Mennoniten-Brüdergemeinde: Geschichte und Selbstverständnis einer Gemeinde
- Redaktion

- vor 4 Tagen
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1860 war das Geburtsjahr der Mennoniten-Brüdergemeinde. Trotz ihrer Anfangsschwierigkeiten stabilisierte sie sich, wuchs und erschloss neue Missionsfelder. Nur einige Jahrzehnte später erlebte sie während der Zeit des Roten Terrors eine harte Feuerprobe. Doch es sollte nicht ihr Untergang werden denn Gottes Plan war anders!
So besteht die Mennoniten-Brüdergemeinde mehr als 160 Jahre und ist wie ein bewohntes Haus. Ihre Bewohner sind nur vorübergehend da, gehen weiter und hinterlassen Spuren ihres Glaubens und Wirkens. Wenn neue kommen, lernen sie Besonderheiten, Vorzüge und Herausforderungen dieses Hauses kennen. Sie dürfen ein Zuhause genießen und mitarbeiten.
Was war der Ursprung der Mennoniten-Brüdergemeinde? Wie war ihr Werdegang? Was macht ihre Identität heute aus?
Das Buch – im Fokus stehen unabhängige Mennoniten-Brüdergemeinden in Deutschland, die die Zeit der Sowjetunion durchlebten – beantwortet diese Fragen nicht nur für die eigene junge Generation, sondern auch für alle, die die Geschichte und die Anliegen dieser Gemeinde kennenlernen wollen.
Vorwort zur Neuauflage von Helmut Matthies
Geschichte ist nicht nur Geschehenes, sondern Geschichtetes – also der Boden, auf dem wir stehen und bauen.
Hans von Keler (1925–2016)
Wir leben in einer Zeit, in der diese Wahrheit allzu leicht in Vergessenheit gerät. Sich mit dem „Boden, auf dem wir stehen und bauen“, zu beschäftigen, wird immer mehr zur Angelegenheit einer kleinen Minderheit. Weil der unmittelbare Zweck davon nicht jedem sofort einleuchtet, wird das „Geschichtete“ immer mehr den Historikern oder Geschichte-Liebhabern überlassen. Und auch wir Christen stehen in der Gefahr, zusammen mit unseren Zeitgenossen allein im „Heute“ aufzugehen – wenn es gut geht, ein wenig vorauszusehen, aber kaum noch wirklich nach hinten in die Vergangenheit.
Dabei ist doch der regelmäßige Rückblick auf den bisher zurückgelegten Weg ein Gebot Gottes für sein Volk. Wie anders kann es sonst Gottes Güte und Treue und auch sein liebevolles Erziehungshandeln in der Vergangenheit wahrnehmen und für die Gegenwart lernen? Deshalb spricht Gott auch durch Jeremia zu seinem Volk (Jer 6,16): „Tretet hin an die Wege und schaut und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, welches der gute Weg ist, und wandelt darauf, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen!“ Im Blick auf die zurückgelegten Wege des Volkes Gottes im Allgemeinen und der eigenen Glaubensväter im Besonderen erwächst Klarheit, welches der gute Weg ist, und Weisheit, wie dieser Weg in Gegenwart und Zukunft zu beschreiten ist. Eine solche Geschichtsbetrachtung verhilft zu geistlicher Orientierung und Klarsicht im Hier und Jetzt. Und wie nötig haben wir das besonders in einer Zeit, in der der Mensch – und wohl auch mancher Christ – zum „Orientierungswaisen“ geworden ist. Hinzu kommt, dass auch ganze christliche Gemeinden von der allgemeinen Auflösung der Identitäten erfasst werden. Wenn aber eine Gemeinde „ihrer Identität unsicher wird, wird auch ihr Gang unsicher. Sie verliert dabei die Richtung, in die sie zu gehen hat“ (S. 136). Gerade deshalb ist auch ein Erinnern an die bisherigen Wege Gottes mit der Mennoniten-Brüdergemeinde insbesondere für deren heutige Gemeindeglieder so wichtig.
Das vorliegende Buch will keinen Gesamtüberblick über die weltweite Geschichte der Mennoniten-Brüdergemeinde geben, sondern zeichnet vor allem den Weg und das Selbstverständnis unabhängiger Mennoniten-Brüdergemeinden in Deutschland nach, die die Zeit der Sowjetunion durchlebten.
Dieser Besinnung auf das Gewordene, das Ererbte, dient vor allem der erste und größte Teil der vorliegenden Ausarbeitung, welcher die Herkunft, Entstehung und Entwicklung der Mennoniten-Brüdergemeinde nachzeichnet und sich dabei auf die notwendigen Hauptlinien konzentriert. Es ist erstaunlich, wie Gott sich gerade in den „Mühlen“ des gottfeindlichen Kommunismus auch der Mennoniten-Brüdergemeinde erbarmt hat und – teilweise nur durch beinahe am Leben vergangene Mütter – den Glauben am Leben erhalten hat.
So wird der Wert des Glaubenserbes dem Leser groß gemacht, indem ihm vor Augen geführt wird, wie viel Güte und Treue Gott unseren Glaubensvorfahren erwies und wie viele Leiden und Kämpfe auch auf menschlicher Seite durchgestanden werden mussten, um dieses Erbe in unsere Zeit hinüberzuretten. Der Kern des Ererbten, der Glaube selbst, wird dann im zweiten Teil der Ausarbeitung
„Lehre der Mennoniten-Brüdergemeinde“ in Kürze zusammengefasst. Er beschreibt, ausgehend von dem „Klammern des Glaubenden an den Heiland Jesus Christus“, die grundlegenden Wahrheiten, die direkt aus der Heiligen Schrift und auch durch Belehrung z. B. seitens der Pietisten gelernt und im Laufe der Zeit immer tiefer verstanden wurden.
Was wäre jedoch eine gemeindegeschichtliche Betrachtung wert, wenn die dadurch bewirkte, aus der Vergangenheit schöpfende Identitätsstärkung nicht auch gegenwartsrelevante und zukunftsweisende Schlussfolgerungen bereithielte – besteht doch die Herausforderung für einen Nachfolger Christi „vor allem darin, sich in neuen und ständig wechselnden Verhältnissen zu betätigen und zu bewähren“ (S. 105). Diese Absicht hat der dritte Teil der Ausarbeitung, der sich mit den Aufgaben der Mennoniten-Brüdergemeinde beschäftigt, welche sich aus ihrer speziellen historischen Begabung ergeben. Der Boden, auf dem wir bauen, beeinflusst unsere Bauweise. Gewordenes verpflichtet auch für die Zukunft! Dies fordert heraus und ermutigt zugleich, sich auch in heutiger Zeit in Gottvertrauen und Gehorsam ihm gegenüber in seinem Reich allgemein, aber auch in der konkreten Ortsgemeinde einzusetzen und weiterzuarbeiten. Lassen wir die Wege Gottes mit unseren Glaubensvätern und -müttern uns zur Ermutigung, zur Warnung und zum Ansporn dienen.
Möge der Beitrag zur „Geschichte und zum Selbstverständnis“ der Mennoniten-Brüdergemeinde helfen, das Gewordene zu schätzen, das Ererbte sorgsam zu verwalten und mit Gottes Beistand behutsam weiterzubauen. Mithilfe dieses Buches wollen wir „hinzutreten“, „schauen“, „fragen“ und dann „auf dem guten Weg wandeln“.
Das Buch kann bei folgenden Verlagen bestellt werden:




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