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Mennonitisches Gesundheitszentrum eröffnet eigenen Flugplatz

vor 21 Stunden
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 30 Minuten

Der neu eröffnete Flugplatz verkürzt den Krankentransport um mehrere Stunden
Der neu eröffnete Flugplatz verkürzt den Krankentransport um mehrere Stunden

Pailón / Bolivien. Für die medizinische Versorgung abgelegener mennonitischer Kolonien im Osten Boliviens könnte der 11. September 2026 zu einem wichtigen Datum werden. Beim privaten Gesundheitszentrum MEDIFAM Villa Nueva im Municipio Pailón ist der neu errichtete Aeródromo Frankfurt offiziell in Betrieb genommen worden. Der Flugplatz befindet sich in der Kolonie "Friedland". Gleich die erste Landung war kein reiner Testflug, sondern diente einem medizinischen Notfall.


Eine schwangere Mennonitin, bei der Komplikationen befürchtet wurden, wurde mit einem Kleinflugzeug aus einer abgelegenen Kolonie im Grenzgebiet zum Departamento Beni nach Pailón gebracht. Dort warteten Ärzte und ein Krankenwagen bereits unmittelbar an der Landebahn.


Die Landung des ersten Fluges auf dem neuen Flugplatz war ein medizinischer Notfall

Die Videoaufnahmen von der Ankunft zeigen, wie das einmotorige Kleinflugzeug auf der unbefestigten Landepiste aufsetzt und bis zum bereitstehenden Rettungswagen rollt. Die Piste ist mit weißen Randmarkierungen gekennzeichnet. Mehrere Mitarbeiter und Anwesende verfolgen die erste Landung und begrüßen das Flugzeug anschließend mit Beifall.


Nach dem Öffnen der Maschine wird die Patientin zum unmittelbar danebenstehenden Krankenwagen gebracht. Auf dem Fahrzeug ist deutlich die Aufschrift „Ambulancia – Pailón – Villa Nueva“ zu erkennen. Der kurze Weg zwischen Flugzeug und Rettungswagen verdeutlicht, wie das neue Konzept funktionieren soll: Patienten sollen nach der Landung ohne längeren Straßentransport sofort zur medizinischen Behandlung gebracht werden können.


Aus stundenlanger Fahrt wird ein Flug


Für den mennonitischen Arzt Dr. Erwin Martens, Eigentümer des Gesundheitszentrums und Initiator des Flugplatzes, geht damit ein lange verfolgtes Vorhaben in Erfüllung. Nach seinen Angaben benötigten Patienten aus entlegenen Kolonien bisher teilweise mehr als zwölf Stunden, bis sie medizinische Hilfe erreichten.

„Früher brauchten die Patienten oft mehr als zwölf Stunden, bis sie Hilfe bekamen. Heute verkürzt sich diese Zeit drastisch, und wir werden viel mehr Leben retten können.“

Gerade in Notfällen, bei schweren Unfällen oder bei Komplikationen während einer Schwangerschaft kann eine solche Zeitersparnis entscheidend sein.


Dr. Erwin Martens mit dem Piloten Peter Wiebe der die medizinischen Flüge durchführt
Dr. Erwin Martens mit dem Piloten Peter Wiebe der die medizinischen Flüge durchführt


Medizinische Versorgung für weit entfernte Kolonien


MEDIFAM ist bereits seit längerer Zeit besonders auf die medizinische Versorgung der mennonitischen Bevölkerung rund um Pailón ausgerichtet. Martens hat das Krankenhaus in Villa Nueva aufgebaut; ein wichtiger Vorteil für viele Patienten aus den traditionellen Kolonien ist dabei auch die Verständigung auf Plattdeutsch.


Viele mennonitische Kolonien im Osten Boliviens liegen weit von größeren Städten entfernt. Schlechte Straßen und lange Entfernungen erschweren einen schnellen Transport von Kranken erheblich. Genau an diesem Punkt soll der Aeródromo Frankfurt ansetzen.


Die neue Landebahn verfügt nach Angaben der Betreiber über die notwendigen behördlichen Genehmigungen. Sie soll künftig vor allem als Stützpunkt für medizinische Evakuierungsflüge dienen. Geplant ist, Patienten aus weit entfernten und schwer zugänglichen Gebieten per Flugzeug nach Pailón zu bringen.


Nicht nur für Mennoniten


Obwohl das Projekt aus dem Umfeld des mennonitisch geprägten Gesundheitszentrums entstanden ist, soll es nicht ausschließlich Mennoniten zugutekommen. Auch Bewohner anderer ländlicher Gemeinden im Osten von Santa Cruz sowie aus angrenzenden Gebieten des Beni können von der neuen Möglichkeit profitieren.


Villa Nueva selbst entstand nördlich von Pailón als mennonitische Siedlung und entwickelte sich zu einem Zentrum mit Gemeinde, Schule und weiteren Einrichtungen.  MEDIFAM hat sich dort in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Anlaufstelle für Patienten aus den umliegenden Kolonien entwickelt.


Mit der ersten Landung hat der Aeródromo Frankfurt nun gezeigt, wofür er gebaut wurde: nicht in erster Linie für allgemeinen Flugverkehr, sondern um medizinische Hilfe schneller zu den Menschen zu bringen beziehungsweise Patienten schneller zur medizinischen Versorgung zu bringen.


Für die weit verstreuten mennonitischen Kolonien im Osten Boliviens könnte sich damit eine Versorgungslücke verkleinern, die bislang vor allem durch eines geprägt war: große Entfernungen und den Verlust wertvoller Zeit.


Dankbarkeit für Gottes Führung


Bei aller technischen Planung, den behördlichen Genehmigungen und dem persönlichen Einsatz vieler Beteiligter bleibt vor allem der Blick auf Gott und seine Führung. Die Fertigstellung des Flugplatzes erfüllt die Beteiligten mit großer Dankbarkeit gegenüber Gott, der dieses Vorhaben begleitet, bewahrt und schließlich zum Ziel geführt hat.


Dass aus einer Idee schließlich ein einsatzbereiter Flugplatz entstehen konnte und bereits der erste Flug einem Menschen in einer medizinischen Notlage zugutekam, gibt dem Projekt eine besondere Bedeutung. Für die Verantwortlichen und die Menschen in den umliegenden mennonitischen Kolonien verbindet sich damit die Hoffnung, dass diese neue Möglichkeit künftig dazu dienen kann, Leben zu erhalten und Menschen in Not rechtzeitig Hilfe zu bringen.


Dabei gilt der biblische Grundsatz: „Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.“ (Psalm 127,1)


So steht am Ende nicht nur die Freude über eine gelungene technische und medizinische Entwicklung, sondern vor allem die Dankbarkeit gegenüber Gott, der Möglichkeiten schenkt, Wege öffnet und menschliche Arbeit zum Segen für andere werden lassen kann.


Informationen und Bilder von Dr. Erwin Martens

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