Hans Haslibacher – Ein Glaubenszeuge, der seinem Herrn treu blieb
- Andreas Tissen

- 3. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 4. Aug.
Während einer Reise durch die Schweiz besuchten wir den Haslibacher-Hof in Sumiswald im Berner Emmental. Bis heute wird der Hof von Nachkommen Hans Haslibachers bewirtschaftet. Außerdem führte uns der Weg zum Schloss Trachselwald, wo Haslibacher vor seiner Hinrichtung im Jahr 1571 gefangen gehalten wurde. Die Besuche an beiden Orten ließen die Geschichte dieses Glaubenszeugen auf besondere Weise lebendig werden.

Ein Hof mit Geschichte
Auf dem Haslibacher-Hof wurden wir von Gertrud Haslibacher herzlich empfangen. Direkt neben dem Wohnhaus befindet sich eine kleine Ausstellung, die an die Geschichte der Familie und der Täufer im Emmental erinnert. Mit großer Freude führte sie uns durch die Sammlung und erzählte von dem Vorfahren ihres Mannes, dessen Name bis heute eng mit dem Hof verbunden ist.
Die Ausstellung ist nicht groß, aber mit viel Liebe gestaltet. Alte Dokumente, Bilder und Gebrauchsgegenstände geben einen Einblick in das Leben vergangener Jahrhunderte. Besonders beeindruckend ist der Stammbaum der Familie, der bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Der Hof selbst wird inzwischen in der 15. Generation bewirtschaftet. Während sich die Landwirtschaft im Laufe der Zeit verändert hat, ist eines geblieben: Noch immer lebt die Familie dort, wo einst Hans Haslibacher zu Hause war.
Ein einfacher Bauer mit einer festen Überzeugung
Hans Haslibacher wurde um das Jahr 1500 auf diesem Hof geboren. Er war Bauer, Familienvater und später Prediger unter den Täufern. Durch das Lesen der Heiligen Schrift kam er zu der Überzeugung, dass die Taufe dem persönlichen Glauben an Jesus Christus folgen müsse. Damit stellte er sich gegen die damals übliche Kindertaufe.
Heute erscheint uns diese Frage vielleicht nebensächlich. Im 16. Jahrhundert hatte sie jedoch weitreichende Folgen. Kirche und Staat waren eng miteinander verbunden. Wer die Kindertaufe ablehnte, widersprach nicht nur der herrschenden Kirchenlehre, sondern stellte nach damaligem Verständnis auch die bestehende Ordnung infrage.
Hans Haslibacher blieb bei seiner Überzeugung. Er diente den Gemeinden als Prediger und Lehrer und gehörte zu den bekannten Brüdern der Berner Täufer. Bereits 1538 musste er sich bei der Berner Täuferdisputation öffentlich für seinen Glauben verantworten. In den folgenden Jahrzehnten wurde er mehrfach verhaftet, verhört und aus seiner Heimat verbannt. Dennoch kehrte er immer wieder zurück, um die Gemeinden zu besuchen und die Gläubigen zu stärken.
Die letzten Tage
Auch das nahegelegene Schloss Trachselwald gehört zu dieser Geschichte. Die mächtige Burg diente damals nicht nur als Amtssitz, sondern auch als Gefängnis. Hier wurde Hans Haslibacher im Jahr 1571 nach seiner letzten Verhaftung eingesperrt.
Bei unserem Besuch konnten wir die alten Räume und auch die Gefängniszelle besichtigen. Es ist ein schlichter Raum mit dicken Mauern – kaum vorstellbar, dass hier ein Mann seine letzten Tage verbrachte, bevor er nach Bern gebracht wurde.
Dort versuchte man noch einmal, ihn zum Widerruf seiner Überzeugungen zu bewegen. Doch Hans Haslibacher blieb standhaft. Am 20. Oktober 1571 wurde er in Bern enthauptet. Er gilt als der letzte Täufer, der im Kanton Bern wegen seines Glaubens hingerichtet wurde.
Ein Lied, das bis heute gesungen wird
Dass Hans Haslibacher nicht in Vergessenheit geriet, verdankt sich auch einem besonderen Lied. Schon bald nach seinem Tod entstand das Haslibacher-Lied. In 32 Strophen werden seine Gefangenschaft, die Verhöre und seine Hinrichtung beschrieben.
Später wurde das Lied in den Ausbund aufgenommen, das älteste bis heute verwendete Gesangbuch der Täufer. Noch heute wird es von amischen Gemeinden in Nordamerika gesungen.
Gertrud Haslibacher spielte uns eine Aufnahme dieses Liedes vor. Auch wenn Sprache und Melodie zunächst ungewohnt wirken, wird deutlich, welche Bedeutung dieses Glaubenszeugnis für viele Generationen hatte.
Die Bibel Hans Haslibachers
Zu den kostbarsten Erinnerungsstücken der Familie gehört die Bibel Hans Haslibachers. Nach der Familienüberlieferung galt sie lange Zeit als verschollen und wurde erst später bei Umbauarbeiten auf dem Hof wiedergefunden.
Heute befindet sie sich noch immer im Besitz der Familie. Wegen ihres Alters von über 450 Jahren und ihres außergewöhnlichen Wertes wird sie jedoch nicht mehr in der Ausstellung gezeigt, sondern an einem sicheren Ort aufbewahrt.
Gerade dieses Erbstück macht deutlich, wodurch Hans Haslibachers Leben geprägt wurde. Seine Überzeugungen gründeten sich auf das, was er in der Heiligen Schrift las. Dieses Verständnis brachte ihn in Konflikt mit den kirchlichen und staatlichen Autoritäten seiner Zeit. Aber er hielt bis zu seinem Tod daran fest .
Ein Besuch, der nachdenklich macht
Der Haslibacher-Hof ist kein Museum im klassischen Sinn. Er ist ein Bauernhof, auf dem gearbeitet und gelebt wird. Gerade das macht den Besuch so besonders. Die Geschichte Hans Haslibachers ist hier nicht nur auf Schautafeln festgehalten, sondern bis heute Teil der Familiengeschichte.
Auch das Schloss Trachselwald erinnert daran, dass Glaubensfreiheit in früheren Jahrhunderten keine Selbstverständlichkeit war. Wer beide Orte besucht, begegnet nicht nur einem Abschnitt der Schweizer Geschichte, sondern auch dem Glaubenszeugnis eines Mannes, der der Heiligen Schrift mehr Autorität beimaß als den Forderungen seiner Zeit.
„Gedenkt an eure Führer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; schaut das Ende ihres Wandels an und ahmt ihren Glauben nach.“ (Hebräer 13,7)




Kommentare