Historische mennonitische Mädchenschule von Chortitza-Rosental in Trümmern
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Am 4. Juli 2026 wurde in Saporischschja eines der bedeutendsten erhaltenen Gebäude der russlandmennonitischen Geschichte schwer beschädigt: die ehemalige mennonitische Mädchenschule von Chortitza-Rosental. Ukrainische Medien berichten, dass russische Angriffe die historische Schule auf der Oberen Chortitza trafen. Das Gebäude gehörte zu den ältesten Schulbauten der Stadt und stand als Denkmal von lokaler Bedeutung unter Schutz.

Die Schule lag im ehemaligen mennonitischen Siedlungsgebiet Chortitza-Rosental, heute ein Teil von Saporischschja. Chortitza war die erste große mennonitische Mutterkolonie im Russischen Reich, gegründet ab 1789. In Chortitza entstand 1842 eine Zentralschule; 1895 wurde dort auch eine eigene Mädchenschule eingerichtet. Damit gehörte Chortitza zu den wichtigsten Bildungszentren der Mennoniten in Südrussland.

Die Mädchenschule wurde 1895 eröffnet. Nach ukrainischen Lokalquellen begannen damals zunächst 17 Schülerinnen den Unterricht. Der Unterricht richtete sich an Mädchen aus der mennonitischen Gemeinde, später aber auch an Schülerinnen aus einem weiteren Umfeld. Der Schritt war bedeutsam, weil die höhere Bildung für Mädchen unter den Mennoniten erst nach und nach stärker gefördert wurde.

Das heute bekannte Gebäude entstand 1904. Finanziert wurde es wesentlich durch mennonitische Industriellenfamilien, besonders durch Katharina Wallmann, die Frau des Unternehmers Andreas Wallmann. Quellen nennen eine Spende von 10.000 Rubel für den Bau. Auch die Namen Lepp und Wallmann blieben mit dem Gebäude verbunden; selbst an den Metalltreppen waren diese Namen sichtbar.

Architektonisch galt die Schule als eines der schönsten mennonitischen Bauwerke der Region. Das Stadtportal von Saporischschja beschreibt den Bau als Jugendstilgebäude mit Elementen der niederländischen Renaissance und des späten Barock. Im Inneren befanden sich Klassenräume, Lehrerwohnungen, ein großer Saal für Morgenandachten, Versammlungen und literarische Abende.
Nach der Revolution und der Sowjetzeit blieb das Gebäude weiter als Bildungsstätte erhalten. Zuletzt war es als Schule Nr. 81 bekannt. 2024 wurde die Schule geschlossen beziehungsweise mit einer anderen Einrichtung zusammengelegt; das Gebäude sollte anschließend für eine Musikschule genutzt werden. Gerade deshalb war der Bau nicht nur ein mennonitisches Erinnerungsstück, sondern auch Teil der lebendigen Stadtgeschichte von Saporischschja.
Bei dem Angriff am 4. Juli 2026 wurde das Gebäude schwer getroffen. Suspilne Saporischschja dokumentierte die Schäden vor Ort. Die Leiterin des städtischen Kultur- und Tourismusdepartements, Kateryna Prokofjewa, erklärte, das linke Gebäudeteil sei zerstört worden; im Gebäude sei kein Fenster unbeschädigt geblieben.

Damit verliert die mennonitische Geschichte Südrusslands ein wichtiges sichtbares Zeugnis. Die Mädchenschule war mehr als ein Schulhaus. Sie zeigte den hohen Stellenwert, den Bildung in den mennonitischen Kolonien einnahm. In den Dörfern gab es Volksschulen; in den zentralen Orten entstanden höhere Schulen, Lehrerseminare und später auch besondere Mädchenschulen. Für die Geschichte der Russlandmennoniten ist dieser Bildungsaufbau ein wichtiger Teil ihres Erbes.
Für Mennoniten in aller Welt ist der Schaden an der Mädchenschule von Chortitza-Rosental daher besonders schmerzlich. Viele Nachkommen der Chortitza-Siedler leben heute in Kanada, Deutschland, Mexiko, Paraguay, Bolivien und anderen Ländern. Für sie war dieses Gebäude ein sichtbarer Anker der Familiengeschichte: ein Ort, an dem Glaube, Bildung, Gemeindeordnung und kulturelles Leben miteinander verbunden waren.
Quellenliste:
Suspilne Saporischschja: Bericht vom 4. Juli 2026 über die beschädigte mennonitische Mädchenschule, mit Fotos und Aussagen der Stadtverwaltung.
Stadtportal Saporischschja: Meldung über die Beschädigung der Mädchenschule am 4. Juli 2026.
Stadtportal Saporischschja: historische Beschreibung des Gebäudes der mennonitischen Mädchenschule.
Zaporizhzhia.city: Artikel zum 125-jährigen Jubiläum der Chortitza Mädchenschule.
GAMEO: Chortitza als mennonitisches Bildungszentrum mit Zentralschule 1842 und Mädchenschule 1895.
GAMEO: Überblick zur höheren Bildung der Mennoniten in Russland, einschließlich Halbstadt/Molotschna und Chortitza.
Akbash Znaie: ausführliche lokalhistorische Darstellung der Schule Nr. 81 / Mädchenschule.
Mennonite Heritage Archives: historischer Fotohinweis zur Chortitza Mädchenschule um 1910.




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