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6. August 1552: Claes Gerbrants und fünf weitere Täufer in Amsterdam verbrannt

Am 6. August 1552 wurden in Amsterdam sechs Männer wegen ihres täuferischen Glaubens zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt: Lievijn Jansz, Meynert Hermansz, Pieter Thymansz, Reyer Egbertsz, Hendrick Anthonisz und Claes Gerbrants. Ihr Verbrechen bestand nicht in einer Gewalttat. Sie hatten täuferische Versammlungen besucht, die Kindertaufe verworfen und sich zur Glaubenstaufe bekannt oder auf diese vorbereitet.


Der Märtyrerspiegel bewahrte nicht nur ihre Namen, sondern auch wesentliche Teile des Amsterdamer Gerichtsurteils. Dadurch ist ungewöhnlich genau überliefert, weshalb die sechs Männer verfolgt und hingerichtet wurden.


Amsterdam wenige Jahre vor der Hinrichtung der sechs Täufer. Der Stadtplan von Cornelis Anthonisz. zeigt die dicht bebaute Stadt mit ihren Kirchen, Klöstern, Toren, Mauern und dem Hafen. Hier wurden Claes Gerbrants und seine fünf Glaubensbrüder am 6. August 1552 zum Tod verurteilt.
Amsterdam wenige Jahre vor der Hinrichtung der sechs Täufer. Der Stadtplan von Cornelis Anthonisz. zeigt die dicht bebaute Stadt mit ihren Kirchen, Klöstern, Toren, Mauern und dem Hafen. Hier wurden Claes Gerbrants und seine fünf Glaubensbrüder am 6. August 1552 zum Tod verurteilt.

Eine verratene Zusammenkunft


Den Festnahmen ging offenbar der Verrat einer Zusammenkunft voraus. Eine Informantin namens Sophie Harmansdochter, die unter dem Beinamen „Gele Fye“ bekannt war, gab den Behörden Hinweise auf eine täuferische Versammlung im Haus von Volckje Willems.


Im Zusammenhang mit dieser Zusammenkunft wurden nach den überlieferten Angaben etwa zwanzig Menschen festgenommen. Gegen sechzehn von ihnen leitete die Obrigkeit ein Verfahren ein. Zu den Gefangenen gehörten auch die sechs Männer, deren Todesurteil am 6. August 1552 verkündet wurde.


Die Zusammenkünfte der Täufer fanden meist in Privathäusern statt. Dort lasen die Gläubigen gemeinsam in der Bibel, beteten und hörten die Verkündigung. Weil solche Versammlungen verboten waren, mussten sie heimlich abgehalten werden. Schon die Teilnahme konnte als Beweis für die Zugehörigkeit zur verfolgten Täuferbewegung gelten.


Amsterdam und die Angst vor den Täufern


Die besondere Härte der Amsterdamer Obrigkeit hatte auch mit den Ereignissen des Jahres 1535 zu tun. Damals hatten radikale Täufer, die mit der gewaltsamen Bewegung von Münster in Verbindung standen, das Rathaus und den Dam besetzt. Bei der Niederschlagung des Aufstandes kamen zahlreiche Menschen ums Leben.


Radikale Täufer besetzen im Mai 1535 den Amsterdamer Dam. Der gewaltsame Aufstand prägte die Haltung der Stadtobrigkeit gegenüber der gesamten Täuferbewegung für Jahrzehnte. Auch friedliche Täufer, die jede Gewalt ablehnten, wurden anschließend mit großer Härte verfolgt.
Radikale Täufer besetzen im Mai 1535 den Amsterdamer Dam. Der gewaltsame Aufstand prägte die Haltung der Stadtobrigkeit gegenüber der gesamten Täuferbewegung für Jahrzehnte. Auch friedliche Täufer, die jede Gewalt ablehnten, wurden anschließend mit großer Härte verfolgt.

Nach diesen Ereignissen betrachtete die Obrigkeit fast alle Täufer als mögliche Bedrohung. Zwischen den gewaltbereiten Anhängern des Münsteraner Reiches und den friedlichen Gemeinden um Menno Simons wurde häufig nicht ausreichend unterschieden.


Menno Simons und seine Gemeinden lehnten Gewalt, Aufruhr und bewaffneten Widerstand entschieden ab. Dennoch wurden auch ihre Mitglieder und Anhänger verfolgt. Ihnen wurde vorgeworfen, sich von der staatlich anerkannten Kirche getrennt, die Kindertaufe verworfen und geheime Versammlungen besucht zu haben.


Bereits 1549 waren in Amsterdam sechs täuferische Männer und zwei Frauen öffentlich verbrannt worden. Jan Luyken nahm diese Hinrichtung später als einen der Kupferstiche in die illustrierte Ausgabe des Märtyrerspiegels auf.


Sechs täuferische Männer und zwei Frauen werden 1549 auf dem Amsterdamer Dam verbrannt. Der Kupferstich Jan Luykens aus dem Märtyrerspiegel veranschaulicht die Verfolgung der Täufer in Amsterdam, zeigt jedoch nicht Claes Gerbrants und seine fünf Gefährten, die dort 1552 den Tod erlitten.
Sechs täuferische Männer und zwei Frauen werden 1549 auf dem Amsterdamer Dam verbrannt. Der Kupferstich Jan Luykens aus dem Märtyrerspiegel veranschaulicht die Verfolgung der Täufer in Amsterdam, zeigt jedoch nicht Claes Gerbrants und seine fünf Gefährten, die dort 1552 den Tod erlitten.

Sechs Handwerker vor Gericht


Die sechs Verurteilten waren keine gelehrten Theologen oder politischen Anführer. Sie waren Handwerker und Bürger aus verschiedenen Orten der Niederlande. Verbunden waren sie durch ihren Glauben und durch die täuferischen Versammlungen, die sie besucht hatten.


Lievijn Jansz aus Gent

Lievijn Jansz, auch Liefken de Keyser genannt, stammte aus Gent und arbeitete als Weber. Nach dem Gerichtsurteil war er bereits von Gillis van Aken getauft worden. Damit galt er in den Augen der Obrigkeit als „Wiedertäufer“ und hartnäckiger Ketzer.


Meynert Hermansz aus Balk

Meynert Hermansz war Holzsäger und stammte aus dem im Gerichtsurteil als „Balch“ bezeichneten Ort. Dieser wird gewöhnlich mit Balk in Friesland gleichgesetzt. Auch Meynert hatte die Glaubenstaufe bereits empfangen.


Das Rechtshaus von Balk in Friesland auf einer Zeichnung aus der Zeit um 1785. Der im Amsterdamer Gerichtsurteil als „Balch“ bezeichnete Holzsäger Meynert Hermans stammte vermutlich aus diesem friesischen Ort. Er gehörte zu den bereits getauften Männern der Gruppe.
Das Rechtshaus von Balk in Friesland auf einer Zeichnung aus der Zeit um 1785. Der im Amsterdamer Gerichtsurteil als „Balch“ bezeichnete Holzsäger Meynert Hermans stammte vermutlich aus diesem friesischen Ort. Er gehörte zu den bereits getauften Männern der Gruppe.

Pieter Thymansz aus Zutphen

Pieter Thymansz stammte aus Zutphen. Er hatte zunächst als Küfer gearbeitet und war später Buchbinder geworden. Auch er war bereits von Gillis van Aken auf sein persönliches Glaubensbekenntnis getauft worden.


Reyer Egbertsz aus Amsterdam

Reyer Egbertsz war Bürger von Amsterdam und arbeitete ebenfalls als Weber. Er war noch nicht getauft worden, bekannte vor Gericht jedoch, dass er die Kindertaufe ablehnte und bereit sei, die Glaubenstaufe zu empfangen.


Hendrick Anthonisz aus Leiden

Hendrick Anthonisz stammte aus Leiden und war wie Lievijn und Reyer Weber. Auch er hatte die Glaubenstaufe noch nicht empfangen, erklärte sich jedoch dazu bereit. Seine Überzeugung genügte den Richtern, um ihn wie einen bereits getauften Täufer zu behandeln.


Claes Gerbrants aus Wormer

Claes Gerbrants stammte aus Wormer in Nordholland. Wie Reyer und Hendrick war er noch nicht getauft worden. Er hatte sich jedoch von der Kindertaufe losgesagt und bekannte, dass er bereit sei, sich auf seinen Glauben taufen zu lassen.


Wormer in Nordholland mit seiner Kirche im Jahr 1726. Aus diesem Dorf stammte Claes Gerbrants. Obwohl die Darstellung erst lange nach seinem Tod entstand, vermittelt sie einen Eindruck von dem ländlichen Herkunftsort des späteren Glaubenszeugen.
Wormer in Nordholland mit seiner Kirche im Jahr 1726. Aus diesem Dorf stammte Claes Gerbrants. Obwohl die Darstellung erst lange nach seinem Tod entstand, vermittelt sie einen Eindruck von dem ländlichen Herkunftsort des späteren Glaubenszeugen.

Die Lehrer der sechs Männer


Aus dem Gerichtsurteil geht hervor, dass mehrere der Gefangenen die Verkündigung von Gillis van Aken gehört hatten. Lievijn, Meynert und Pieter waren von ihm getauft worden. Gillis, dessen Beiname auf Aachen verweist, gehörte zu den täuferischen Lehrern, die trotz der Verfolgung Gemeinden besuchten und Gläubige unterwiesen.


Aachen im Jahr 1572 auf einer perspektivischen Stadtansicht von Georg Braun und Frans Hogenberg. Mehrere der 1552 verurteilten Männer hatten die Lehre des Täuferpredigers Gillis van Aken – Gillis von Aachen – gehört. Drei von ihnen waren von ihm getauft worden.
Aachen im Jahr 1572 auf einer perspektivischen Stadtansicht von Georg Braun und Frans Hogenberg. Mehrere der 1552 verurteilten Männer hatten die Lehre des Täuferpredigers Gillis van Aken – Gillis von Aachen – gehört. Drei von ihnen waren von ihm getauft worden.

Claes Gerbrants berichtete außerdem, dass er etwa zehn Jahre zuvor, also um 1542, Menno Simons gehört habe. Diese Angabe zeigt, wie früh die Verkündigung Mennos auch Amsterdam erreicht hatte. Obwohl Claes zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht getauft wurde, blieb das Gehörte in seinem Gedächtnis und beeinflusste seinen weiteren Glaubensweg.


Menno Simons mit aufgeschlagener Bibel. Claes Gerbrants erklärte vor Gericht, er habe den friesischen Täuferlehrer etwa zehn Jahre zuvor, also um 1542, in Amsterdam gehört. Diese Begegnung dürfte seinen weiteren Glaubensweg entscheidend geprägt haben.
Menno Simons mit aufgeschlagener Bibel. Claes Gerbrants erklärte vor Gericht, er habe den friesischen Täuferlehrer etwa zehn Jahre zuvor, also um 1542, in Amsterdam gehört. Diese Begegnung dürfte seinen weiteren Glaubensweg entscheidend geprägt haben.

Glaube und Taufe als Anklagepunkte


Das Gericht warf den Männern vor, täuferische Versammlungen besucht, die Lehren von Menno Simons und Gillis van Aken gehört und sich von der römischen Kirche getrennt zu haben. Besonders schwer wog die Ablehnung der Kindertaufe.


Nach täuferischem Verständnis sollte die Taufe einem persönlichen Glaubensbekenntnis folgen. Ein Säugling könne weder Buße tun noch bewusst an Jesus Christus glauben. Deshalb erkannten die Täufer die als Kinder empfangene Taufe nicht als biblische Glaubenstaufe an.


Für die Obrigkeit war diese Überzeugung nicht nur eine religiöse Abweichung. Taufe, Kirchenzugehörigkeit und staatliche Ordnung waren eng miteinander verbunden. Wer die Kindertaufe ablehnte und sich einer verbotenen Gemeinde anschloss, stellte nach damaliger Auffassung auch die bestehende gesellschaftliche Ordnung infrage.


Verhör und Folter


Während der Haft versuchten die Behörden herauszufinden, wer die Versammlungen leitete, wer weitere Täufer beherbergte und welche Personen zur Gemeinde gehörten. Mindestens zwei der sechs Männer wurden gefoltert: Hendrick Anthonisz am 28. Juni und Reyer Egbertsz am 30. Juni 1552.


Trotz der Verhöre und der drohenden Todesstrafe hielten die Gefangenen an ihrem Bekenntnis fest. Besonders bemerkenswert ist, dass die drei noch nicht getauften Männer ihre Überzeugung nicht verleugneten. Sie erklärten vielmehr, dass sie die Glaubenstaufe empfangen würden, wenn sie noch Gelegenheit dazu bekämen.


Damit nahmen sie bewusst in Kauf, dass ihre eigenen Aussagen gegen sie verwendet wurden. Ein Widerruf hätte möglicherweise ihr Leben retten können. Doch sie wollten ihre erkannte Glaubensüberzeugung nicht verleugnen.


Das Todesurteil vom 6. August 1552


Am 6. August 1552 verkündeten die Amsterdamer Richter das Urteil. Die sechs Männer wurden als hartnäckige Ketzer bezeichnet und dazu verurteilt, vom Scharfrichter mit Feuer hingerichtet zu werden. Außerdem wurde ihr Besitz zugunsten Kaiser Karls V. als Grafen von Holland eingezogen.


Das Urteil unterschied nicht zwischen den drei bereits getauften Männern und den drei, die sich erst auf die Taufe vorbereiteten. Allein ihre erklärte Bereitschaft, die Glaubenstaufe zu empfangen und an der täuferischen Lehre festzuhalten, genügte für die Verurteilung.

Noch am selben Tag wurden Lievijn Jansz, Meynert Hermansz, Pieter Thymansz, Reyer Egbertsz, Hendrick Anthonisz und Claes Gerbrants auf dem Scheiterhaufen verbrannt.


Im Glauben standhaft geblieben


Der Märtyrerspiegel zählt die sechs Männer zu den wehrlosen Christen, die nicht wegen eines Verbrechens, sondern wegen ihres Glaubens getötet wurden. Sie griffen nicht zu den Waffen und versuchten nicht, ihre Überzeugung mit Gewalt durchzusetzen. Ihre Antwort auf die Verfolgung bestand im geduldigen Ertragen und im Festhalten am Bekenntnis.


Ihr Tod zeigt zugleich, wie gefährlich im 16. Jahrhundert bereits die persönliche Beschäftigung mit Glaubensfragen werden konnte. Die Männer waren einfache Handwerker. Doch sie hatten die Verkündigung gehört, die Heilige Schrift ernst genommen und daraus Entscheidungen für ihr Leben gezogen.


Drei von ihnen hatten die Glaubenstaufe empfangen. Die anderen drei erreichten sie nicht mehr. Dennoch waren auch sie bereit, Christus nachzufolgen und den erkannten Glauben selbst angesichts des Todes nicht zu verleugnen.


So erinnert der 6. August 1552 nicht nur an ein grausames Urteil. Er erinnert auch an sechs Männer, die in einer Zeit schwerer Verfolgung an ihrem Glauben festhielten. Ihre Namen sind durch den Märtyrerspiegel bis heute bewahrt geblieben.


Textquellen:

  • Thieleman J. van Braght: Bericht über die sechs am 6. August 1552 in Amsterdam verbrannten Glaubensbrüder, in: Märtyrerspiegel. Enthält Namen, Berufe, Herkunftsorte, Verhöre und das überlieferte Todesurteil.

  • A. J. van der Aa: Biografischer Eintrag zu Meynert Hermans, Biographisch woordenboek der Nederlanden, 1869.

  • Mennonite Library and Archives: Verzeichnis der Kupferstiche des Märtyrerspiegels von 1685.

  • Rijksmuseum Amsterdam: Darstellungen und Erläuterungen zum Täuferaufstand von 1535 und zur Verbrennung von acht Täufern 1549.

Bildquellen:

  • Cornelis Anthonisz.: Stadtplan von Amsterdam, 1544, Wikimedia Commons, gemeinfrei.

  • Pieter Hendricksz. Schut, nach Barend Dircksz.: Die Täufer besetzen den Dam, 1535, Rijksmuseum Amsterdam, gemeinfrei.

  • Jan Luyken: Acht Täufer in Amsterdam verbrannt, 1549, aus dem Märtyrerspiegel von 1685, Rijksmuseum, gemeinfrei.

  • Christoffel van Sichem: Porträt von Menno Simons, 1603, Rijksmuseum/Wikimedia Commons, CC0.

  • Jacob van Deventer: Stadtplan von Gent, um 1560, Wikimedia Commons, gemeinfrei.

  • Jacob van Deventer: Leiden um 1545, Erfgoed Leiden en Omstreken/Wikimedia Commons, gemeinfrei.

  • Jacob van Deventer: Stadtplan von Zutphen, um 1565, Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed/Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

  • Andries Schoemaker: Wormer mit seiner Kirche, 1726, Koninklijke Bibliotheek/Wikimedia Commons, gemeinfrei.

  • Jan Bulthuis: Das Rechtshaus von Balk, um 1785, Wikimedia Commons, gemeinfrei.

  • Georg Braun und Frans Hogenberg: Stadtansicht von Aachen, 1572, Wikimedia Commons, gemeinfrei.

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