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05. Januar 1534 – Münster: Ankunft der „Apostel“ des Jan Matthijs

Aktualisiert: 5. Jan.




Es ist ein winterlicher Tag, als am 5. Januar 1534 zwei niederländische Täufer in Münster eintreffen: Bartholomäus Boekbinder und Willem de Kuiper. Sie kommen als Gesandte („Apostel“) des Täuferpropheten Jan Matthijs (auch: Jan Matthys/Matthijs) – und mit ihnen beginnt eine Dynamik, die die Stadt innerhalb weniger Wochen unwiderruflich verändert.


Münster vor dem Einschnitt


Münster war zu diesem Zeitpunkt bereits religiös aufgeheizt: Die Reformation hatte sich zwar seit 1531/32 durchgesetzt, doch die städtische „evangelische“ Ordnung war nicht gefestigt, Prediger und Bürgerschaft waren in Lager gespalten. Gerade die Auseinandersetzungen um Predigt und Kirchenordnung Ende 1533/Anfang 1534 schufen den Nährboden, auf dem radikalere Impulse rasch Fuß fassen konnten.


Wer war Jan Matthijs – und was bedeutet „Apostel“ hier?


Jan Matthijs, ein Bäcker aus Haarlem, trat nach der Inhaftierung des Melchioritenführers Melchior Hoffman als neuer endzeitlicher Prophet hervor. Er hob das Taufverbot auf und sandte „Apostel“ aus – nicht im neutestamentlichen Sinn, sondern als beauftragte Sendboten, die den Anbruch der „Gnadenzeit“ verkündigen und die Erwachsenentaufe/Wiedertaufe spenden sollten.


Was geschah nach dem 5. Januar?


Nach dem Bericht der Forschung tauften Boekbinder und de Kuiper bereits am folgenden Tag die maßgeblichen Prediger (darunter Bernhard Rothmann sowie die sog. Wassenberger Prädikanten). Von dort aus griff die Bewegung schnell in die Bürgerschaft über: In der Woche vom 6. bis 13. Januar sollen sich rund 1.400 Bürger taufen lassen haben – ein Tempo, das die Stadt praktisch über Nacht in „Neugetaufte“ und „Übrige“ spaltete.


Damit wurde Münster von Anfang an eng an das niederländisch-friesische melchioritische Täufertum angebunden, das sich 1533 unter Jan Matthijs von Hoffmans Vorgaben gelöst hatte. Der 5. Januar ist daher weniger „nur“ ein Ankunftsdatum – er ist der Moment, in dem sich Münsters Täuferbewegung organisatorisch und ideologisch in ein größeres Netzwerk einfügt.


Warum dieser Tag geschichtlich so bedeutsam ist


Der 5. Januar markiert den Auftakt einer Kettenreaktion:

  • Binnen Tagen entsteht eine eigenständige Gemeinschaft der „Erwählten“ (mit Versammlungen teils in Privathäusern).

  • Im Januar trifft auch Jan van Leiden als weiterer Gesandter ein.

  • Der Konflikt mit dem Landesherrn verschärft sich; politische Entscheidungen (Toleranzedikt, Abwehr des Bischofs) führen in Richtung Belagerung und Machtumbruch.

  • Ende Februar/Anfang März folgt die Phase, die später als „Täuferreich von Münster“ berüchtigt wird.


 

Münster wurde für die späteren Täufer- und besonders für die mennonitische Tradition zur Warnmarke, weil sich dort religiöse Endzeiterwartung mit politischem Machtanspruch verband: Die „Herrschaft der Heiligen“ wurde mit dem Schwert, mit Zwangsmaßnahmen (Ausweisung Andersdenkender, sozialer und religiöser Druck) und mit einer städtischen „Reichs“-Ordnung durchgesetzt – also genau mit Mitteln, die viele Täufer als Widerspruch zur Bergpredigt und zur Gemeinde Jesu verstanden, die nicht durch Gewalt, sondern durch freiwillige Nachfolge, Buße, Taufe und gelebte Jüngerschaft wächst.


Menno Simons lehnte die münsterschen Entwicklungen deshalb entschieden ab: Für ihn war die Gemeinde Christi kein politisches Projekt und kein „Gottesstaat“, sondern eine friedfertige, wehrlose Gemeinschaft, die sich durch Glauben, Liebe, Zucht und Leidensbereitschaft auszeichnet – nicht durch Aufruhr, Zwang oder apokalyptische Machtexperimente.


Die Folgen von Münster trafen jedoch alle Täufer hart: In der Wahrnehmung vieler Obrigkeiten galt fortan „Täufer“ schnell als Synonym für Unruhe und Umsturz, was Verfolgung, schärfere Gesetze und pauschale Verdächtigungen verstärkte; zugleich zwang dieses Trauma die gewaltfreien täuferischen Gruppen, ihre Abgrenzung umso deutlicher zu formulieren – und prägte so dauerhaft das mennonitische Profil von Gewaltverzicht, Trennung von Gemeinde und Staat und konsequenter Nachfolge.

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