Chaco Central: Drogenproblem erreicht auch mennonitische Siedlungsgebiete
- Redaktion

- 7. Juni
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Loma Plata/Osterwick. Ein neuer Fall aus dem Chaco Central zeigt, dass Drogenhandel und Konsum in der Region kein Randthema mehr sind. In dem Dorf Osterwick, einem Dorf im Gebiet von Loma Plata im Departement Boquerón, nahmen Agenten der paraguayischen Antidrogenbehörde SENAD einen 28-jährigen Mann fest. Nach Angaben der Behörden soll er Kokain für den lokalen Markt verkauft haben.
Bei dem Festgenommenen handelt es sich um Derlis Fabián González Lezcano. Er wurde auf offener Straße aufgegriffen. In seinem Besitz fanden die Ermittler nach Angaben von lokalen Zeitungen und SENAD 27,8 Gramm Kokainhydrochlorid, bereits in verkaufsfertige Dosen aufgeteilt. Außerdem wurden Bargeld und ein Mobiltelefon beschlagnahmt. Das Verfahren steht unter Leitung des Staatsanwalts Jorge Armando Benítez von der Spezialeinheit zur Bekämpfung des Drogenhandels.

Der Fall ist deshalb besonders bemerkenswert, weil das Dorf Osterwick zu jenen mennonitisch geprägten Siedlungsgebieten gehört, die lange Zeit als ruhig und vergleichsweise geschützt galten. Doch nach Einschätzung der Behörden versuchen Drogenvertriebsnetze inzwischen gerade auch in solchen Gebieten neue Absatzmärkte aufzubauen. Lokale Zeitungen weisen darauf hin, dass es innerhalb weniger Tage bereits die zweite Festnahme wegen Drogen in diesem Landesteil war.
Kein neues Problem
Der aktuelle Fall steht nicht allein. Schon 2014 berichtete ABC Color, dass Mikrohandel und Konsum von Marihuana, Kokain, Ecstasy und Crack im Chaco Central zunähmen. Genannt wurden damals ausdrücklich Filadelfia, Loma Plata und Neuland. Nach dem Bericht gelangten Drogen unter anderem aus Asunción in die Region, teils versteckt in Paketsendungen, Kleidung oder Ersatzteilen. ABC Color schrieb auch, dass verschiedene Bevölkerungsgruppen betroffen seien, darunter Latinos, Indigene und Mennoniten.

Auch spätere Berichte bestätigten diese Entwicklung. 2019 bezeichnete Staatsanwalt Andrés Arriola den Mikrohandel in Filadelfia gegenüber RCC als ein „offenes Geheimnis“. Besonders Marihuana und Kokain würden konsumiert. Zugleich kündigte er verstärkte Ermittlungsarbeit an, um gegen Händler vorzugehen.
Im selben Jahr kam es in Filadelfia zu weiteren Einsätzen. ABC Color berichtete im Oktober 2019 über Festnahmen im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Drogendelivery-System. Arriola erklärte damals, die Telefone der Festgenommenen hätten während des Einsatzes weitergeklingelt; vermutlich hätten Käufer Kontakt aufgenommen. Er sprach von viel Konsum und davon, dass der Mikrohandel die Gesellschaft schwer belaste.
Ausbreitung in den städtischen Zonen
Besonders deutlich wurde die Lage im Juni 2024. Staatsanwalt Andrés Arriola erklärte gegenüber RCC, die Verteilung und der Konsum verschiedener Drogen hätten sich besonders in den städtischen Zonen des Chaco Central ausgebreitet. Genannt wurden Filadelfia, Loma Plata, Cruce Boquerón, Villa Choferes del Chaco, Cruce Pioneros, Neuland und Mariscal Estigarribia.

Arriola betonte, dass Drogenkonsum verschiedene Bevölkerungsgruppen betreffe: Indigene, Mennoniten, Paraguayer und Ausländer. Das Problem unterscheide nicht nach Herkunft, Volksgruppe oder wirtschaftlicher Stellung. Zugleich rief er dazu auf, Familienbindungen zu stärken und Kirchen, Schulen, Sportvereine und soziale Einrichtungen stärker in die Präventionsarbeit einzubeziehen.
Warnsignal für mennonitische Familien und Gemeinden
Der neue Fall aus Osterwick macht deutlich, dass die Entwicklung weiter anhält. Es geht nicht nur um entfernte Großstädte oder Grenzregionen. Der Mikrohandel sucht inzwischen auch Käufer in kleineren Orten, in Kolonien und in Siedlungen, die früher als sicher galten.
Für die mennonitischen Gemeinden im Chaco Central ist dies ein ernstes Warnsignal. Drogen zerstören nicht nur die Gesundheit einzelner Menschen. Sie belasten Familien, untergraben Vertrauen und gefährden besonders Jugendliche und junge Erwachsene. Deshalb braucht es nicht nur Polizeiarbeit, sondern auch klare Erziehung, offene Gespräche, geistliche Orientierung, wachsame Gemeinden und praktische Hilfe für Gefährdete und Abhängige.
Der Kampf gegen Drogen ist damit nicht allein Aufgabe der SENAD oder der Staatsanwaltschaft. Er betrifft die ganze Gemeinschaft: Eltern, Schulen, Gemeinden, Arbeitgeber, Jugendleiter und Behörden. Der aktuelle Fall aus Osterwick zeigt, wie wichtig es ist, früh hinzusehen und nicht erst zu reagieren, wenn junge Menschen bereits tief in Abhängigkeit oder Handel hineingeraten sind.
Quellen:
ABC Color, 11.12.2014: Früher Bericht über zunehmenden Konsum und Mikrohandel mit Marihuana, Kokain, Ecstasy und Crack im Chaco Central; genannt werden Filadelfia, Loma Plata und Neuland.
RCC, 11.03.2019: Staatsanwalt Andrés Arriola bezeichnet Mikrohandel in Filadelfia als „offenes Geheimnis“; besonders Marihuana und Kokain werden erwähnt.
ABC Color, 03.10.2019: Bericht über Festnahmen im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Drogendelivery-System in Filadelfia.
RCC, 2023: SENAD nimmt mutmaßliche Kokainlieferanten in Loma Plata fest; die Verteilung war für Boquerón, Filadelfia und Umgebung vorgesehen.
Paraguay TV / SENAD, 18.04.2024: Einsatz im Rahmen von „Plan SUMAR“ in Loma Plata; Drogen, Waffen und Bargeld beschlagnahmt.
Última Hora, 18.04.2024: Bericht über SENAD-Einsatz in Loma Plata; Kokain- und Crackdosen beschlagnahmt.
RCC, 04.06.2024: Andrés Arriola erklärt, Konsum und Verteilung verschiedener Drogen hätten sich besonders in den städtischen Zonen des Chaco Central ausgebreitet; betroffen seien Indigene, Mennoniten, Paraguayer und Ausländer.
SENAD / La Nación, 2025: Operation in Filadelfia gegen Mikrohandel; Hinweise auf Netzwerke, die auch indigene Gemeinschaften im Chaco betreffen.




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