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Kolonie „Terek“


Kolonie „Terek“ (Nordkaukasus / heutiges Dagestan, Russland)

Gegründet: 1901

Mutterkolonie: Molotschna (Ansiedlung durch Familien aus dem Molotschna-Raum, u. a. Halbstadt/Gnadenfeld)

Lage (damals): Terek-Gebiet im Nordkaukasus; Verwaltung/Anbindung über den Raum Chasawjurt (Khassav-Yurt)

Lage (heute): Republik Dagestan, Rajon Babajurt

Lage (geografisch): Tiefland am Kaspischen Meer, im Flusssystem Terek/Aktasch (je nach Quelle auch am/nahe Sulak)

Fläche: 24.800 Desjatinen (≈ 27.100 ha) / 66.960 acres

Dörfer (Nr./Name, Gründung):1 Wanderloo (1901), 2 Chartsch (1901), 3 Talma (1901), 4 Konstantinowka (1901), 5 Sulak (1902), 6 Alexandrowka (1901), 7 Marjanowka (1901), 8 Rohrbach (1901), 9 Nikolajewka (1901), 10 Müdelburg (1901), 11 Pretoria (1901), 12 Ostheim (1901), 13 Taranowka (1901), 14 Kameschlak (1904), 15 Kaplan (1904; kurzlebig), 16 Agrakahn (nicht besiedelt), 17 Aktasch (nicht besiedelt).

Familienzahl / Einwohner: ca. 536 Familien (um 1901); 1.655 Einwohner (1905)

Auflösung als mennonitische Kolonie: Flucht 1918; Rückkehrversuche ab 1921; endgültige Aufgabe bis 1925 (viele nach Kanada)


Warum Terek entstand


Wie bei vielen mennonitischen Tochtergründungen war der Kernantrieb Landbedarf: In den Mutterkolonien gab es landlose Familien, und die Molotschna-Kolonie erwarb deshalb im Kaukasus ein großes Landpaket (Kauf von den Brüdern Lwow/Lvov).


Name und Siedlungsbeginn


„Terek“ verweist auf die Region (Terek-Gebiet). In den ersten Jahren taucht auch die Bezeichnung „Lwowsche/Lvovsche Ansiedlung“ auf – nach den Verkäufern des Landes. Die Siedlung wurde als geschlossener Verband geplant: nummerierte Dörfer, jeweils mit Hofstellen, Dorfvorsteher (Schulze) und einer Gesamtleitung (Oberschulze).


Hof von Peter Giesbrecht in Wanderlo, Terek 1910
Hof von Peter Giesbrecht in Wanderlo, Terek 1910

Leben zwischen Dürre, Bewässerung und Krankheiten


Der Start war hart: Dürre, Ernteausfälle, Fieber/Malaria, Viehseuchen, Heuschrecken und wiederkehrende Überschwemmungen werden ausdrücklich genannt. Später setzten die Bauern stark auf Bewässerungskanäle (u. a. Talmak- und Richat-Kanal); damit waren teils zwei Ernten pro Jahr möglich.


Peter Giesbrecht in der Heuernte in Wanderlo am Terek
Peter Giesbrecht in der Heuernte in Wanderlo am Terek

Wirtschaft und Infrastruktur


Trotz der schwierigen Bedingungen entstand eine beachtliche Infrastruktur: Mühlen, Ziegelwerke, Schmieden und Tischlereien, dazu Läden, Buchhandlung und Bank. Zudem wurde Erdöl in der Gegend festgestellt; größere Bohrungen/Entwicklungen wurden allerdings durch die Kriegs- und Umbruchszeit erschwert.


Mühle von Johann F. Nikkel in Talma am Terek
Mühle von Johann F. Nikkel in Talma am Terek

Kirche, Schule und Ordnung


Religiös bildeten sich sowohl mennonitische Gemeindestrukturen als auch Mennonitenbrüder heraus: 1908 wurden in Chartsch und Müdelburg Mennonitenkirchen gebaut, 1912 eine Brüdergemeinde-Kirche in Talma. Schulen gab es in (nahezu) jedem Dorf; anfangs fand Unterricht teils in Privathäusern statt, später organisierter.


Kirche der Mennoniten Brüdergemeinde in Talma am Terek
Kirche der Mennoniten Brüdergemeinde in Talma am Terek

Krisenjahre, Flucht und Ende


Die Kolonie erlebte wiederholte Krisen: Nach Revolution/Bürgerkrieg flohen viele 1918. Zwar kam es 1921 zu Rückkehrversuchen (unter Zusagen von Schutz und Restitution), doch Diebstahl und Gewalt setzten erneut ein. Bis 1925 gaben die meisten die Ansiedlung endgültig auf; zeitgenössische Darstellungen werten Terek als besonders gescheitertes Kolonieprojekt.


Ortsnamen heute


Viele Orte tragen heute russische Bezeichnungen, häufig als „Lwowski 1–14“ (z. B. Wanderloo → Lwowski 1; Chartsch → Lwowski 2; Müdelburg → Lwowski 10). Ausnahmen: Talma → Tursin, Konstantinowka → Arzalu; Kaplan gilt als nicht mehr existent.


Quellen

  • Chortitza.org – Datensatz „Terek Kolonie“ (Kennzahlen, Kurzgeschichte, Kartenhinweise)

  • Chrotitza Kalma Terek Kolonie

  • Chortitza Wanderloo Terek Kolonie

  • GAMEO – „Terek Mennonite Settlement (Republic of Dagestan, Russia)“ (Struktur, Verwaltung, Bewässerung, Rückkehr 1921–1925)

  • Wikipedia (DE) – „Kolonie Terek“ (heutige Zuordnung, Dorf-/Ortsnamensliste)

  • Germans from Russia Settlement Locations – „Sonderkarte vom Terek-Gebeit“ (Kontext der 17 Dörfer, frühe Aufgabe einzelner Orte)

  • Mennonite Heritage Centre Archives (MAID) – Einträge zu Fotos/Spuren (u. a. Talma-Häuser)

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