäker wurden überwacht, verhaftet und eingesperrt.
Auch William Penn musste wegen seines Glaubens mehrfach ins Gefängnis. Er hätte den Verfolgungen entgehen können, wenn er geschwiegen oder seine Überzeugung aufgegeben hätte. Doch dazu war er nicht bereit.
Während einer Gefangenschaft schrieb er sein bekanntes Werk No Cross, No Crown – „Kein Kreuz, keine Krone“. Der Titel bringt eine wichtige Erkenntnis seines Lebens zum Ausdruck: Ohne die Bereitschaft, das Kreuz der Nachfolge zu tragen, gibt es keine himmlische Krone.

Penn wollte den Glauben nicht nur mit Worten bekennen. Er war bereit, dafür Nachteile, Gefängnis und die Ablehnung seiner Mitmenschen zu tragen. Darin erinnert sein Leben an die Worte Jesu:
„Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“Matthäus 16,24
Aus eigener Verfolgung erwuchs Mitgefühl
Die erlittene Verfolgung machte Penn nicht bitter. Statt selbst nach Macht und Vergeltung zu suchen, setzte er sich für Menschen ein, die wegen ihres Glaubens unterdrückt wurden.
Er trat für die Gewissensfreiheit ein. Kein Mensch sollte gezwungen werden, gegen seine Überzeugung an einem bestimmten Gottesdienst teilzunehmen, einen Eid zu schwören oder eine Glaubenslehre anzunehmen.
Dabei ging es Penn nicht nur um die Freiheit der Quäker. Er wollte auch anderen verfolgten Glaubensgemeinschaften Schutz ermöglichen. Gerade darin liegt eine besondere Stärke seines Lebenszeugnisses: Er suchte nicht nur Vorteile für die eigene Gemeinschaft, sondern Freiheit für Menschen, die in manchen Fragen anders glaubten als er.
Begegnungen mit Mennoniten
Im Jahr 1677 reiste Penn mit anderen Quäkern durch die Niederlande und verschiedene deutsche Gebiete. Dort begegnete er Menschen, die wegen ihrer Glaubensüberzeugung unter Druck standen.
In den Niederlanden und am Niederrhein lebten viele Mennoniten. Auch in Krefeld bestand eine bedeutende mennonitische Gemeinschaft. Zwischen Mennoniten und Quäkern entwickelten sich persönliche und geschäftliche Verbindungen.
Beide Glaubensgemeinschaften kannten Verfolgung und Ausgrenzung. Beide lehnten das Schwören von Eiden und die Teilnahme am Krieg ab. Sie wollten ihre Feinde nicht mit Waffen bekämpfen, sondern sich an die Worte Jesu halten.
Penn soll die Mennoniten als ein ernsthaftes und verlässliches Volk bezeichnet haben, das „weder schwören noch kämpfen“ werde. Was andere Obrigkeiten als Schwäche oder Ungehorsam ansahen, erkannte Penn als Ausdruck einer festen Glaubensüberzeugung.
Er sah in den Mennoniten keine Gefahr für die Gesellschaft. Er schätzte ihre Friedfertigkeit, ihren Fleiß und ihre Zuverlässigkeit. Diese Wertschätzung sollte später für viele mennonitische Familien von großer Bedeutung werden.
Ein „heiliges Experiment“
Penns Vater hatte der englischen Krone große Geldsummen geliehen. Nach dessen Tod erhielt William Penn als Ausgleich ein umfangreiches Gebiet in Nordamerika. Am 4. März 1681 übertrug König Karl II. ihm die Herrschaft über das Gebiet, das den Namen Pennsylvania bekam.

Penn hätte das Land vor allem als Quelle persönlichen Reichtums betrachten können. Stattdessen sah er darin die Möglichkeit, seine Überzeugungen praktisch umzusetzen. Er bezeichnete Pennsylvania als ein „heiliges Experiment“.
Dort wollte er zeigen, dass eine Gesellschaft nicht auf Glaubenszwang und Verfolgung aufgebaut sein musste. Menschen unterschiedlicher Herkunft sollten friedlich miteinander leben können. Wer an Gott glaubte und den öffentlichen Frieden nicht störte, sollte nicht zum Besuch einer bestimmten Kirche gezwungen werden.
Diese Ordnung war noch keine vollständige Religionsfreiheit nach heutigem Verständnis. Dennoch ging sie weit über das hinaus, was viele Menschen damals in Europa kannten.
Penn gründete die Stadt Philadelphia. Der Name bedeutet „Stadt der brüderlichen Liebe“. Bereits dieser Name brachte zum Ausdruck, welches Ziel Penn mit seiner Kolonie verband.

Frieden nicht nur predigen, sondern leben
Penn bemühte sich auch um einen friedlichen Umgang mit den Lenape, die bereits lange vor der Ankunft der europäischen Siedler in diesem Gebiet lebten.
Er wollte Land nicht einfach mit Gewalt in Besitz nehmen. Stattdessen sollten Verhandlungen geführt und Vereinbarungen abgeschlossen werden. Er forderte die Siedler auf, die indigene Bevölkerung nicht zu betrügen und ihr mit Achtung zu begegnen.
Damit versuchte Penn, seine Friedensüberzeugung auch im politischen Handeln umzusetzen. Er sprach nicht nur über den Frieden, sondern suchte Wege, ihn praktisch zu leben.

Penns Handeln war nicht vollkommen. Trotzdem erinnert uns sein Beispiel daran, dass Friedfertigkeit mehr ist als die persönliche Weigerung, eine Waffe zu tragen. Sie muss sich auch im ehrlichen, gerechten und barmherzigen Umgang mit anderen Menschen zeigen.
Eine offene Tür für Mennoniten
Schon bald wurde Pennsylvania unter verfolgten Christen in Europa bekannt. Für Mennoniten war die Aussicht auf ein Land, in dem sie ihren Glauben ausüben konnten, besonders wertvoll.
Im Jahr 1683 reisten dreizehn Familien aus Krefeld mit dem Schiff Concord nach Nordamerika. Sie erreichten Philadelphia am 6. Oktober 1683. Die Familien waren mennonitisch oder quäkerisch geprägt; mehrere stammten aus mennonitischen Familien und hatten sich später den Quäkern angeschlossen.
Gemeinsam mit Franz Daniel Pastorius gründeten sie die Siedlung Germantown. Dort konnten die Familien Land bewirtschaften, Häuser bauen und eigene Handwerksbetriebe gründen.

Die ersten Gottesdienste wurden in Privathäusern gehalten. Quäker und Mennoniten versammelten sich zunächst teilweise gemeinsam. Später entwickelte sich eine eigenständige mennonitische Gemeinde.
Im Jahr 1708 errichteten die Mennoniten ein einfaches hölzernes Versammlungshaus. Es war das erste mennonitische Gemeindehaus Nordamerikas. Im Jahr 1770 wurde es durch den noch heute erhaltenen Steinbau ersetzt.

Penn war nicht der Prediger dieser Gemeinde. Er bestimmte auch nicht ihre Glaubenslehre. Doch durch die von ihm geschaffene Ordnung wurde es möglich, dass diese Gemeinde überhaupt entstehen und sich dauerhaft entwickeln konnte.
Sein Dienst bestand darin, den Verfolgten eine Tür zu öffnen.
Gewissensfreiheit als Voraussetzung für Gehorsam
Für Mennoniten bedeutete die Übersiedlung nach Pennsylvania mehr als wirtschaftliche Sicherheit. Sie konnten dort grundlegende Gebote ihres Glaubens befolgen, ohne ständig Verfolgung befürchten zu müssen.
Seit den Anfängen der Täuferbewegung lehnten Mennoniten den Eid ab. Sie beriefen sich auf die Worte Jesu:
„Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen.“Matthäus 5,37
Ebenso lehnten sie den Kriegsdienst ab. Die Aufforderung Jesu zur Feindesliebe verstanden sie nicht als unverbindliches Ideal, sondern als Gebot für seine Nachfolger.
In Europa hatte diese Haltung immer wieder zu Geldstrafen, Enteignungen, Gefängnis und Vertreibungen geführt. Penn wusste jedoch, dass Mennoniten nicht aus Auflehnung handelten. Ihre Weigerung zu schwören oder zu kämpfen entsprang dem Wunsch, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen.
In Pennsylvania erhielten sie keinen eigenen Staat und auch keine Garantie, dass es niemals zu neuen Konflikten kommen würde. Doch sie fanden günstigere Voraussetzungen, um nach ihrem Gewissen zu leben.
Die Frucht reichte über Germantown hinaus
Nach der Gründung Germantowns kamen weitere Mennoniten nach Pennsylvania. Ab 1709 und 1710 wanderten besonders Familien aus der Schweiz und der Pfalz ein. Viele von ihnen hatten Verfolgung, Vertreibung und wirtschaftliche Not erlebt.
Im Jahr 1710 wurde einer Gruppe schweizerischer Mennoniten Land am Pequea Creek im heutigen Lancaster County zugeteilt. Dort entstanden landwirtschaftliche Siedlungen und neue Gemeinden.
Ein sichtbares Zeugnis dieser Ansiedlung ist das 1719 von Christian und Anna Herr errichtete Herr House. Es entstand nur ein Jahr nach William Penns Tod.

Aus den ersten kleinen Ansiedlungen entstanden dauerhafte Gemeinden. Von Pennsylvania aus breiteten sich die Mennoniten später in weitere Gebiete Nordamerikas aus.
Penn konnte zu seinen Lebzeiten nicht überblicken, welche Folgen sein Einsatz für die Gewissensfreiheit haben würde. Die Frucht seines Handelns reichte weit über seine eigene Lebenszeit hinaus.
Das erinnert daran, dass ein Mensch nicht immer sofort sieht, was aus seinem treuen Handeln entsteht. Manchmal wächst die Frucht erst in späteren Generationen.
Auch ein Lebenszeugnis hat Schatten
Ein ehrliches Lebenszeugnis darf die Schwächen eines Menschen nicht verschweigen. William Penn war nicht vollkommen. Seine Vorstellungen von Religionsfreiheit und Gleichberechtigung entsprachen nicht in allen Punkten dem, was wir heute darunter verstehen.
Auch in Pennsylvania gab es Sklaverei. Penn selbst besaß zeitweise versklavte Menschen. Der 1688 in Germantown verfasste Protest gegen die Sklaverei wurde nicht sofort angenommen.
Auch die Beziehungen zu den Lenape blieben nicht dauerhaft friedlich. Nach Penns Tod hielten seine Söhne die von ihm vertretenen Grundsätze nicht ein. Der sogenannte „Walking Purchase“ von 1737 führte zu einem schweren Landverlust für die Lenape.
Diese Tatsachen schmälern nicht die Bedeutung seines Einsatzes für die Gewissensfreiheit. Sie zeigen jedoch, dass auch ein mutiger und gläubiger Mensch blinde Flecken haben kann.
Kein menschliches Lebenszeugnis ist ohne Fehler. Vollkommen ist allein Jesus Christus. Deshalb soll ein Lebenszeugnis nicht den Menschen verherrlichen, sondern dazu anregen, das Gute nachzuahmen und aus den Fehlern zu lernen.
Die letzten Lebensjahre
William Penns spätere Jahre waren von Schwierigkeiten geprägt. Finanzielle Probleme belasteten ihn schwer. Menschen, denen er vertraut hatte, betrogen ihn. Zeitweise kam er sogar wegen Schulden ins Gefängnis.
Ab 1712 erlitt Penn mehrere Schlaganfälle. Dadurch wurde er körperlich und geistig stark geschwächt. Seine zweite Frau Hannah übernahm zunehmend die Verwaltung Pennsylvanias und bewahrte damit einen großen Teil seines Lebenswerkes.
Am 30. Juli 1718 starb William Penn im Alter von 73 Jahren. Er wurde auf dem schlichten Quäkerfriedhof bei Jordans in Buckinghamshire beigesetzt.

Was William Penns Leben bezeugt
William Penn war kein Mennonit. Trotzdem spricht sein Leben auch zu Mennoniten und anderen Christen.
Sein Lebensweg zeigt, dass die Anerkennung Gottes wichtiger sein muss als die Anerkennung der Menschen. Penn verzichtete auf eine bequeme Laufbahn, weil er seinem Gewissen folgen wollte.
Sein Leben zeigt auch, dass die Nachfolge Jesu etwas kosten kann. Glaube war für ihn keine äußere Form. Er nahm Gefängnis, Ablehnung und persönliche Nachteile in Kauf.
Zugleich bezeugt sein Wirken, dass Gewissensfreiheit nicht nur für die eigene Glaubensgemeinschaft gefordert werden darf. Wer selbst unter Verfolgung gelitten hat, sollte auch den Bedrängten anderer Gemeinschaften beistehen.
Für die Mennoniten wurde Penn besonders wichtig, weil er ihre Friedfertigkeit und Eidesverweigerung nicht als Gefahr betrachtete. Er ermöglichte ihnen, Gemeinden zu gründen, Land zu bewirtschaften und ihren Kindern den Glauben weiterzugeben.
William Penn gründete keinen vollkommenen Staat. Er war auch kein vollkommener Mensch. Doch durch sein Wirken wurde verfolgten Christen eine Tür geöffnet. Hinter dieser Tür entstanden Gemeinden, Schulen, Höfe und Familien, die ihren Glauben über viele Generationen bewahrten.
Sein Lebenszeugnis erinnert uns daran, dem Gewissen treu zu bleiben, Frieden nicht nur zu predigen, sondern zu leben, und die Möglichkeiten, die Gott uns anvertraut, zum Wohl anderer Menschen einzusetzen.
Quellen
Library of Congress: William Penn – Lebenslauf, Verfolgung als Quäker und Gründung Pennsylvanias.
Library of Congress: America as a Religious Refuge – Penns Verständnis von Religions- und Gewissensfreiheit.
Pennsylvania Historical & Museum Commission: Pennsylvania Charter von 1681 – Übertragung Pennsylvanias an William Penn und historischer Hintergrund.
GAMEO: Germantown Mennonite Settlement – mennonitische Einwanderung und Entwicklung Germantowns.
Germantown Mennonite Church: Geschichte – Ankunft der ersten Familien, Gemeindegründung sowie Versammlungshäuser von 1708 und 1770.
Pequea Township: History – Ansiedlung schweizerischer Mennoniten und Landzuteilung von 1710.
Mennonite Life: 1719 Herr House – Geschichte und Bedeutung des frühen mennonitischen Versammlungshauses im Lancaster County.
Haverford College: Germantown Petition von 1688 – Protest gegen die Sklaverei und mennonitische Herkunft mehrerer Unterzeichner.
Pennsbury Manor: Colonial Americans at Pennsbury – kritische Einordnung von Penns Verhältnis zur Sklaverei und zu den Lenape.




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