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Vertrauen statt Zwang: Wie La Honda die Masern ausbremste


In der mennonitischen Kolonie La Honda im Norden des mexikanischen Bundesstaates Zacatecas ist es gelungen, einen Masernausbruch einzudämmen, obwohl die Impfbereitschaft dort lange niedrig war. Der Ausbruch begann nach Milenio-Recherchen am 19. April 2025; in den folgenden Wochen setzte das Gesundheitspersonal nicht auf Lautsprecherwagen und Massenandrang, sondern auf persönliche Gespräche, Hausbesuche und die Zusammenarbeit mit den örtlichen Feldleitern.


Wichtig bei der Impfkampagne waren die Hausbesuche
Wichtig bei der Impfkampagne waren die Hausbesuche

La Honda liegt im Municipio Miguel Auza und umfasst nach verschiedenen Angaben rund 4.000 bis 5.000 Bewohner. Viele Familien leben verstreut zwischen Feldern, Milchviehbetrieben und unbefestigten Wegen. Gerade diese Struktur erschwerte die Seuchenbekämpfung: Wer in La Honda Menschen erreichen will, muss ihre Wege, ihre Sprache und ihre sozialen Autoritäten kennen. Das medizinische Personal begriff deshalb früh, dass es nicht reichen würde, mit dem üblichen staatlichen Schema aufzutreten.


Ein entscheidender Faktor war die Einbeziehung der Dorfvorsteher
Ein entscheidender Faktor war die Einbeziehung der Dorfvorsteher

Der entscheidende Schritt war, die Dorfvorsteher  (jefes de campo) einzubeziehen. Sie begleiteten die Impfbrigaden, fuhren sie in ihren Fahrzeugen von Hof zu Hof und öffneten Türen, die Außenstehenden sonst verschlossen bleiben. Nach Milenio stieg die Impfquote in La Honda so von etwa 30 Prozent auf rund 70 Prozent. Das war noch keine ideale Herdenimmunität, aber genug, um die Kette der Ansteckungen wirksam zu bremsen.


Dass Eile geboten war, lag in der Natur der Krankheit. Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten überhaupt; laut CDC infizieren sich bei engem Kontakt bis zu neun von zehn empfänglichen Personen. In La Honda blieb der Ausbruch nach den vorliegenden Berichten dennoch begrenzt: Er dauerte etwa zwei Monate, der letzte Fall wurde am 16. Juni 2025 festgestellt, insgesamt wurden in der Kolonie elf Ansteckungen registriert. Gerade diese Begrenzung macht den Fall bemerkenswert. Sie zeigt, dass Eindämmung auch dort möglich ist, wo über Jahre Misstrauen gegenüber staatlichen Strukturen gewachsen ist.


Die Impfteams begegneten den Mennoniten im Alltag und bauten so Vertrauen auf
Die Impfteams begegneten den Mennoniten im Alltag und bauten so Vertrauen auf

Besonders wichtig war offenbar, dass die Gesundheitsarbeiter nicht nur Impfstoff brachten, sondern Beziehungspflege betrieben. Milenio berichtet, dass das Team des Gesundheitszentrums Campo 15 über Jahre Vertrauen aufgebaut hatte: mit Hausbesuchen, geduldigen Nachgesprächen und sogar mit ersten Wendungen auf Plautdietsch, dem mennonitischen Niederdeutsch. So entstand keine Konfrontation zwischen Staat und Gemeinschaft, sondern ein pragmatisches Bündnis zum Schutz der Familien.


Wichtig ist die Einbeziehung der Mennoniten und die genaue Erklärung der Abläufe
Wichtig ist die Einbeziehung der Mennoniten und die genaue Erklärung der Abläufe

Der Fall La Honda ist damit mehr als eine lokale Gesundheitsmeldung. Er ist ein Beispiel dafür, dass Prävention in kulturell geschlossenen Gemeinschaften nicht mit Druck beginnt, sondern mit Respekt, Ausdauer und der Anerkennung gewachsener Autoritäten. Gerade in einer Zeit, in der Masern in Nordamerika und Mexiko wieder größere Ausbrüche verursachten, zeigt La Honda: Vertrauen kann im Ernstfall so wichtig werden wie die Impfung selbst.


Quellen:

  • Claudia Solera: „La comunidad menonita que logró frenar el sarampión en Zacatecas“, Milenio, 22. März 2026. Das ist die Hauptquelle für Ort, Ablauf, Impfkampagne, Beteiligung der jefes de campo, Impfquote und Fallzahlen in La Honda.

  • CDC: „Clinical Overview of Measles“. Für die hohe Ansteckungsfähigkeit der Masern und die Angabe, dass sich bis zu 9 von 10 empfänglichen Kontaktpersonen anstecken können.

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