31. Dezember 1916 – 14.000 mennonitische Männer im Kriegsdienst ohne Waffe
- Redaktion

- 31. Dez. 2025
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Als das Kriegsjahr 1916 zu Ende ging, zeigte sich, wie tief der Erste Weltkrieg auch in das Leben der Russlandmennoniten hineingriff – selbst dort, wo das Tragen der Waffe aus Gewissensgründen abgelehnt wurde. Zeitgenössische und spätere Auswertungen sprechen davon, dass bis zum Jahresende rund 12.000 bis 14.000 mennonitische Männer in Russland „mobilisiert“ bzw. in den Kriegsdienst eingebunden waren – vor allem im Sanitäts- und Transportwesen sowie im Forst- und Hilfsdienst.
Warum gerade Forst- und Sanitätsdienst?
Die Mennoniten hatten in Russland seit dem späten 18. Jahrhundert Privilegien, darunter die Befreiung vom Militärdienst. Als diese Sonderrechte im 19. Jahrhundert ausliefen, entstand als Kompromiss ein staatlich geduldeter Ersatzdienst: der Forsteidienst (1881–1918) und verwandte Hilfsdienste – organisiert und finanziell stark von den Gemeinden getragen. Während des Weltkriegs wuchs dieses System massiv an; allein im Forstdienst waren es zeitweise bis zu etwa 7.000 Männer.

Was bedeutete „Einsatz“ konkret?
Sanitätsdienst / Krankentransport: Arbeit als Sanitäter, Krankenpfleger, Träger, Fahrer, Begleiter von Lazarettzügen – oft nahe an Frontabschnitten oder in überfüllten Versorgungswegen.

Forst- und Hilfsdienst: Holzschlag, Wege- und Lagerarbeiten, teils auch landwirtschaftliche Schädlingsbekämpfung und ähnliche Tätigkeiten – in Lagern, unter Aufsicht, mit harter körperlicher Arbeit.

Gemeindelast: Die Gemeinden trugen häufig Unterhalt, Ausrüstung und Unterstützung der Familien – eine enorme finanzielle und soziale Belastung.
Die „Opferbilanz“: weniger Tod an der Front – mehr Krankheit, Gewalt, seelische Not
In manchen Überlieferungen werden die Zahlen als „Gefallene“ zusammengefasst; genauer betrachtet war der Preis dieses waffenlosen Dienstes jedoch sehr oft Krankheit und Erschöpfung. Ein Forschungsbeitrag nennt 132 bekannte Todesfälle unter den eingezogenen mennonitischen Männern: 125 starben an Krankheiten (u. a. Typhus, Cholera, Tuberkulose), 3 begingen Suizid, und 4 Forstarbeiter wurden ermordet.
Ein stilles Schlüsselkapitel mennonitischer Kriegsgeschichte
Der 31. Dezember 1916 steht damit wie ein Markstein: nicht als „Siegesdatum“, sondern als Bilanz eines Gewissenswegs unter Kriegsdruck. Die Russlandmennoniten versuchten, ihrem Friedenszeugnis treu zu bleiben und zugleich dem Staat gegenüber eine Form von Dienst zu leisten, die sie vor dem Waffentragen bewahrte. Dass dennoch Tod, Gewalt und psychische Zerreißproben vorkamen, zeigt, wie wenig „sicher“ auch ein Dienst ohne Gewehr im Zeitalter der Totalisierung des Krieges war.
Quellen:
Mennonite Historian (Vol. XXIV, No. 2, Juni 1998): nennt ca. 12.000 mennonitische Männer „im Kriegseinsatz“ (u. a. Forst + Sanität + Verwaltung) und die Opferbilanz 132 Tote (davon 125 Krankheit, 4 ermordet, 3 Suizid).
GAMEO – „Sanitätsdienst“ (Cornelius Krahn): zur mennonitischen Alternativdienst-Form „Sanitätsdienst“, inkl. Zahlen 1916: 6.548 im Sanitätsdienst und Beschreibung der Arbeit an Hospitalzügen/Zemstvo-Organisationen.
GAMEO – „Forsteidienst“: zur Alternativdienst-Form Forsteidienst; dort wird u. a. für den Ersten Weltkrieg die Gesamtmobilisierung um ca. 14.000 und der Anteil ca. 7.000 im Forstdienst genannt.
Forestry Service among Mennonites in Tsarist Russia (Report/Materialsammlung, Mennonite Genealogy & Reference Desk): nennt für den Ersten Weltkrieg „about 7000“ Mennoniten in den Forstlagern.
Menonitica (Lexikonartikel „Forsteidienst“) : knappe deutschsprachige Einordnung (Ersatzdienst 1881–1918, Zusammenhang Wehrpflicht/Verhandlungen).
Mennonite Archives Ontario (UWaterloo) – Ausstellungspanels „Mennonites, Immigration & War“: Überblicksdarstellung, u. a. Hinweis auf etwa 12.000 mennonitische Kriegsdienstleistende im Bereich Forst- und Sanitätsdienst im Ersten Weltkrieg.




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