30 Jahre Kolonie Hohenau: Zwei Tage voller Dankbarkeit, Erinnerungen und Gemeinschaft
Aktualisiert: vor 58 Minuten

Mit einem großen Jubiläumsfest feierte die mennonitische Kolonie Hohenau in Bolivien am 23. und 24. Oktober 2026 ihr 30-jähriges Bestehen. Neben geistlichen Versammlungen mit Predigten und Gesang erwartete die zahlreichen Besucher ein abwechslungsreiches Programm mit historischen Ausstellungen, eindrucksvollen Maschinenparaden, Spielen und gemeinsamen Mahlzeiten. Im Mittelpunkt stand die Dankbarkeit gegenüber Gott für seine Führung und Bewahrung während der vergangenen drei Jahrzehnte.
Von bescheidenen Anfängen zu einer blühenden Kolonie
Als im Jahr 1996 die ersten mennonitischen Familien aus der Kolonie Sommerfeld in Paraguay nach Bolivien auswanderten, lag eine ungewisse Zukunft vor ihnen. Das Land musste erschlossen, Wege angelegt und Wohnhäuser errichtet werden. Schon bald entstanden die ersten Schulen und Gottesdienststätten.

Aus diesen bescheidenen Anfängen entwickelte sich im Laufe von 30 Jahren eine Kolonie mit einer gut ausgebauten Landwirtschaft und zahlreichen gemeinschaftlichen Einrichtungen.

An diese Entwicklung erinnerte das Jubiläumsfest, das am 23. und 24. Oktober auf dem Koloniehof stattfand. Für die Feier war eigens ein großer überdachter Versammlungsbereich errichtet worden, der den zahlreichen Besuchern Platz bot.
Dankbarkeit gegenüber Gott stand im Mittelpunkt
Einen besonderen Stellenwert nahmen die beiden Jubiläumspredigten ein.

Gemeindeältester und Prediger Tobias Braun stellte seine Ansprache unter die Worte aus Epheser 1,3 und erinnerte an die vielfältigen Segnungen Gottes. Dabei zog er Parallelen zwischen der Auswanderung der Mennoniten aus Paraguay und der biblischen Geschichte des Volkes Israel. So wie Gott sein Volk durch schwierige Zeiten geführt habe, dürften auch die Bewohner Hohenaus dankbar auf seine Bewahrung zurückblicken.

Braun betonte jedoch, dass wirtschaftlicher Wohlstand nicht mit dem größten Segen Gottes gleichgesetzt werden dürfe. Viel wertvoller seien die geistlichen Segnungen, insbesondere die Errettung und die Vergebung der Sünden durch Jesus Christus. Zugleich erinnerte er an die Verantwortung der Gemeinde, durch ein vorbildliches Leben und die Verkündigung des Evangeliums ein Zeugnis gegenüber der bolivianischen Bevölkerung zu sein.
Gemeindeältester und Prediger Aron Giesbrecht beschäftigte sich in seiner Predigt mit dem Thema „Gottes Führung“. Er stellte die Frage, ob die Gründung der Kolonie tatsächlich Gottes Wille gewesen sei. Die damalige Entscheidung zur Auswanderung sei zunächst aufgrund menschlicher Überlegungen getroffen worden. Dennoch habe Gott in Hohenau gewirkt und vielen Menschen den Weg zum Glauben eröffnet.

Anhand der Geschichte von Zachäus verdeutlichte Giesbrecht, wie Jesus in das Leben einzelner Menschen kommt. So habe Jesus auch in Hohenau Eingang gefunden, in den Dörfern, in den Häusern und im Leben der Menschen. Entscheidend sei, dass die Menschen bereit seien, sich Gottes Willen unterzuordnen.

Beide Predigten erinnerten daran, dass die zurückliegenden 30 Jahre nicht allein als menschliche Erfolgsgeschichte betrachtet werden sollten, sondern vor allem als Anlass, Gott die Ehre zu geben.
Zeitzeugen im Gespräch
Ein weiterer interessanter Programmpunkt war eine Gesprächsrunde mit älteren Mitgliedern der Kolonie, die auf die Auswanderung aus Paraguay und die schwierigen Anfangsjahre in Hohenau zurückblickten. Sie erinnerten an die Entscheidung, 1996 die bisherige Heimat zu verlassen und in Bolivien einen Neuanfang zu wagen.

Dabei ging es um die Herausforderungen der ersten Siedler, die Rodung des Landes, den Bau der ersten Häuser und den Aufbau einer neuen Gemeinschaft. Die persönlichen Erinnerungen machten deutlich, wie viel Mut, Entbehrung und harte Arbeit die Gründung der Kolonie erfordert hatte. Für die jüngere Generation bot diese Gesprächsrunde eine wertvolle Gelegenheit, aus erster Hand zu erfahren, unter welchen Bedingungen ihre Eltern und Großeltern die Grundlagen für das heutige Hohenau geschaffen hatten. So wurde die Geschichte der Kolonie durch die Erzählungen der Zeitzeugen wieder lebendig.
Historische Maschinen erzählen Koloniegeschichte
Neben den geistlichen Versammlungen bot das Jubiläumsfest zahlreiche Möglichkeiten, die Geschichte und Entwicklung Hohenaus auf anschauliche Weise kennenzulernen.
Besonders eindrucksvoll war die große Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen. Hier standen alte Traktoren neben modernen Großmaschinen. Historische Dreschmaschinen, verschiedene landwirtschaftliche Geräte und Maschinen für den Straßenbau vermittelten einen Überblick über die technische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte.

Die älteren Maschinen erinnerten an die Pionierzeit, als die ersten Siedler mit vergleichsweise einfachen Mitteln begannen, das Land urbar zu machen. Die modernen Traktoren und Erntemaschinen zeigten dagegen, welche Entwicklung die Landwirtschaft seither genommen hat.

Auch Geräte zur Bearbeitung und Unterhaltung der Straßen waren ausgestellt. Gerade in einer ländlichen Kolonie haben gute Verkehrswege eine große Bedeutung. In der Geschichte Hohenaus mussten die Bewohner immer wieder erhebliche Anstrengungen unternehmen, um Wege anzulegen, Straßen zu verbessern und Brücken zu bauen.
Erinnerungsstücke aus Paraguay und Kanada
Ein besonderes Stück Koloniegeschichte wurde auf einem Wagen präsentiert, der mit historischen Möbeln, Haushaltsgeräten und anderen Erinnerungsstücken beladen war.
Diese Gegenstände hatten die ersten Siedler bei ihrer Auswanderung aus Paraguay mitgebracht. Sie erinnerten an die bescheidenen Verhältnisse früherer Generationen und daran, wie viele Dinge über Jahrzehnte hinweg sorgfältig aufbewahrt und weiterverwendet wurden.

Besonders bemerkenswert war eine alte Nähmaschine, deren Geschichte sogar noch weiter zurückreicht. Sie stammt ursprünglich aus Kanada und gelangte über Paraguay schließlich nach Bolivien. Trotz ihres hohen Alters ist sie bis heute im Gebrauch.

Damit wurde die lange Wanderungsgeschichte der Mennoniten auf eindrucksvolle Weise sichtbar. Von Kanada über Paraguay bis nach Bolivien haben Familien nicht nur ihren Glauben und ihre Traditionen, sondern auch viele praktische Gegenstände des täglichen Lebens mitgenommen.
Festliche Paraden mit Pferden und Landmaschinen
Zu den Höhepunkten der beiden Festtage gehörten die verschiedenen Paraden.

Bei der traditionellen Pferdeparade zogen zahlreiche Reiter mit bolivianischen Fahnen und den Fahnen der Kolonie über das Festgelände. Die Pferde und ihre Reiter boten ein eindrucksvolles Bild und erinnerten zugleich an die Bedeutung des Pferdes im traditionellen mennonitischen Leben.

Nicht weniger beeindruckend war die Parade der Traktoren und Landmaschinen. Alte und neue Fahrzeuge wurden den Besuchern vorgeführt. Die historischen Traktoren erinnerten an frühere Arbeitsmethoden, während die großen modernen Maschinen den Fortschritt der vergangenen Jahrzehnte deutlich machten.

Gerade für eine landwirtschaftlich geprägte mennonitische Kolonie war diese Parade ein passender Ausdruck ihrer Geschichte. Schließlich bildeten die Landwirtschaft und der gemeinsame Aufbau der Betriebe von Anfang an eine wichtige Grundlage für das Leben in Hohenau.
Spiel und Spaß für die Kinder
Auch die jüngeren Besucher kamen bei der Jubiläumsfeier auf ihre Kosten.
Besondere Freude bereitete ein selbstgebauter kleiner Zug. Dafür waren bunte Tonnen zu Anhängern umgebaut worden, in denen die Kinder Platz nehmen konnten. Von einem kleinen Traktor gezogen, ging es damit über das Festgelände. Die ungewöhnliche Fahrt war eine schöne Abwechslung und sorgte für viel Begeisterung.

Daneben gab es verschiedene sportliche Aktivitäten. Beim Fußball und Volleyball konnten sich die Teilnehmer miteinander messen. So bot das Jubiläum nicht nur Gelegenheit zu Rückblick und Besinnung, sondern auch zu Spiel, Bewegung und gemeinsamer Unterhaltung.

Viele fleißige Hände sorgten für das leibliche Wohl
Was wäre ein großes mennonitisches Fest ohne ein gemeinsames Essen?
Auch beim Jubiläum in Hohenau war für das leibliche Wohl bestens gesorgt. Auf großen Grillanlagen wurde Fleisch zubereitet, dazu gab es verschiedene Salate und weitere Beilagen.

Die Vorbereitungen erforderten zahlreiche helfende Hände. Männer und Jugendliche kümmerten sich um die Grillanlagen und das Fleisch, während andere Helfer mit der Zubereitung der Salate und der Organisation der Verpflegung beschäftigt waren.

Auch hier zeigte sich ein wichtiger Bestandteil des mennonitischen Gemeinschaftslebens: Viele Aufgaben werden gemeinsam übernommen. Die Bereitschaft, Zeit und Arbeitskraft für die Gemeinschaft einzusetzen, hatte schon beim Aufbau der Kolonie eine große Bedeutung und war auch beim Jubiläum deutlich zu erkennen.
Ein Fest, das Vergangenheit und Zukunft verbindet
Nach zwei abwechslungsreichen Tagen blieb nicht nur die Erinnerung an die beeindruckenden Paraden, die zahlreichen Maschinen und die gemeinsamen Mahlzeiten. Das Jubiläum bot vor allem Gelegenheit, auf die vergangenen 30 Jahre zurückzublicken und sich der eigenen Geschichte bewusst zu werden.

Die Bewohner Hohenaus haben seit 1996 viel aufgebaut. Dabei gab es neben guten Jahren auch schwierige Zeiten mit Trockenheit, Überschwemmungen, wirtschaftlichen Sorgen und innergemeindlichen Herausforderungen.

Dennoch konnte die Kolonie auf eine bemerkenswerte Entwicklung zurückblicken. Das Fest machte sichtbar, was durch Fleiß, gemeinschaftliche Arbeit und gegenseitige Hilfe entstanden ist.

Der wichtigste Gedanke des Jubiläums wurde in den beiden Predigten hervorgehoben: Nicht menschliche Leistungen und materieller Wohlstand sollten im Mittelpunkt stehen, sondern die Dankbarkeit gegenüber Gott. Seine Führung und sein geistlicher Segen sollen auch in den kommenden Jahren die Grundlage für das Leben der Menschen in Hohenau bleiben.
Bilder und Informationen von persönlichen Kontakten:
Gemeindeältester Aron Giesbrecht
Gemeindeältester Tobias Braun
Jubiläumsschrift 30. Jahre Kolonie Hohenau





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