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Ibersheim: Die älteste mennonitische Siedlung in der Pfalz

Aktualisiert: 28. Mai


Ibersheim blickt auf eine 360 jährige mennonitische Geschichte zurück. Im Jahr 1664 gewährte der Kurfürst Karl von der Pfalz taufgesinnten Bauern, die als Menisten bezeichnet wurden, eine begrenzte Duldung in pfälzischen Landen. Grund für diese Duldung war der Wiederaufbau des durch den 30. jährigen Krieges verwüsteten und entvölkerten Landes. Die neuen Siedler kamen hauptsächlich aus der heutigen Schweiz.


Wenn man heute durch Ibersheim geht, ist noch viel von der Geschichte zu sehen. Angefangen von der mennonitischen Kirche, über den historischen Ortskern mit den vielen alten Häusern über den Friedhof bis hin zu den Bauernhöfen, die nach mehreren Generationen immer noch in mennonitischer Hand sind.


Die heute mennonitische Kirche in Ibersheim wurde im Jahre 1836 gebaut. Davor stand an gleicher Stelle ein anderes Kirchengebäude. Die Mennoniten Kirche in Ibersheim ist die erste mennonitische Kirche die im heutigen Deutschland einen Glockenturm hatte. Es war den Mennoniten zu damaliger Zeit verboten, Kirchen zu bauen, die von außen als solche erkennbar waren. Mit zunehmender gesellschaftlicher Akzeptanz fielen die Einschränkungen weg und so konnte 1836 eine von außen erkennbare Kirche gebaut werden zu der auch ein Glockenturm gehörte. Der Glockenturm wurde mit zwei Glocken ausgestattet, die 1866 feierlich eingeweiht wurden.


Der Innenraum der Kirche ist, wie bei mennonitischen Kirchen üblich, schlicht gehalten. Die hohen seitlichen Fenster die oben einen Rundbogen haben, sorgen für gute Lichtverhältnisse im Kirchenraum.

Vorne gibt es eine erhöhte Kanzel, die Bänke sind aus Holz gemacht mit mäßiger Polsterung. Auf der gegenüberliegenden Seite der Kanzel über dem Eingang befindet sich eine Empore wo die für viele mennonitischen Kirchen typische Orgel aufgestellt ist. Die Orgel stammt aus dem Jahre 1822 und war somit schon in dem vorherigen Kirchengebäude im Gebrauch.


An der Außenwand neben der Eingangstüre befindet sich eine Tafel zu den Täuferspuren.


Im weiteren Verlauf des Ortsspazierganges konnten die Schafscheunen besichtigt werden. Diese stammen aus der Zeit um 1800 herum. Diese Scheunen diente als Unterstand für Schafe sowie auch zum Lagern von Heu und Stroh. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Scheunen mit Ziegeln aufgestockt.


Eines der ältesten Häuser in Ibersheim ist mit der Jahresangabe 1799 als Renovierungsjahr und dem Namen Jacob Millerin versehen.


Neben Zeitangaben wurden an den Häusern auch Daten der Erbauer vermerkt, sowie Wahlsprüche der Familien. Auch finden sich Volksweisheiten an den Häusern vermerkt wie beispielsweise: "Es glänzt der Pflug der immer geht, es rostet der der stille steht."


Bemerkenswerte ist der gut erhaltene Zustand der Gebäude, wie beispielsweise erkennbar an dem Haus welches Johannes Berke 1813 (laut der Inschrift an der Hauswand) erbaut hat,


Charakteristisch für das Ortsbild sind auch die niedrigen Ställe für kleinere Tiere. Diese waren im Untergeschoss gemauert und hatten einen Giebel aus Fachwerk, der auch als Speicher diente. Diese Ställe wurden in der Zeit um 1800 errichtet, als man in der Nähe des Wohnhauses Kleintiere für die Verfütterung von Küchenabfällen hielt. Ein solcher Schweinestall befindet sich in der Hinterhofstraße. Dieser Stall ist besonders, da er mit Sandsteinquadern gebaut ist, was ungewöhnlich war. Der Oberbau ist auch kunstvoll gestaltet mit Schweinen und Gänsen und dem Spruch: "Dass ihr´s net vergesst - hier iss e nobligt Sau gewest." Dieser Schweinestall zeugt davon, dass der Besitzer wohlhabend war.


In den Wäldern und Sümpfen die damals um Ibersheim herum lagen, versteckten sich gerne Diebe und Räuber. Daher musste die Siedlung befestigt werden. Reste dieser Befestigungsanlage sind heute noch erkennbar, so wie die Pforte im Nordosten der Ortsbefestigung.


In Ibersheim gab es auch eine Gartenanlage wo Obst und Gemüse für den Selbstversorgung angebaut wurden.


Ein Brennhaus aus dem Jahre 1811 erinnert an die Blütezeit der Branntweinbrennerei. Die Hausinschrift lautet: "Ich Abraham Forrer und meine ehlige Haisfrau Elisabeth haben dieses Brennhaus erbaut im Jahre 1811." Im Jahre 1814 waren in Ibersheim 27 Brennereien verzeichnet. Darunter war auch das "Mannheimer Wasser" (Kornbrannt) ist nach dem Rezept der Mennoniten-Familie Schnebeli, in Ibersheim, gebrannt und verkauft worden.



Auch gab es in Ibersheim eine Dorfschule. In dem Gebäude war die Schule mit Lehrerwohnung und das Rathaus untergebracht.


Am südöstlichen Dorfrand steht das sogenannte "Ammeheisje" (Armenhäuschen) welches im Jahr 1788 gebaut wurde. Der Eingang lag außerhalb der damaligen Befestigungsanlage und so war dieses Haus von außerhalb des ummauerten Dorfes begehbar. Dieses Haus diente auswärtigen Besucher anderer Konfessionen, die spät abends kamen als Unterkunft, da diese nicht bei den Mennoniten übernachten durften. Der damalige Kurfürst hatte dieses untersagt um zu verhindern, dass Auswärtige von den Mennoniten religiös beeinflusst würden.


Am südwestlichen Rand von Ibersheim liegt der Friedhof. Hier sind die Grabmäler der mennonitischen Familien wie Forrer und Staufer zu sehen. Familien die ab dem Jahr 1683 aus der Schweiz hier nach Ibersheim gekommen sind.


Auf dem Friedhof befindet sich ein Glockenturm, der bei Beerdigungen geläutet wird. Die Glocke auf diesen Turm stammt aus dem Jahr 1806.


Es ist erfreulich zu sehen, dass in Ibersheim manche Bauernhöfe immer noch Mennoniten bewirtschaftet werden. Diese Höfe sind über mehrere Generationen in mennonitischem Besitz geblieben, so beispielsweise der Rohrhof.


Dieser Bauernhof ist als geschlossene Hofanlage aufgebaut. Das taufständige Wohnhaus hat ein Fachwerkobergeschoss und stammt aus dem Jahre 1747. Es wurde von Heinrich Seitz und seiner Frau Anna erbaut.


Gegenüber dem Wohnhaus liegt die geräumige Scheune die von Wirtschaftskraft und vielfältiger landwirtschaftlichen Produktion zeugt.


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