Johannes Bader (um 1487–1545)
- Redaktion

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Johannes (auch: Johann) Bader wurde um 1487 in Straßburg geboren. Über seine Kindheit und Ausbildung ist fast nichts bekannt – aber umso deutlicher tritt später sein Charakter hervor: ein Mann, der dem Evangelium mehr gehorchen wollte als den Erwartungen seiner Zeit.
Berufung in bewegter Zeit
Erstmals begegnet Bader 1509 als Prinzenerzieher in Zweibrücken; ab 1514 wirkte er dort auch als Kaplan. 1518 wurde er nach Landau berufen, wo er als Pfarrer an der Stiftskirche zum prägenden Gesicht der Reformation wurde.
Mut zur Wahrheit – und der Preis dafür
Ab 1522 trat Bader offen gegen kirchliche Missstände auf. Das blieb nicht folgenlos: 1523 musste er sich vor dem bischöflichen Gericht in Speyer verantworten. Die Verhandlungen endeten zunächst mit der Auflage, „das heilige Evangelium zu predigen“ und zugleich den kaiserlichen Mandaten gehorsam zu sein – ein Satz, der wie ein Spiegel seiner Lage wirkt: predigen ja, aber bitte ohne Konsequenzen. Bader aber ging weiter.
Als er 1524 erneut geladen wurde, verteidigte er sich schriftlich; schließlich wurde er mit dem Kirchenbann belegt. Doch gerade in dieser Bedrängnis zeigt sich sein Lebenszeugnis besonders deutlich: Er blieb in Landau – nicht aus Trotz, sondern aus Verantwortung für seine Gemeinde.
Ein Reformator, den die Stadt schützte
Bader stand nicht allein. Der Landauer Stadtrat und die Bürgerschaft hielten zu ihm und schützten ihn vor dem Zugriff des Bischofs. Sogar als das Landauer Stift die Bezahlung einstellte, übernahm die Stadt seine Entlohnung. Das ist mehr als eine Verwaltungsgeschichte: Es zeigt, wie eng geistliche Erneuerung und städtische Zivilcourage in Landau zusammenkamen.
Aufbau statt bloßer Protest: Schule, Jugend, Katechismus
Bader war kein Reformator, der nur „gegen etwas“ war. Seine Schriften und sein Wirken zielten auf Aufbau: Glaubensunterweisung, Gemeindeordnung, geistliche Reife. Besonders lag ihm die Jugend am Herzen; er setzte sich für Bildung ein und förderte die Gründung einer deutschen Schule.
1526 verfasste er einen Katechismus für junge Menschen – in der Überlieferung gilt dieses „Gespräch Büchlein“ als der älteste evangelische Katechismus. Wer Baders Herz sehen will, sieht es hier: Er wollte, dass der Glaube verstanden, eingeübt und gelebt wird – nicht nur nachgesprochen.
Klar in der Lehre – standhaft gegen Strömungen
Bader suchte keine religiöse Unruhe um ihrer selbst willen. Er rang um biblische Klarheit und zugleich um Gemeinde-Frieden. In der Abendmahlsfrage stand er Martin Bucer nahe, und 1536 schloss er sich der Wittenberger Konkordie an – einem Versuch, reformatorische Gegensätze zu überbrücken.
Gleichzeitig trat er entschieden gegen die Täuferbewegung auf und schrieb u. a. gegen Hans Denck. Auch das gehört zu seinem Profil: Er wollte Reformation, aber in geordneten Bahnen, mit Unterweisung, Verantwortung und kirchlicher Verbindlichkeit.
Späte Jahre: Strenge Kirchenzucht und stille Lasten
In den späteren Jahren stand Bader in engem Kontakt mit Kaspar Schwenckfeld. Der Einfluss dieser Freundschaft zeigte sich in einer strengen Kirchenzucht: Das Abendmahl sollte nicht zur Gewohnheit werden, sondern Ausdruck eines ernsthaften christlichen Lebens. Zugleich war Bader seit 1538 mehrfach krank; 1543 erhielt er einen Diakon als Unterstützung.
Bader starb 1545 in Landau; die neuere biographische Überlieferung nennt als Zeitraum „zwischen dem 10. und 15. August“, während auch der 16. August als Todestag begegnet.
Vermächtnis
Johannes Bader bleibt als Landauer Reformator nicht nur ein Name, sondern ein Zeugnis:
Mut, das Evangelium öffentlich zu bekennen, auch unter Druck.
Treue, bei der Gemeinde zu bleiben, als Bann und Drohungen kamen.
Aufbau, weil Reformation für ihn Unterricht, Seelsorge und gelebte Frömmigkeit bedeutete.
Dass Landau heute bewusst an ihn erinnert, zeigt u. a. die Benennung des Johannes-Bader-Platzes neben der Stiftskirche im Rahmen des Reformationsjubiläums 2017.
Quellen und weiterführende Literatur
Deutsche Biographie / NDB: „Bader, Johannes“ (Indexeintrag mit Kurzbiographie, Werk- und Literaturhinweisen).
regionalgeschichte.net: Überblicksartikel „Johannes Bader“ (Landau, Speyerer Verfahren, Wirken in der Stadt).
ADB (Wikisource): „Bader, Johannes“ (historische Darstellung, u. a. Schulen, Verhältnis zu Bucer/Schwenckfeld).
Evangelische Kirche der Pfalz (PDF, INFO Nr. 150): Kurzporträt und Kontext „Der ‚kleine Luther‘ von Landau“.
Brockhaus: Kurzeintrag zu Bader und seinem katechetischen Werk.




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