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Kolonie „Rheinland“ in Angola


Gegründet: 2023

Lage: Angola, im Raum Malanje

Herkunft der Siedler: Kolonie Nueva Italia, Bolivien

Fläche: ca. 10.000 Hektar

Geplante Größe: Land für etwa 200 Familien

Erstes Dorf: Schöndorf

Kirche und Schule: Gebäude 2025 gebaut, Schule mit 29 Schulkindern


Ansiedlung


Die Kolonie Rheinland gehört zu den jüngsten mennonitischen Kolonien weltweit. Sie ist zugleich eine der ersten bekannten geschlossenen Ansiedlungen konservativer, plattdeutscher Mennoniten in Afrika. Die Vorbereitungen reichen bis etwa 2019 zurück. Der eigentliche Beginn der Kolonie war im August 2023, als die ersten Siedler ankamen.


Erste Häuser in der Kolonie Rheinland
Erste Häuser in der Kolonie Rheinland

Die Familien kamen aus Bolivien. Dort hatte sich die Kolonie Nueva Italia nicht gut entwickelt, weil es zu wenig regnete. Darum suchten mehrere Familien nach neuem Land. In diesem Zusammenhang wird auch Francisco Calderón erwähnt, der den Mennoniten den Weg nach Angola nahelegte. So entstand der Gedanke, in Angola eine neue mennonitische Kolonie aufzubauen.


Herkunft und Familiennamen


In Rheinland begegnen uns viele Namen, die aus den mennonitischen Kolonien Lateinamerikas bekannt sind. Genannt werden unter anderem die Familiennamen Klassen, Sawatzky, Banman, Friesen, Wieler, Wiebe und Loewen.


Einzelne Personen wie Abram Klassen, David W. Klassen, Peter F. Klassen, Johan L. Sawatzky, Jacob Banman, Abram K. Banman, Heinrich D. Friesen, Franz Friesen, Isaac Friesen, Herman Wieler, David Wieler, Bernhard Wieler, Abram Wiebe und Heinrich P. Loewen stehen stellvertretend für die ersten Aufbaujahre dieser Kolonie.


Diese Namen zeigen, dass Rheinland nicht als Einzelprojekt weniger Personen zu verstehen ist, sondern als Teil einer größeren mennonitischen Wanderungsbewegung. Wie früher bei Chortitza, Molotschna oder Terek steht auch hier die Suche nach Land im Hintergrund. Die Familien suchen ein Gebiet, in dem sie Landwirtschaft treiben, ihre Kinder in eigenen Schulen unterrichten und ihr Gemeindeleben nach ihrer Überzeugung führen können.


Lage und Landschaft


Die Kolonie liegt in Angola, im Umfeld der Provinz Malanje. Diese Region gilt als landwirtschaftlich bedeutsam. Auch die angolanische Regierung sieht in Landwirtschaft und Viehzucht einen wichtigen Teil der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes.


Natürliche Vegetation in Angola, typische offene Wald- und Savannenlandschaft der Region Cangandala nahe bei Malanje
Natürliche Vegetation in Angola, typische offene Wald- und Savannenlandschaft der Region Cangandala nahe bei Malanje

Als die Mennoniten nach Rheinland kamen, war das Land noch nicht erschlossen. In der Gegend wuchs hoher Wald, der zuerst gerodet werden musste. Die Siedler waren aus Bolivien andere Verhältnisse gewohnt. In Angola mussten sie neu lernen, wie der Boden bearbeitet werden muss, was der Erde fehlt und welche Pflanzen dort gut gedeihen. Besonders ungewohnt waren die starken Gewitter.


Die Temperaturen werden mit etwa 15 bis 35 Grad Celsius angegeben. Auf einzelnen Feldern wächst bereits hoher Mais, während die Pflanzen an anderen Stellen nur langsam vorankommen. Auch mit weiteren Kulturen wird versucht, darunter Gemüse und Kaffee. Nach und nach lernen die Bauern, welche Düngung notwendig ist und welche Böden sich für welche Pflanzen eignen.


Aufbau der Dörfer


Im Jahr 2023 wurde die erste Dorfstraße der Kolonie gerodet. Das erste Dorf wird als Schöndorf bezeichnet. Damit begann die sichtbare Ordnung der Siedlung: Wege, Hofstellen, Wohnplätze und Felder entstanden Stück für Stück.


Provisorische Häuser gebaut mit Container
Provisorische Häuser gebaut mit Container

Der Anfang war schlicht. Viele Familien wohnten zunächst in Containern oder einfachen Behelfswohnungen. Nach und nach entstanden feste Häuser aus Ziegeln, Schuppen, Läden und Wirtschaftsgebäude. Die Bilder aus Rheinland zeigen Traktoren auf schlammigen Wegen, Container mit Ackergerät, neu gebaute Wassertröge, Maisfelder, Gemüsegärten und junge Hofstellen.


In der Kolonie Rheinland sieht man keine Autos, dafür viele Pferdewagen
In der Kolonie Rheinland sieht man keine Autos, dafür viele Pferdewagen

Neben Traktoren sind auch Pferdewagen, also Buggys, zu sehen. Die Lebensweise entspricht damit dem konservativen mennonitischen Koloniealltag: einfache Kleidung, Familienarbeit, Feldarbeit, gemeinsamer Gottesdienst, eigene Schule und Zurückhaltung gegenüber der modernen Welt.


Landwirtschaft


Die Landwirtschaft bildet die Grundlage der Kolonie. Angebaut wird vor allem Mais. Dazu kommen Gärten, Futterpflanzen und erste Versuche mit weiteren Kulturen. Die Bauern müssen in Angola vieles neu erproben. Was in Bolivien, Paraguay oder Mexiko selbstverständlich war, kann in Angola nicht einfach übernommen werden. Boden, Regen, Transport, Düngung und Klima stellen neue Anforderungen.


Maisanbau ist eine der Haupteinnahmequellen der Kolonie
Maisanbau ist eine der Haupteinnahmequellen der Kolonie

Gerade darin liegt aber auch eine große Möglichkeit. Angola besitzt fruchtbare Böden, Wasserressourcen und günstige klimatische Voraussetzungen. Zugleich muss das Land weiterhin einen großen Teil seiner Lebensmittel einführen. Zu den wichtigen landwirtschaftlichen Produkten Angolas gehören unter anderem Maniok, Mais, Bohnen, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Soja, Bananen, Kaffee, Reis, Gemüse und Obst.




Für mennonitische Bauern kann Angola darum ein Land mit Zukunft sein. Doch der Anfang ist schwer. Es fehlen Erfahrungen, Maschinen müssen herangebracht werden, Wege sind schlecht, Tiere sind teuer, und auch einfache Dinge wie Baumaterial, Futter und Transport verursachen hohe Kosten.


Viehwirtschaft und Milchwirtschaft


Ein wichtiger Schritt war die Anschaffung der ersten Rinder. In Rheinland kamen zunächst eine Kuh und ein Bulle an. Die Tiere mussten aus einer etwa 1.000 Kilometer entfernten Gegend geholt werden. Die Kosten lagen bei ungefähr 3.000 US-Dollar für die Kuh und 2.000 US-Dollar für den Bullen. Daran wird deutlich, wie schwierig der Aufbau einer Milchwirtschaft in Angola ist.


In vielen mennonitischen Kolonien in Paraguay, Bolivien, Mexiko oder Belize gehören Milchkühe, Molkereien und Käseherstellung zum normalen Wirtschaftsleben. In Rheinland steht diese Entwicklung noch am Anfang. Es gibt noch keine ausgebaute Milchwirtschaft und noch keine Käsefabrik. Zuerst müssen Viehbestände, Futtergrundlage, Wasserstellen, Kühlung, Transport und Verarbeitung aufgebaut werden.


Gemeinde und Gottesdienst


Das geistliche Leben ist von Anfang an ein Mittelpunkt der Kolonie. Am Sonntag versammeln sich die Familien zum Gottesdienst. Die meisten gehen zu Fuß zur Kirche, weil sie nahe wohnen. Einige kommen mit dem Buggy aus weiter entfernten Dörfern. Das zeigt, dass die Siedlung bereits eine innere Ordnung entwickelt: Hofstellen, Wege, Gottesdienstort und gemeinsames Gemeindeleben.


Die neue Kirche. Diese dient auch als Schulgebäude
Die neue Kirche. Diese dient auch als Schulgebäude

Im Jahr 2025 wurde ein Kirchengebäude errichtet. Dieses Gebäude dient zugleich als Schule. Solch eine Verbindung von Kirche und Schule ist für konservative mennonitische Kolonien sehr typisch. Der Glaube, die Kindererziehung und das tägliche Leben werden nicht getrennt, sondern gehören zusammen.


Schule


Die Schule in Rheinland hatte bereits 29 Schulkinder. Damit ist die Kolonie nicht nur eine Ansiedlung einzelner Bauern, sondern eine wachsende Gemeinschaft mit Familien und Kindern.


Wie in anderen konservativen Kolonien ist die Schule ein entscheidender Bestandteil des Gemeindelebens. Sie soll die Kinder in Lesen, Schreiben, Rechnen und biblischer Unterweisung festigen und zugleich Sprache, Glauben und Lebensweise der Gemeinde bewahren.


Verhältnis zur Umgebung


Die Mennoniten stehen in Kontakt mit der lokalen Bevölkerung. Einheimische Arbeiter helfen beim Aufbau, beim Laden, auf den Feldern und bei praktischen Arbeiten. Frauen aus der Umgebung kommen mit Obst in die Siedlung und verkaufen es an die Mennoniten. Gleichzeitig gibt es einen Wachposten, an dem kontrolliert wird, wer in die Siedlung hinein- und hinausgeht.


Die angolanische Seite sieht in der mennonitischen Ansiedlung offenbar auch wirtschaftliche Möglichkeiten. In Rheinland entstehen Arbeitsplätze, landwirtschaftliche Flächen werden erschlossen, und bisher ungenutztes Land wird bearbeitet. Die Provinz Malanje wird von Gouverneur Marcos Alexandre Nhunga geleitet.


Die Herren Viktor Silva und Antonio Nunes mit Mennoniten zu Besuch beim Gouverneur Marcos Alexandre Nhunga
Die Herren Viktor Silva und Antonio Nunes mit Mennoniten zu Besuch beim Gouverneur Marcos Alexandre Nhunga

Eine wichtige Rolle bei den Kontakten und Papieren spielte Herr Victor Silva. Er wird als Helfer der Mennoniten bei Dokumenten und Behördenfragen genannt. Auch ein Besuch im Palast des Provinzgouverneurs von Malanje wird erwähnt. Solche Kontakte sind für eine junge Kolonie sehr bedeutsam, denn ohne geregelte Dokumente, Aufenthaltsfragen und Behördenkontakte kann eine Ansiedlung nicht dauerhaft bestehen.


Ausblick


Die Kolonie Rheinland ist jung. Viele Dinge sind noch im Werden: Felder, Häuser, Viehbestände, Wege, Schule, Gemeindeordnung und wirtschaftliche Grundlage. Die Siedler müssen Angola erst kennenlernen. Sie müssen lernen, wie der Boden reagiert, wann die beste Pflanzzeit ist, welche Pflanzen sich lohnen, wie Viehhaltung möglich wird und wie sich ein friedliches Verhältnis zur Umgebung erhalten lässt.


Doch der Anfang ist gemacht. Die ersten Straßen sind gerodet. Die ersten Häuser stehen. Die Schule ist begonnen. Der Gottesdienst findet statt. Auf den Feldern wächst Mais. Die ersten Rinder sind angekommen. Familien mit Namen wie Klassen, Sawatzky, Banman, Friesen, Wieler, Wiebe und Loewen haben sich auf den Weg gemacht, um in Angola eine neue mennonitische Heimat aufzubauen.


Ob Rheinland eines Tages zu einer festen und blühenden Kolonie wird, wird die Zukunft zeigen. Aber schon jetzt ist diese Ansiedlung ein bemerkenswertes Kapitel in der neueren Geschichte der konservativen Mennoniten.


Quellen:

  • Dokumentation zur Kolonie Rheinland in Angola – Angaben zu Gründung, Fläche, Schöndorf, Schule, Kirche, Familiennamen, Landwirtschaft, Viehhaltung und Aufbau der Kolonie.

  • Anabaptist World: „Angola settlement big step for colonies“ – Hintergrund zur frühen mennonitischen Ansiedlung bei Malanje und zur Auswanderung plautdietscher Mennoniten nach Angola.

  • FAO: Angola – Hand-in-Hand Initiative – Angaben zum landwirtschaftlichen Potenzial Angolas und zur Bedeutung von Ackerbau und Viehzucht.

  • U.S. International Trade Administration: „Angola – Agricultural Equipment“ – Überblick über Landwirtschaft, wichtige Anbauprodukte und landwirtschaftliche Bedingungen in Angola.

  • Regierung Angolas: Biografie Marcos Alexandre Nhunga – offizielle Angaben zum Gouverneur der Provinz Malanje


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