Georg von Trappe (1742 - 1806)
- Redaktion

- 2. Jan.
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Aktualisiert: 2. Jan.

Georg von Trappe (auch „de Trappe“) gehört zu jenen Gestalten, die nur für wenige Jahre deutlich aus den Akten hervortreten – und doch einen kräftigen Impuls geben. Für die mennonitische Auswanderung aus dem Danziger Raum nach Südrussland wird er zum „Türöffner“: als staatlicher Werber und Organisator, der 1786 in Danzig sichtbar wird und die großen Pläne russischer Kolonisation mit den Fragen und Hoffnungen der Gemeinden verbindet.
Trappe wurde 1742 in Holstein geboren. Ein späterer Heidelberger Kirchenbucheintrag nennt ihn als Mann, der „ehemals im kaiserlich-russischen Dienst“ stand, im Rang eines Obristen (Colonel). Dass sein Lebensweg schließlich in Heidelberg endet, zeigt, wie sehr er zwischen Ländern und Dienstaufträgen unterwegs war.
Als er in den 1780er Jahren in den Quellen greifbar wird, steht Russland mitten in einer ambitionierten Siedlungspolitik im Süden. Fürst Grigori Potjomkin treibt die Entwicklung „Neurusslands“ voran – und Trappe gehört zu den Beauftragten, die dafür Siedler gewinnen sollen. In einer späteren Eingabe (1797) beschreibt Trappe, Potjomkin habe ihn im Juni 1786 ins Ausland gesandt, um möglichst viele Kolonisten zu beschaffen, die vor Winter in Riga eintreffen sollten, um weiter nach Süden gebracht zu werden. Die hohen Zahlen, die er dabei nennt, sind Selbstdarstellung eines Petenten – doch sie machen den Maßstab seines Auftrags sichtbar.

Für die Mennoniten im Danziger Raum wird Trappe im Sommer 1786 entscheidend. Er wirbt als Agent des russischen Staates für eine Übersiedlung und wirkt darauf hin, dass nicht nur Gerüchte, sondern überprüfbare Bedingungen die Entscheidung tragen. Genau hier setzt die Idee einer Erkundungsdelegation an: Männer sollen reisen, das Land prüfen und Privilegien aushandeln. In der Überlieferung tritt Trappe dabei nicht nur als Anstoßgeber, sondern auch als Begleiter auf – als jemand, der Wege kennt, vermittelt und übersetzt.
So kommt es zur Reise von Jakob Höppner und Johann Bartsch. Der Weg führt über Riga in den Süden nach Krementschug, wo Potjomkin die Delegierten empfängt. Anschließend erkunden sie mögliche Siedlungsorte am Dnjepr und entscheiden sich für ein Gebiet am Zusammenfluss von Konka und Dnjepr. Am 22. April 1787 überreichen sie Potjomkin eine Petition mit den gewünschten Privilegien; kurz darauf werden sie der Zarin am 2. Mai 1787 vorgestellt – ein Zeichen, wie hoch diese Kolonisationsfrage politisch aufgehängt war.
Nach der Rückkehr musste Zustimmung in den Gemeinden wachsen. Trappe tritt hier erneut als Motor hervor: Laut Plett Foundation ließ er Flugblätter verteilen, die Mennoniten zur russischen Gesandtschaft in Danzig einluden, damit man die Zusagen „mit eigenen Augen“ prüfen könne. Gleichzeitig zeigen Briefe und Berichte, wie konkret er bereits 1786/87 mit Verträgen, Terminen und Zahlen arbeitete – Kolonisation war bei ihm kein loses Werben, sondern ein getaktetes staatliches Projekt.

Später erscheint Trappe vor allem als Petent, der Kosten und Verluste aus seinen Missionen geltend macht. In den Akten von 1797/98 beschreibt er sich als 1787 zum Court Counsellor ernannt und als Direktor/Kurator der Kolonien eingesetzt; er behauptet, 270 mennonitische Familien nach Russland gebracht zu haben und weitere Zusagen gewonnen zu haben. Zugleich wird sichtbar, wie konfliktreich das Kolonisationsgeschäft war: Trappe klagt über Landverlust, Investitionen und behördliche Entscheidungen – ein persönliches Nachspiel der großen Siedlungspläne.
Am Ende bleibt der knappe Eintrag: Trappe stirbt am 21. November 1806 in Heidelberg an einem Schlaganfall und wird am 24. November beigesetzt. Sein Leben zeigt damit in konzentrierter Form, was die Zeit prägte: staatliche Großprojekte, religiöse Gemeinschaften auf Landsuche, Delegationsdiplomatie – und mittendrin ein Mann, der Wege öffnete, Vertrauen organisierte und schließlich selbst um Anerkennung und Entschädigung kämpfen musste.
Quellenangabe:
Plett Foundation (Preservings No. 41): “The Bartsch-Hoeppner Privilegium” (Kontext zu Trappes Werbung, Flugblättern/Information der Gemeinden, Delegationsreise und Privilegienverhandlungen).
Lawrence Klippenstein: “Four letters … from Johann Bartsch” (Mennonite Heritage Archives; Edition/Kommentar zu Bartsch-Briefen mit Details zu Trappe als Agent, Zahlen/Terminen, Vertrags- und Reisebezügen).
Mennonite Heritage Archives (MHA): “Trappe Requests and Replies 1797/1798” (Akte/Übersetzung zu Trappes Gesuch und behördlichen Antworten; Angaben zu Auftrag, Titeln, Zahlen und späteren Konflikten).
Mennonite Heritage Archives (MHA): “Death record of Georg von Trappe” (Heidelberg Providenzkirche; Sterbedatum, Alter, Herkunft Holstein, Rang/Status im russischen Dienst).




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