30. Januar 1876: Abraham Görz wird zum Ältesten der Ohrloff-Gemeinde in Molotschna ordiniert
- Redaktion

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Der 30. Januar 1876 war für die Mennoniten der Molotschna-Kolonie kein „gewöhnlicher“ Wintertag. In Ohrloff (mit dem Gemeindeverband Ohrloff–Halbstadt–Neukirch) trat ein Mann in ein Amt, das in der mennonitischen Tradition nicht als Karriere, sondern als geistliche Last und heilige Verantwortung verstanden wurde: Abraham Görz wurde zum Ältesten ordiniert.
Ein Amt, das nicht „modern“ ist – sondern biblisch und bewährt
Aus konservativer Perspektive steht beim Ältestenamt nicht die Person im Vordergrund, sondern Gottes Ordnung für die Gemeinde. Der Älteste ist nicht „Manager“ und nicht „Reformer“, sondern Hüter der Lehre, Wächter der Gemeindezucht, Diener am Wort und Friedensstifter, wo Spannungen entstehen.Gerade in großen Siedlungsgemeinden wie in Molotschna hing viel davon ab, ob die Gemeinde einen Ältesten hatte, der:
Schrift und Bekenntnis treu auslegt,
Ordnung wahrt (in Predigt, Abendmahl, Taufe, Gemeindezucht),
Einmütigkeit stärkt und Streit nicht „laufen lässt“,
und die Gemeinde nach außen mit Ruhe und Klarheit vertritt.
Abraham Görz: Dienst vor Rang
Dass Abraham Görz zuvor als Lehrer tätig war und kurz darauf Ältester wurde, passt zu einem konservativen Ideal: Leitung wächst aus bewährtem Dienst, nicht aus Selbstdarstellung. Ein Lehrer in mennonitischen Dorfgemeinden prägte nicht nur Wissen, sondern auch Charakter, Ordnungssinn und Gottesfurcht bei der jungen Generation. Wenn ein solcher Mann ins Ältestenamt gerufen wird, dann nicht, weil er „neu“ sein will, sondern weil er die Gemeinde bewahren und bauen soll – auf dem Fundament, das sich über Jahrzehnte getragen hat.
Molotschna in den 1870er Jahren: Bewährung statt Experiment
Die 1870er Jahre waren eine Zeit, in der vieles in Bewegung geriet: staatliche Reformen, wachsende Anforderungen, neue Einflüsse, und auch innerkirchlich unterschiedliche Akzente. Aus konservativer Sicht ist das genau der Moment, in dem die Gemeinde nicht zuerst fragt: „Was wäre zeitgemäß?“, sondern: „Was ist treu?“

Die Ordination von Görz kann man daher als Zeichen lesen: Die Gemeinde wollte Stabilität, Verlässlichkeit und einen Ältesten, der nicht jedem Wind nachgibt, sondern das, was überliefert und erprobt ist, mit geistlicher Autorität schützt.
Warum solche Ordinationen Erinnerung verdienen
In vielen Chroniken stehen Ordinationsdaten nur als kurze Zeile. Doch für eine Gemeinde ist so ein Datum oft ein Anker: Ein Ältester steht in einer Kette von Verantwortung. Er trägt mit, dass Gottesdienste nicht beliebig werden, dass die Gemeinde nicht auseinanderdriftet, dass junge Familien Orientierung finden und dass in unsicheren Zeiten nicht Angst, sondern Glauben, Demut und Gehorsam das letzte Wort haben.
Schlussgedanke
Der 30. Januar 1876 erinnert daran, wie ernst die Molotschna-Mennoniten das geistliche Amt nahmen. Aus konservativer Sicht ist die Ordination von Abraham Görz ein Beispiel dafür, dass Gemeinden nicht durch laute Neuerungen überleben, sondern durch treue Diener, die das Evangelium, die Gemeindeordnung und den Frieden in der Bruderschaft höher achten als den Geist der Zeit.
Quellen
J. Mannhardt (Hrsg.), Jahrbuch der Altevangelischen Taufgesinnten oder Mennoniten Gemeinden (1888) – nennt Abraham Görz im Kontext des Kirchspiels Ohrloff und vermerkt u. a. „Lehrer 1875, Ältester 1876“.
Tagebuch Johannes D. Dyck (1826–1898), Ausgabe/Scan als PDF – erwähnt „den Ältester Görz von Orloff Molotschna“ (zeitnahe Nennung in einer Tagebuchnotiz).
Chortitza/Fotoarchiv – „Bilder Orloff, Molotschna“: enthält die Einträge/Porträts P64923 und P64953 zu Abram/Abraham Görz.




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