Die Charlton Monarch – vom kanadischen Luxusliner zum Flüchtlingsschiff (1930–1951)
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Die Charlton Monarch war kein Neubau der Nachkriegsjahre, sondern ein Schiff mit „vielen Leben“: 1930 als eleganter Passagierdampfer Prince David vom Stapel gelaufen, im Zweiten Weltkrieg als HMCS Prince David in der Royal Canadian Navy im Einsatz, danach als Charlton Monarch in den Auswanderer- und Flüchtlingstransport übernommen – bis eine schwere Havarie vor Brasilien 1948 ihre Laufbahn praktisch beendete.
1) Steckbrief und Namenswechsel
Bauwerft: Cammell Laird, Birkenhead (UK)
Bauzeit / Stapellauf: Kiellegung 1929, Stapellauf 12. Februar 1930
Größe: ca. 6.892 BRT, Länge 385 ft / 117,3 m, Geschwindigkeit rund 22 kn
Namensfolge: Prince David → (im Krieg) HMCS Prince David → (ab 1946) Charlton Monarch
2) Vorkriegsjahre: CNSS Prince David (1930–1939)
Die „Prince“-Schiffe (Prince David, Prince Henry, Prince Robert) waren für Canadian National Steamships als schnelle, kleine Luxusliner konzipiert – mit mehreren Decks und Platz für rund 300 Passagiere. Prince David fuhr zunächst an der kanadischen Westküste (u. a. Vancouver–Victoria–Seattle) und später auch auf der Kanada–Westindien-Route. Schon in dieser Zeit zeigte sich eine gewisse Unfallanfälligkeit (u. a. Strandung bei Bermuda 1932).
3) Kriegsdienst: HMCS Prince David (1940–1945)
Mit Kriegsbeginn wurde das Schiff umgebaut und 28. Dezember 1940 als HMCS Prince David (F89) in Dienst gestellt – zunächst als bewaffneter Hilfskreuzer, später als Landungsschiff (Infanterie, „medium“)und in mehreren Einsatzräumen genutzt (u. a. Atlantik/Westindien, Aleuten, später europäische Operationen). Die Kriegslaufbahn hinterließ jedoch deutliche Spuren: Umbauten, harte Beanspruchung und Schäden setzten Substanz und Technik zu.

4) Nach dem Krieg: Charlton Monarch im Emigrantenverkehr (ab 1946/47)
Nach der Außerdienststellung wurde das Schiff 1946 an die Charlton Steam Shipping Company verkauft und als Charlton Monarch für den Passagierbetrieb umgerüstet. Charlton (unter dem Dach der Chandris-Gruppe) arbeitete dabei im Umfeld der europäischen Nachkriegsemigration und der International Refugee Organization (IRO) – genau in dem Markt, in dem auch viele mennonitische Flüchtlinge unterwegs waren.
5) Der mennonitische Flüchtlingstransport 1948 – und die Krise vor Brasilien
In der mennonitischen Erinnerung ist die Charlton Monarch vor allem mit einem großen Transport nach Südamerika verbunden:
Abfahrt: 16. Mai 1948 ab Bremerhaven
Passagierzahl: etwa 753 (in einigen Listen/Angaben 753–758) mennonitische Flüchtlinge mit Ziel Paraguay (teils über/mit Bezug zu Buenos Aires als Zielhafen)
Auf der Atlantikpassage kam es wiederholt zu Reparaturen; das Schiff erreichte Südamerika schließlich nicht aus eigener Kraft. Am 11. Juni 1948 wurde die Charlton Monarch – so überliefern es mehrere Darstellungen – in/bei Pernambuco/Recife von der SS John Biscoe in den Hafen geschleppt.
6) Letzte Jahre und Verschrottung (1951)
Die Havarie 1948 war ein Wendepunkt: Die Charlton Monarch galt danach als technisch problematisch, wurde 1948 aufgelegt und schließlich 1951 abgewrackt (Swansea wird häufig als Abwrackort genannt).
7) Warum das Schiff historisch wichtig ist
Migrationsgeschichte: Die Charlton Monarch steht exemplarisch für die improvisierte Nachkriegs-Emigration Europas – einschließlich der großen mennonitischen Flüchtlingsbewegungen nach Südamerika.
Mehrfachnutzung eines Schiffes: Luxusliner → Kriegsschiff → Auswanderer-/Flüchtlingsschiff – ein typischer „Lebenslauf“ vieler Schiffe jener Zeit, aber selten so gut dokumentiert.
Quellen
Wikipedia: HMCS Prince David (Bau, technische Daten, Kriegs- und Nachkriegsgeschichte inkl. Schleppvorgang 11.6.1948).
Menonitica-Lexikon: Charlton Monarch (Transport 16.5.1948, 753 Passagiere, Schleppung durch John Biscoe).
Mennonite Brethren Historical Society (Profil Elfrieda Dyck) + „Wege zur Freiheit“-Darstellung (Recife-Krise, Evakuierung, 10.7.1948).
Chortitza.org (Listenhinweis auf Ankunft 1948 / Passagierlisten).
TheShipsList / Chandris-Line-Seite (Kontext Charlton/Chandris, IRO-Bezug, Aufliegung 1948, Abwrackung 1951).




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