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Dietrich Jacob Gaeddert (1837–1900)

Dietrich Jacob Gaeddert
Dietrich Jacob Gaeddert

Dietrich Gaeddert wurde in der mennonitischen Dorfgemeinschaft Alexanderwohl in der Molotschna-Kolonie (Südrussland/Ukraine) geboren. In russischen Quellen begegnet sein Geburtsdatum teils „18. Februar (alter Stil/Julianischer Kalender)“ – das entspricht 2. März 1837 nach dem damals außerhalb Russlands gebräuchlichen Kalender (neuer Stil).


Frühe Prägung: Lehrer, Bibelleser, Gemeindediener


Aus Alexanderwohl stammend, wuchs Gaeddert in einer Glaubenswelt auf, in der Gemeindeordnung, Schule und gelebte Nachfolge eng zusammengehörten. Früh trat er in den Dienst als Lehrer und unterrichtete über elf Jahre in mehreren Orten der Molotschna (u. a. Paulsheim, Rückenau, Fürstenwerder). Dieses Lehren war mehr als ein Beruf: Es war Dienst an der nächsten Generation – an Sprache, Schrift und Glauben.


Am 4. Juni 1856 wurde er in der Alexanderwohl-Gemeinde getauft (durch Ältesten Peter Buller). In dieser Entscheidung zeigt sich ein Kern seines Lebens: Glauben war für ihn nicht Tradition allein, sondern bewusste Bindung an Christus – sichtbar im Gehorsam und im Dienst.


Ehe und Familie


Am 17. September 1859 heiratete Dietrich (Diedrich) Gaeddert in der Molotschna seine erste Frau Maria Martens (1842–1878), die aus Rückenau stammte. Gemeinsam bauten sie in Russland und später als Auswanderer in Kansas ihr Familienleben auf; Maria starb jedoch bereits 1878 in Kansas – mitten in den anspruchsvollen Aufbaujahren nach der Übersiedlung.


Dietrich Gaeddert mit Ehefau
Dietrich Gaeddert mit Ehefau

Nach dieser schweren Zäsur ging Gaeddert am 27. März 1879 in McPherson County (Kansas) eine zweite Ehe ein – mit Helena Richert (1858–1950). Auch in dieser neuen Familiensituation blieb sein Dienst an Gemeinde und Menschen derselbe: tragend, ordnend und seelsorgerlich in einer Zeit, in der viele Familien noch um Heimat und Stabilität rangen.


Prediger in Alexanderwohl


Am 02. Februar 1862 wählte ihn die Gemeinde zum Prediger; die Ordination erfolgte im Februar des Folgejahres. Im Jahre 1867 wurde er dann zum Ältesten berufen.


Seine Zeit in Russland war zugleich eine Zeit wachsender Unruhe: In den 1870er Jahren gerieten zentrale Privilegien der Mennoniten (u. a. Schulwesen und Militärfreiheit) unter Druck – Fragen, die Gaeddert und viele andere geistlich und praktisch stark beschäftigten.


Auswanderung 1874: Verantwortung für eine ganze Gruppe


Als die Auswanderung aus Russland konkrete Gestalt annahm, wurde Gaeddert zu einem derjenigen, die nicht nur mitgingen, sondern führten. 1874 leitete er eine große Gruppe aus dem Alexanderwohl-Kreis auf dem Schiff „Teutonia“ nach Nordamerika. Diese Reise war beschwerlich; in den Überlieferungen wird deutlich, wie sehr Organisation, Mut und Seelsorge gefragt waren, damit Familien – auch die ärmeren – den Weg überhaupt antreten konnten.


Schiff Teutonia
Schiff Teutonia

Nach der Ankunft führte der Weg weiter nach Kansas, in die Gegend um Inman/Buhler. Dort begann das, was viele als mennonitisches „Neuland“ erlebten: Prärie, Aufbau, Landkauf, erste Häuser – und mitten darin die Frage: Wie bleibt Gemeinde Gemeinde, wenn alles Äußere neu ist? 


Gründer und erster Ältester der Hoffnungsau-Gemeinde


Aus der Siedlungsgruppe formierte sich die Hoffnungsau Mennonite Church. Gaeddert wurde ihr prägender geistlicher Leiter und schließlich erster Ältester: Die Hoffnungsau-Chronik nennt ihn ausdrücklich den „First Elder“ für die Jahre 1875–1900; seine Ordination zum Ältesten wird auf 14. Mai 1876 datiert (durch Ältesten Jacob Buller).


Mennonitengemeinde Hoffnungsau in Jahr 1898
Mennonitengemeinde Hoffnungsau in Jahr 1898

Sein Dienst war geprägt von Treue in den „kleinen“ Dingen: regelmäßige Predigt, Hausbesuche, Begleitung bei Krankheit und Trauer, Gemeindezucht, Versöhnungsarbeit – und die Pflege einer einfachen Frömmigkeit, die nicht von großen Worten lebte, sondern von gelebter Verantwortung. Dass er in Quellen oft als „Lehrer“ bezeichnet wird, zeigt etwas Typisches: Für Gaeddert gehörten Unterweisung und Seelsorge zusammen.


Tagebücher: Glaube im Alltag dokumentiert


Besonders wertvoll ist, dass von Dietrich Gaeddert Tagebücher und weitere Papiere erhalten sind – darunter Tagebücher aus den Jahren 1857–1865 sowie 1879–1900. Sie zeigen einen Mann, der sein Leben vor Gott reflektierte und dabei das Alltägliche nicht geringachtete: Arbeit, Reisen, Entscheidungen, Sorgen – und immer wieder der Versuch, Gottes Führung darin zu erkennen.


Heimgerufen 1900


Dietrich Gaeddert starb am 31. Dezember 1900 (in Kansas). Mit seinem Tod endete ein Dienst, der über Jahrzehnte hinweg eine Gemeinde durch Gründung, Aufbau und Konsolidierung getragen hatte.



Was bleibt: sein Zeugnis


Dietrich Gaeddert steht beispielhaft für eine Generation mennonitischer Leiter, die ohne große Bühne Großes leisteten:

  • Glauben bewahren, ohne eng zu werden.

  • Gemeinde bauen, ohne Macht zu suchen.

  • Bildung fördern, weil Gottes Wort verstanden werden soll.

  • Verantwortung tragen, auch wenn Wege unsicher sind.

Sein Lebenszeugnis spricht leise, aber klar: Gott führt nicht nur durch außergewöhnliche Ereignisse, sondern durch treuen Dienst – Jahr für Jahr.


Quellen:

  • Centennial History of Hoffnungsau Mennonite Church (biographisches Kapitel zu Dietrich Gaeddert, inkl. Geburt, Taufe, Lehrerdienst, Ältestendienst).

  • Mennonite Library and Archives (Univ. of Illinois): Bestandsbeschreibung „Dietrich Gaeddert (1837–1900)“, inkl. Tagebücher/Zeitrahmen und Rolle in Alexanderwohl & Auswanderung.

  • GAMEO (Alexanderwohl Mennonite Church, Goessel/Kansas): Angaben zur Einwanderungsgruppe und Ankunft der Teutonia-Gruppe unter Gaeddert.

  • Internetseite: Find a Grave: https://de.findagrave.com/memorial/33449573/dietrich-gaeddert


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