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500 Jahre Schleitheimer Artikel: Wie bekannt ist das täuferische Glaubenszeugnis heute?


Eine internationale Befragung macht deutlich: Das fast 500 Jahre alte Glaubenszeugnis ist über Länder- und Konfessionsgrenzen hinweg bekannt. Dennoch hatte mehr als die Hälfte der Teilnehmenden noch nie davon gehört.


Die Umfrage „500 Jahre Schleitheimer Artikel“ ist als internationale Stichprobe angelegt und vermittelt ein breit gefächertes Stimmungsbild. Sie ermöglicht wertvolle Einblicke in die heutige Bekanntheit dieses frühen täuferischen Glaubenszeugnisses. Da die Beteiligung aus den einzelnen Ländern unterschiedlich stark ausfiel, sollten die Ergebnisse jedoch nicht als repräsentative Abbildung der weltweiten Mennoniten und anderer christlicher Gemeinschaften verstanden werden.


Eine weitere Einschränkung muss von Anfang an berücksichtigt werden: Konservative Mennoniten, Amische und Hutterer konnten mit der Umfrage nur begrenzt erreicht werden. Viele Angehörige dieser Gemeinschaften verzichten vollständig auf moderne Medien oder nutzen Internet und digitale Angebote nur eingeschränkt. Eine überwiegend online verbreitete Befragung erreicht sie deshalb kaum.


Ihre geringe Beteiligung darf daher nicht als Hinweis darauf verstanden werden, dass die Schleitheimer Artikel in diesen Gemeinschaften wenig bekannt seien. Um darüber verlässlichere Aussagen treffen zu können, wären ergänzende Befragungen auf Papier oder persönliche Gespräche in den Gemeinden hilfreich.


44 Prozent kennen die Schleitheimer Artikel


Das zentrale Ergebnis fällt deutlich aus: Rund 44 Prozent der Befragten kannten die Schleitheimer Artikel. Etwa 56 Prozent antworteten mit „Nein“.


Rund 44 Prozent der Befragten kannten die Schleitheimer Artikel. Für 56 Prozent waren sie unbekannt.
Rund 44 Prozent der Befragten kannten die Schleitheimer Artikel. Für 56 Prozent waren sie unbekannt.

Die Prozentwerte zeigen ein geteiltes Bild. Einerseits ist es bemerkenswert, dass ein Glaubenszeugnis aus dem Jahr 1527 noch immer fast der Hälfte der Befragten ein Begriff ist. Andererseits kann seine Kenntnis selbst unter Menschen, die sich für mennonitische oder täufergeschichtliche Themen interessieren, nicht vorausgesetzt werden.


Gerade im Blick auf das 500-jährige Jubiläum der Schleitheimer Artikel im Jahr 2027 wird hier eine Aufgabe sichtbar. Wer über die Geschichte der Täuferbewegung spricht, muss dieses Dokument offenbar vielerorts erst wieder neu ins Bewusstsein rufen.


Antworten aus mehreren Kontinenten


Die Umfrage erreichte Menschen in Europa sowie in Nord-, Mittel- und Südamerika. Rückmeldungen kamen unter anderem aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden, Russland, Kanada, den USA, Mexiko, Belize, Paraguay, Bolivien, Brasilien, Uruguay, Argentinien und Kolumbien.


In zahlreichen dieser Länder gab es Befragte, die die Schleitheimer Artikel kannten. Ja-Antworten kamen aus Brasilien, Belize, Bolivien, Deutschland, Kanada, Mexiko, den Niederlanden, Paraguay, Russland, der Schweiz, Uruguay und den USA. Hinzu kamen Rückmeldungen aus Ländern, die in der Umfrage unter „Sonstiges“ zusammengefasst wurden.


In den farblich hervorgehobenen Ländern kannte mindestens eine befragte Person die Schleitheimer Artikel. Die Karte zeigt die geografische Verbreitung der Antworten, nicht den Bekanntheitsgrad innerhalb der Gesamtbevölkerung.
In den farblich hervorgehobenen Ländern kannte mindestens eine befragte Person die Schleitheimer Artikel. Die Karte zeigt die geografische Verbreitung der Antworten, nicht den Bekanntheitsgrad innerhalb der Gesamtbevölkerung.

Die Weltkarte macht vor allem eines sichtbar: Die Schleitheimer Artikel sind längst nicht nur in ihrem europäischen Entstehungsraum bekannt. Ihre Wirkung reicht bis in jene Länder Nord- und Südamerikas, in denen heute größere mennonitische Gemeinschaften leben.


Wie bekannt sie dort tatsächlich sind, lässt sich aus der Umfrage allerdings nur eingeschränkt ableiten. In einigen Ländern beruhen die Prozentwerte auf einer vergleichsweise kleinen Beteiligung. Hohe oder niedrige Werte sollten deshalb stets im Zusammenhang mit der jeweiligen Datenbasis betrachtet werden.


Herkunftsländer der Teilnehmer an der Umfrage
Herkunftsländer der Teilnehmer an der Umfrage

Auffällig ist dennoch, dass Ja-Antworten sowohl aus Ländern mit einer langen mennonitischen Geschichte als auch aus Ländern mit jüngeren mennonitischen Ansiedlungen kamen. Das Dokument von 1527 hat damit eine geografische Reichweite entwickelt, die seine Verfasser kaum hätten voraussehen können.


Die älteste Altersgruppe liegt vorn


Auch beim Blick auf das Alter der Befragten zeigen sich Unterschiede. Am bekanntesten waren die Schleitheimer Artikel unter den Teilnehmenden ab 65 Jahren. In dieser Gruppe antworteten rund 54 Prozent mit „Ja“.


Bei den 30- bis 49-Jährigen lag der Anteil bei etwa 49 Prozent. Unter den 50- bis 64-Jährigen kannten rund 38 Prozent die Artikel, bei den 18- bis 29-Jährigen waren es etwa 37 Prozent.


In der Altersgruppe unter 18 Jahren lag der Anteil der Ja-Antworten bei 0 Prozent. Da diese Altersgruppe in der Stichprobe nur sehr schwach vertreten war, lässt sich daraus jedoch keine allgemeine Aussage über Jugendliche ableiten.


Bekanntheit der Schleitheimer Artikel nach Bekanntheit bei Altersgruppen
Bekanntheit der Schleitheimer Artikel nach Bekanntheit bei Altersgruppen

Ein gleichmäßiger Zusammenhang zwischen Lebensalter und Bekanntheit lässt sich aus den Ergebnissen nicht ableiten. Zwar liegt die älteste Gruppe vorn, doch folgen bereits die 30- bis 49-Jährigen. Die beiden dazwischenliegenden Altersgruppen weisen deutlich niedrigere Werte auf.


Für Gemeinden, Schulen und geschichtliche Bildungsarbeit ist das Ergebnis dennoch ein Hinweis: Besonders jüngere Menschen sollten gezielt an die Schleitheimer Artikel herangeführt werden. Dabei sollte es nicht allein um Jahreszahlen und historische Namen gehen. Die einzelnen Artikel behandeln Fragen, die Christen bis heute beschäftigen: Taufe, Gemeinde, Abendmahl, Gemeindeleitung, Gewaltlosigkeit, Absonderung und den Eid.


Nicht nur unter Mennoniten bekannt


Bemerkenswert ist auch die konfessionelle Verbreitung. Die Schleitheimer Artikel waren nicht ausschließlich mennonitischen Teilnehmenden bekannt. Ja-Antworten kamen aus sämtlichen in der Umfrage genannten Kategorien: von Mennoniten, Hutterern, Baptisten sowie Angehörigen der evangelischen und katholischen Kirche. Auch in der Sammelkategorie „Andere“ gab es Befragte, die das Dokument kannten.


Damit reicht die Wahrnehmung der Schleitheimer Artikel über die unmittelbaren Nachfahren der Täuferbewegung hinaus. Das Dokument wird auch außerhalb mennonitischer Gemeinden als Teil der Reformations- und Kirchengeschichte wahrgenommen.


Gleichzeitig ist die Kategorie „Mennoniten“ sehr weit gefasst. Sie unterscheidet nicht zwischen konservativen, traditionellen und stärker modernen Gemeinden. Die Amischen wurden nicht als eigene Gruppe erfasst. Auch die Beteiligung der Hutterer erlaubt keine umfassenden Rückschlüsse auf die hutterischen Gemeinschaften insgesamt.


Ein Jubiläum als Gelegenheit


Die Umfrage zeichnet kein vollständiges Bild. Sie zeigt aber eine Richtung: Die Schleitheimer Artikel sind international und über konfessionelle Grenzen hinweg bekannt – doch sie sind keineswegs Allgemeingut.


Fast 500 Jahre nach ihrer Entstehung stehen sie zwischen Bekanntheit und Vergessen. Rund 44 Prozent der Befragten verbinden mit ihnen ein wichtiges Kapitel täuferischer Geschichte. Für etwa 56 Prozent waren sie bislang unbekannt.


Das Jubiläumsjahr 2027 bietet deshalb mehr als einen Anlass zum historischen Rückblick. Es eröffnet die Möglichkeit, die Schleitheimer Artikel neu vorzustellen, ihre Entstehung verständlich zu erklären und nach ihrer Bedeutung für die Gegenwart zu fragen.


Denn die Schleitheimer Artikel sind nicht nur ein altes Bekenntnis aus einer Zeit der Verfolgung. Sie zeugen davon, wie ernst die frühen Täufer die Nachfolge Jesu, die Gemeinde und ein Leben nach dem Wort Gottes nahmen. Ob dieses Zeugnis auch kommenden Generationen bekannt bleibt, wird davon abhängen, ob seine Geschichte heute weitererzählt wird.


Datengrundlage: Umfrage „500 Jahre Schleitheimer Artikel“. Die Ergebnisse stellen eine internationale Stichprobe dar; sämtliche Prozentangaben wurden gerundet.

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