August Hermann Lenzmann (1823–1877)
- Redaktion

- 27. Dez. 2025
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Herkunft und frühe Prägung in Preußen
August Hermann Lenzmann wurde am 29. Januar 1823 in Brenkenhofswalde in der Mark Brandenburg (Preußen) geboren. In seiner Kindheit erlebte er, wie sich in seinem Umfeld mennonitische Glaubenspraxis und Gemeindebindung formten – ein Fundament, das später seine Haltung als Gemeindeleiter prägte: verlässlich, verantwortungsbewusst und auf Einheit bedacht.
Ankunft in der Molotschna und neue Heimat in Gnadenfeld
Noch vor der Mitte der 1830er Jahre kam Lenzmann mit seiner Familie in die Molotschna und fand in Gnadenfeld eine neue Heimat. Dort wuchs er in einer Gemeinde auf, die sich in der Fremde einrichtete und zugleich ihr geistliches und schulisches Leben ordnen musste. Diese Jahre waren für viele Familien eine Zeit des Aufbaus – und für den jungen Lenzmann eine Schule der Beständigkeit.
Taufe und bewusster Schritt ins Gemeindeleben
Ein besonderer Meilenstein war seine Taufe am 27. Mai 1837. Mit diesem Schritt bekannte er sich persönlich zum Glauben und stellte sein Leben bewusst in den Dienst der Gemeinde. Dass er später in hohe geistliche Verantwortung hineinwuchs, erhält von hier her sein Gewicht: Sein späteres Wirken war nicht bloß Amt, sondern Ausdruck eines Weges, der früh mit Überzeugung begonnen hatte.
Berufung zum Prediger: Dienst am Wort und an den Menschen
Die Gemeinde erkannte seine geistliche Reife und sein Vertrauen erweckendes Wesen: 1851 wurde August Hermann Lenzmann zum Prediger der Gnadenfelder Mennonitengemeinde gewählt. In einer Dorfgemeinschaft war ein Prediger nicht nur Redner, sondern Seelsorger, Begleiter in Krisen, Tröster in Krankheit und jemand, der mit Gottes Wort Orientierung für den Alltag gab. Lenzmann erfüllte diese Aufgabe offenbar so zuverlässig, dass sich die Gemeinde bald erneut an ihn band.
Ältester der Gemeinde: Verantwortung in bewegten Zeiten
Bereits 1854 wählte man ihn zum Ältesten, und im selben Jahr wurde er auch ordiniert. Damit trug er die Hauptverantwortung für Lehre, Ordnung, Gemeindezucht und das geistliche Miteinander. Gerade diese Jahre waren nicht immer einfach: In der Molotschna gab es geistliche Aufbrüche, Diskussionen und Spannungen. Lenzmann trat dabei als einer hervor, der das Wirken Gottes ernst nahm, zugleich aber dafür kämpfte, dass die Gemeinde nicht auseinandergerissen wurde. Sein Name wird in diesem Zusammenhang auch als Freund von Eduard Wüst genannt – ein Hinweis darauf, dass er Erneuerung nicht aus Prinzip ablehnte, sondern bemüht war, zwischen geistlichem Feuer und notwendiger Ordnung einen Weg zu finden.
Mitbegründer der Gnadenfelder Bruderschule: Aufbau für die nächste Generation
Zu den bleibenden Verdiensten Lenzmanns gehört sein Einsatz für Bildung. Als Mitbegründer der Gnadenfelder Bruderschule (gegründet 1857) wirkte er an einem Werk mit, das über die Gegenwart hinausreichte. Eine Bruderschule war nicht einfach eine bessere Dorfschule, sondern ein Ausdruck des Willens, Glauben und Wissen, Charakter und Verantwortung miteinander zu verbinden. Wer eine Schule stärkt, stärkt die Zukunft einer Gemeinschaft – und Lenzmann gehörte zu denen, die diese Zukunft bewusst mitbauten.
Lebenszeugnis und Nachwirkung
August Hermann Lenzmann starb 1877 nach längerer Krankheit. Sein Lebenszeugnis liegt nicht in lautem Auftreten, sondern in treuem Dienst: Er war Prediger und Ältester, ein Mann des Ausgleichs in unruhigen Jahren, und ein Förderer der Schule – also einer, der die Gemeinde zugleich geistlich und praktisch stärkte. Gerade solche Männer prägen Gemeinschaften nachhaltig: durch Verlässlichkeit, durch Verantwortungsbereitschaft und durch das stille, aber tragfähige Werk, das andere weiterführen können.
Quellenangabe :
Chortitza / Foto- & Personendatenbank: Eintrag P64997 „August Hermann Lenzmann (1823–1877)“ (Geburtsort, Einwanderung nach Gnadenfeld, Wahl zum Prediger 1851, Ältester/Ordination 1854, Bruderschule, Freundschaft zu Eduard Wüst).
Events and People in Russian Mennonite History (PDF, Archive.org): Biografische Notiz zu August Lenzmann (u. a. Taufe 27.05.1837, Wahl/Ordination, Bruderschule, Verhältnis zu Eduard Wüst, Konflikte 1859/60). (Zugriff: 27.12.2025).
GAMEO (Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online): Artikel „Gnadenfeld Mennonite Church“ (u. a. prominente Älteste inkl. August Lenzmann). (Zugriff: 27.12.2025).
MennoniteGenealogy (mgr): List of All Mennonite Ältester, Lehrer and Diakonen … (1856) (nennt Ältester August Lenzmann, Gnadenfeld, Jahr 1854). (Zugriff: 27.12.2025).
Plett Foundation (PDF): Nur Heilige: Mennoniten in Russland, 1789–1889 (Erwähnung der Ordination 1854 durch Bernhard Fast u. a. im Kontext Gnadenfeld). (Zugriff: 27.12.2025).
Direction Journal (Online-Artikel): Beitrag zu Eduard Wüst (Erwähnung von August Lenzmann im Wüst-/Erweckungszusammenhang). (Zugriff: 27.12.2025).




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