23. Februar 1788 Auswanderung der Mennoniten von Preußen nach Russland
- Redaktion

- 23. Feb.
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Der 23. Februar 1788 gilt in manchen mennonitischen Chronologien als ein frühes Datum des Aufbruchs von Familien aus dem Raum Danzig/Westpreußen nach Russland. In der Forschung wird jedoch darauf hingewiesen, dass dieses Datum nicht unbedingt den Beginn der gesamten Auswanderungsbewegung markiert, sondern eher einzelne frühe Grenzübertritte beschreibt. Für den bekannten Zug um Jakob Höppner wird häufig der 22. März 1788 (Bohnsack bei Danzig) genannt.
Die Auswanderung hatte mehrere Ursachen. Neben wirtschaftlichem Druck (Landknappheit, soziale Unterschiede zwischen Landbesitzern und Landlosen) spielten auch rechtliche und religiöse Fragen eine Rolle. Viele Mennoniten sahen in den russischen Angeboten bessere Zukunftsaussichten – insbesondere wegen zugesicherter Rechte wie Religionsfreiheit, Selbstverwaltung, zeitweiliger steuerlicher Entlastung und geregelter Landzuteilung. Bereits 1787 reisten die mennonitischen Abgeordneten Jakob Höppner und Johann Bartsch nach Russland, um Land und Bedingungen zu prüfen; dabei kam es auch zu Verhandlungen mit der russischen Regierung unter Katharina II.
Ein wichtiger Schritt der Bewegung war die Sammlung und Organisation der Auswanderer aus dem Werdergebiet. Am 28. Juli 1788 fand in Rosenort (Westpreußen) ein großer Abschiedsgottesdienst statt. Zeitgenössische mennonitische Chronologien sprechen in diesem Zusammenhang von 152 Familien, die zu dieser Zeit auf dem Weg nach Neurussland waren. Diese Zahl wird auch durch spätere Archiv-Auswertungen gestützt.
Die erste große Auswanderergruppe überwinterte schließlich 1788 in Dubrovna (Gouvernement Mogilev). Dort sammelten sich bis zum Winter etwa 228 Familien. Ursprünglich war für die Ansiedlung ein Gebiet bei Berislav vorgesehen; infolge des russisch-türkischen Krieges wurde die Ansiedlung jedoch in das Gebiet von Chortitza verlegt.
Im Juli 1789 erreichten die ersten Familien das Gebiet von Chortitza (die genaue Datierung variiert je nach Quelle; häufig genannt werden 20.–22. Juli 1789). Damit begann die Geschichte der ersten mennonitischen Siedlung in Russland, der später sogenannten Altkolonie (Chortitza).
Weitere Informationen in dem Artikel: Erste Wanderung von Preußen nach Russland
Quellen:
Enns, Edward; Friesen, Bert; Janzen, Marianne; Redekopp, Alf (Hg./Übers.): B.H. Unruh’s Research on Mennonite Migration to Russia, 1787–1895. A Translation from Part 2 of Benjamin Heinrich Unruh’s … Winnipeg: Manitoba Mennonite Historical Society, 2018 (Übersetzung von Unruhs Werk von 1955).
GAMEO (Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online): „Chortitza Mennonite Settlement (Zaporizhia Oblast, Ukraine)“ (zur Gründung 1789, Delegiertenreise Höppner/Bartsch, 228 Familien in Dubrovna, Verlegung nach Chortitza).
Price, Louise Bergen: „The First Mennonite Migration to South Russia. Part 3 in a series on early Mennonite migration from Danzig to South Russia“, in: Roots and Branches (Mennonite Historical Society of BC), Vol. 21, No. 4 (November 2015), S. 6ff. (u. a. zu Bohnsack, 22. März 1788, und Dubrovna).




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