Die Kolonie Memrik – eine mennonitische Tochterkolonie der Molotschna
- Redaktion

- 3. Juli
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Der folgende Beitrag geht auf einen Vortrag zurück, der auf dem Geschichtsseminar 2026 in Anhausen gehalten wurde. Darin stellte Artur Fast die Geschichte der mennonitischen Kolonie Memrik vor, einer Tochterkolonie der Molotschna. Der Vortrag führte von den Ursachen der Gründung über den schweren Aufbau der Siedlung bis hin zu den Jahren der Verfolgung, Deportation und dem Ende der Kolonie im Zweiten Weltkrieg. So wird Memrik nicht nur als geografischer Ort sichtbar, sondern auch als Teil der leidvollen und zugleich glaubensprägenden Geschichte der russlandmennonitischen Gemeinden.
Die Kolonie Memrik entstand aus der Landnot der Mennoniten in der Molotschna-Kolonie. Dort war die Bevölkerung stark gewachsen, doch das verfügbare Land reichte nicht mehr aus. Viele Familien besaßen keine eigene Wirtschaft. Für Mennoniten, die damals überwiegend von der Landwirtschaft lebten, war das ein ernster Zustand.

Nachdem bereits andere Tochterkolonien gegründet worden waren, suchte man erneut nach geeignetem Land. Aaron Mattis aus Portenau wurde beauftragt, neues Siedlungsland zu finden. Er wurde im Bachmut-Kreis am Flüsschen Wolschia fündig. Das Land gehörte den adeligen Besitzern Katlarewski und Karpow und wurde von ihnen gekauft. Auf etwa 12.000 Desjatinen entstanden ab 1884 zehn mennonitische Dörfer.
Schwere Anfangsjahre
Das neue Land war fruchtbar und besaß gute Schwarzerde. Doch der Anfang war schwer. Die Steppe musste erst urbar gemacht werden. Dazu kamen Missernten, Armut und stellenweise Wassermangel. Die Siedler mussten Häuser bauen, Felder anlegen, Vieh halten und gleichzeitig eine neue Dorfgemeinschaft aufbauen.
Die neuen Bewohner wurden durch das Los auf die Dörfer verteilt. Wer ansiedeln wollte, musste arbeitsam sein und eine gewisse Grundausstattung mitbringen: Wagen, Pflug, Egge, Pferde, Kühe und Mittel zum Bau eines einfachen Obdachs. Daran zeigt sich, wie stark die Kolonie von Anfang an auf Landwirtschaft und Fleiß gegründet war.
Dörfer, Wirtschaft und Gemeindeleben
Zu Memrik gehörten unter anderem Bahndorf, Ebenthal, Nordheim, Michelsheim, Katlarewka, Marienort, Karpowka, Alexanderhof und Waldeck. Memrik selbst wurde der Verwaltungsort der Kolonie. Die Nähe zur Katharinenbahn half beim Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen.
Neben Ackerbau entwickelte sich auch Obstbau. Besonders Jakob Neufeld in Karpowka wird erwähnt, der eine Baumschule anlegte. Daneben gab es Windmühlen, Dampfmühlen, Maschinenbetriebe und Ladengeschäfte. So wuchs aus einer schweren Anfangssiedlung eine geordnete mennonitische Kolonie.
Auch das geistliche Leben wurde früh aufgebaut. Es gab zwei Gemeinden: die kirchliche mennonitische Gemeinde in Kalinowa und die Mennoniten-Brüder-Gemeinde in Katlarewka. Schulen wurden ebenfalls eingerichtet, auch wenn der Anfang wegen Armut und Arbeitsbelastung schwierig war.
Geistliche Leiter und Wehrlosigkeit
In der kirchlichen Gemeinde wirkten unter anderem Jakob Wiens, Peter Epp, Peter Janzen, Jakob Martens, Franz Enz und Jakob Petkau. Peter Janssen diente etwa dreißig Jahre als Ältester und starb 1918 an Typhus.

Besonders erwähnt wird Jakob Martens. Er stand während der unruhigen Zeit nach der Revolution in geistlicher Verantwortung und hielt an der mennonitischen Wehrlosigkeit fest. Den bewaffneten Selbstschutz lehnte er entschieden ab. Damit blieb er dem alten täuferischen Verständnis treu, dass Christen nicht mit der Waffe für sich selbst kämpfen sollen.

Auch die Mennoniten-Brüder-Gemeinde hatte ihre Leiter, darunter Isaac Fast, Peter Rogalski, Franz Fröse, Jakob Dörksen und Johann Janzen. Beide Gemeinden mussten später schwere Zeiten durchstehen.

Gewalt, Verfolgung und Ende der Kolonie
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde auch Memrik von Gewalt getroffen. Während der Machno-Zeit kam es zu Überfällen und Morden. Besonders schwer war der 25. Januar 1919, als in Bahndorf sechs Menschen getötet wurden. Jakob Dörksen verfasste dazu ein Gedicht, das bei der Grabrede vorgelesen wurde.

In den Jahren 1937 und 1938 folgten die stalinistischen Verhaftungen. Viele Männer aus der Kolonie wurden verschleppt, manche erschossen, andere starben in Lagern oder unter schweren Arbeitsbedingungen. Damit wurde das Gemeindeleben tief erschüttert.
Das endgültige Ende der mennonitischen Kolonie kam 1941. Nach Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges wurden zunächst viele Männer zum Graben von Schützengräben weggeführt. Im Oktober 1941 mussten die zurückgebliebenen Frauen, Kinder und Alten innerhalb kurzer Zeit zur Deportation antreten. Am 7. Oktober begann der Abtransport in Richtung Sibirien. Viele kamen später im Altai-Gebiet an und wurden auf verschiedene Kolchosen verteilt.
Kurz nach der Deportation erreichte die Wehrmacht das Gebiet. Für die meisten Bewohner war eine Rückkehr in die Heimatdörfer nicht mehr möglich. Die Kolonie Memrik hörte damit als mennonitische Siedlung auf zu bestehen.
Erinnerung
Memrik steht beispielhaft für das Schicksal vieler russlandmennonitischer Kolonien: Landnot, Neuanfang, harte Arbeit, Gemeindebau, wirtschaftlicher Aufstieg, dann Revolution, Verfolgung und Vertreibung. Heute liegt das frühere Gebiet im Osten der Ukraine, nahe Donezk, erneut in einer vom Krieg gezeichneten Region.
Die Geschichte Memriks erinnert daran, wie vergänglich Land, Häuser und Besitz sind. Doch das Zeugnis von Glauben, Arbeit, Gemeinde und Treue bleibt bestehen.
Unter folgenden Links kann der gesamte Vortrag als Audio und Video heruntergeladen werden.
Weitere Informationen zu diesem und weiteren geschichtlichen Themen finden Sie auf folgender Internetseite:




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