Straßenblockede wegen Wasserkonflikt in Chihuahua
- Redaktion

- 24. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Heute versuchten landwirtschaftliche Erzeuger in Chihuahua mit Straßenblockaden und Protestaktionen landesweit Druck auf die Regierung auszuüben: Der Aufruf zu einem nationalen Protesttag mit Sperrungen von Straßen, Grenzübergängen und Verkehrsknotenpunkten zielte darauf ab, die Debatte um die geplante Ley de Aguas Nacionales neu zu entfachen und ein Dialogangebot der Präsidentin zu erzwingen. Die Initiative wurde von mehreren bäuerlichen Organisationen und Transportverbänden koordiniert.
Wer protestiert — und warum
An den Aktionen beteiligen sich neben mestizischen Produzenten auch Mennoniten-Gemeinden aus dem Norden des Bundesstaates sowie Mitglieder der bekannten LeBarón-Familie. Die Protestierenden warnen, die Reform nehme ihnen faktisch die Nutzungs- und Verfügungsrechte über Brunnen und Bewässerungskonzessionen — Rechte, die in der Region oft über Generationen aufgebaut, vererbt und als Kreditsicherheit genutzt wurden.

Viele sehen in der neuen Gesetzesvorlage eine Entwertung ihres Landbesitzes und eine potenzielle Enteignung.

Was die Reform vorsieht — und die Regierung sagt
Kernpunkte der Reform sind die stärkere Zentralisierung der Wasserverwaltung bei der Nationalen Wasserkommission (CONAGUA), schärfere Regeln gegen den Handel mit Konzessionen und die Möglichkeit, nicht genutzte Rechte an den Staat zurückfallen zu lassen, damit CONAGUA sie neu zuteilen kann.
Die Regierung argumentiert, damit Korruption und intransparente Märkte für Wasserrechte zu beenden und Übernutzung nachhaltiger zu regulieren.
Kritiker befürchten dagegen Willkür und einen massiven Eingriff in Eigentumsverhältnisse.
Blockaden und regionale Schwerpunkte
Schon in den frühen Morgenstunden meldeten Lokalmedien erste Blockaden: In der Region um Camargo, San Francisco de Conchos und La Cruz wurden Teile der Bundesstraße 45 mit Traktoren und Fahrzeugen blockiert; Ankündigungen, bei einer Verabschiedung der Reform auch internationale Grenzübergänge zu schließen, sorgten für erhöhte Aufmerksamkeit in den Grenzstädten. Die Protestierenden betonten, es handele sich um friedliche, aber entschlossene Aktionen, solange es keinen verbindlichen Dialog mit der Präsidentin gebe.

Mennoniten und die Familie LeBarón
Dass sich Mennoniten — historisch autarke Landwirtschafts-Gemeinden mit hohem industriellen Produktionsgrad — an den Blockaden beteiligen, zeigt, wie breit die Ablehnung ist. Mennonitische Produzenten fürchten um die Investitionen in Bewässerungsinfrastruktur und um die Existenz ihrer Kooperativen.
Die LeBarón-Familie, die nach dem Massaker von Bavispe 2019 national bekannt wurde und politisch aktiv ist, rief ebenfalls zu Maßnahmen auf und unterstützte den nationalen Protesttag; ihr Engagement hat die Aufmerksamkeit der Hauptstadt verstärkt.
Politische Reaktionen und Verhandlungen
Politische Parteien in Chihuahua spitzen die Debatte zu: Oppositionsparteien kritisieren die Regierungsfraktionen scharf und warnen vor politischem Missbrauch des Wassermanagements, während Regierungstreue die Initiative als notwendigen Schritt gegen illegale Wassermärkte verteidigen. Lokale Verhandlungsangebote wurden teilweise gemacht — in einigen Regionen berichten Medien von punktuellen Vereinbarungen, die jedoch nicht das landesweite Misstrauen dämpfen konnten. Die Proteste bleiben daher als Druckmittel bestehen, solange keine verbindlichen Garantien für bestehende Konzessionen vorliegen.
Was jetzt zu beobachten ist
Ob die regionalen Straßenblockaden heute ausgeweitet oder wieder aufgehoben werden, hängt von schnellen Verhandlungssignalen aus der Hauptstadt ab.
Entscheidend wird sein, ob die Regierung Übergangsbestimmungen anbietet, die bestehende, historisch verbriefte Nutzungen schützen — oder ob sie an der strikten Novellierung ohne Ausnahmen festhält.
Ein Konflikt mit langer Geschichte
Der heutige Konflikt ist die jüngste Episode eines jahrhundertelangen Ringens um Wasser im trockenen Norden Mexikos: Knappes Grundwasser, historische Nutzungsrechte, staatliche Regulierung und technisierte Landwirtschaft haben hier immer wieder Spannungen erzeugt.
Die jetzige Gesetzesreform trifft auf Gemeinden, die ihre Lebensgrundlage in Jahrzehnten aufgebaut haben — und erinnert an frühere Momente, in denen staatliche Neuordnungen lokale Vereinbarungen zerstörten oder neu aushandelten.
Auch die Mennoniten sind von den Gesetzesänderungen betroffen. So bestätigte ein Bauer, dass er die Nutzungsrechte an seinen Brunnen nicht an seine Erben weitergeben kann. Die Nutzungsrechte fallen im Erbfall an den Staat.




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