30. August 1717: Zar Peter der Große lauscht einer mennonitischen Predigt
- Andreas Tissen

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Ein besonderer Besuch in der mennonitischen Gemeinde von Zaandam blieb bis heute in Erinnerung. Im Mittelpunkt stand dabei eine kurze Predigt für Zar Peter dem Großen.

Am 30. August 1717 kam Zar Peter der Große zum letzten Mal während seines Aufenthaltes in Nordholland nach Zaandam. Der russische Herrscher war mit den angesehenen Zaaner Kaufleuten Cornelis Calff und seinem Sohn Nicolaas bekannt und wurde von ihnen begleitet.
Doch an diesem Tag interessierte sich Peter nicht nur für Handel und Gewerbe. Er wollte auch eine Predigt der Mennoniten hören. Sein Wunsch war ungewöhnlich, denn zugleich ließ er wissen, dass er keine langen Predigten schätzte.
Cornelis Calff war dafür der richtige Mann. Er war nicht nur ein angesehener Kaufmann, sondern auch Prediger der mennonitischen Gemeinde in Zaandam. Calff versprach dem Zaren, ihm die wichtigste Aussage aller Ermahnungen vorzutragen. Anschließend begab sich die Gesellschaft in die Doopsgezinde Vermaning Het Nieuwe Huis.
Dort bestieg Calff die Kanzel und sprach nur wenige Worte:
„Denk wel, spreek wel en doe wel. Amen.“ „Denke gut, sprich gut und handle gut. Amen.“
Die kurze Predigt soll den Zaren tief beeindruckt haben. Peter antwortete, er habe noch nie eine kürzere und zugleich gehaltvollere Predigt gehört. Seinem eigenen Geistlichen soll er daraufhin gesagt haben, dass auch dieser es so machen solle, allerdings habe er zu viel Beiwerk.

Die Vermaning Het Nieuwe Huis
Die Vermaning(Mennonitenkirche) "Het Nieuwe Huis" wurde 1687 innerhalb von sechs Monaten erbaut. Das schlichte Gotteshaus ist bis heute in Gebrauch. Besonders bemerkenswert ist der historische Dachstuhl. Die Zaaner Schiffbauer übertrugen dabei die ihnen vertraute Bauweise eines Schiffsrumpfes auf die Dachkonstruktion. Die Konstruktion ist noch heute zu sehen.
Auch der mit Sand bedeckte Fußboden gehört zur besonderen Atmosphäre des Gotteshauses. Der Sand diente früher dem Brandschutz und war in den Häusern und Versammlungsräumen der Region weit verbreitet. Die schlichte Architektur, die ruhigen Farben und der sandbedeckte Boden vermitteln noch heute einen Eindruck von der Einfachheit und Ruhe, die mit dem mennonitischen Gottesdienst verbunden sind.
"De Vermaning", Mennonitenkirche Zaandam, Nordholland (erbaut 1687)
Zu Gast bei Familie Calff
Nach dem Besuch der Vermaning wurde Peter im Haus der Familie Calff zum Mittagessen empfangen. Das stattliche Calff Haus an der Westzijde 38 war 1704 von Nicolaas Calff erbaut worden. Peter der Große und seine Gemahlin Katharina besuchten das Haus 1717 mehrfach.
Beim Mittagessen sprach Peter anerkennend über Zaandam und seine Bewohner. Nirgends, so bemerkte er, habe er eine solche Betriebsamkeit und einen derart ausgedehnten Handel angetroffen wie in der Zaanstreek.
Zum Abschied zeigte Peter den Zaandamer Freunden seine besondere Zuneigung. Er küsste sie auf die Stirn und sprach seinen gewohnten Wunsch:
„God beware u.“ „Gott bewahre Euch.“

So blieb von diesem Besuch nicht nur die Erinnerung an einen russischen Zaren, der sich für die Gewerbe und den Handel Zaandams interessierte. In der mennonitischen Überlieferung ist vor allem die Begegnung mit Cornelis Calff bemerkenswert. Ein mächtiger Herrscher wollte hören, was die Mennoniten lehrten, und erhielt darauf eine Predigt, die kürzer kaum hätte sein können: Denke gut, sprich gut und handle gut.
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