top of page

20. März 1918: Mennoniten im Gewissenskonflikt - Wilson definiert den Ersatzdienst neu

Präsident Woodrow Wilson
Präsident Woodrow Wilson

Am 20. März 1918 traf US-Präsident Woodrow Wilson eine Entscheidung von großer Bedeutung für tausende amerikanische Kriegsdienstverweigerer. Fast ein Jahr nach dem Kriegseintritt der USA legte er per Präsidialanordnung genauer fest, was unter dem im Selective Service Act vorgesehenen „nichtkämpfenden Dienst“ zu verstehen sei. Für Mennoniten, Quäker, Brethren und andere Friedenskirchen war dies ein Schlüsselmoment: Das Gesetz von 1917 befreite sie zwar vom Waffendienst, nicht aber von einem vom Präsidenten festzulegenden Ersatzdienst.


Brisant war vor allem die weite Auslegung dieser Regelung. Wilson rechnete nicht nur den Sanitätsdienst, sondern auch zahlreiche Arbeiten im Quartermaster Corps und im Ingenieurwesen dazu. Dazu gehörten Eisenbahn- und Straßenbau, der Bau von Docks, Lagerhäusern und Baracken sowie sogar rückwärtige Befestigungen und Hilfsverteidigungen. Damit galten selbst militärisch unmittelbar nützliche Bauarbeiten offiziell als „nichtkämpfender Dienst“.


Ein Bautrupp im Ersten Weltkrieg
Ein Bautrupp im Ersten Weltkrieg

Gerade darin lag der Widerspruch zu früheren Erwartungen. Bereits im September 1917 hatte Kriegsminister Newton D. Baker erklärt, die genaue Bestimmung dieses Dienstes werde noch geprüft. Bis zu einer Entscheidung sollten die Betroffenen zwar abgesondert, aber nicht bestraft werden. Wilsons Festlegung war daher mehr als eine bloße Klärung: Sie weitete deutlich aus, was pazifistischen Christen noch zugemutet wurde.


Für die Betroffenen endete damit zwar eine Phase der Ungewissheit, der Grundkonflikt blieb jedoch bestehen. Viele anerkannte Kriegsdienstverweigerer waren bereits in Ausbildungslager eingezogen worden, wo Druck und Schikanen sie oft zum Nachgeben brachten. Auch unter Mennoniten löste Wilsons Entscheidung neue Debatten aus, weil sie einerseits einen gewissen Handlungsspielraum bot, andererseits aber den Weg für Strafen gegen jene öffnete, die auch diesen Dienst verweigerten.


So wurde der 20. März 1918 zu einem Wendepunkt in der Geschichte der amerikanischen Kriegsdienstverweigerung im Ersten Weltkrieg. Die US-Regierung schuf keinen wirklich zivilen Ersatzdienst außerhalb des Militärs, sondern definierte einen militärisch kontrollierten Dienst innerhalb der Armee. Dass dazu sogar der Bau militärischer Befestigungen zählen konnte, zeigte den Friedenskirchen, wie eng der Spielraum des Gewissens in Kriegszeiten gezogen war. Gerade für Mennoniten wurde diese Entscheidung zu einem Symbol für die begrenzte Rücksicht des Staates auf pazifistische Glaubensüberzeugungen.


Quellen:

  • United States Congress: An Act to authorize the President to increase temporarily the Military Establishment of the United States (Selective Service Act), 18. Mai 1917, 40 Stat. 76, besonders § 4.

  • War Department: General Orders No. 28, Washington, 23. März 1918, mit dem Executive Order Woodrow Wilsons vom 20. März 1918 zum „noncombatant service“.

  • Luke Schleif: „Conscientious Objectors“, in: 1914-1918-online. International Encyclopedia of the First World War, 8. Oktober 2014.

  • Michael Geheran: „Selective Service Act“, in: 1914-1918-online. International Encyclopedia of the First World War, 8. Oktober 2014.

Kommentare


Mit dieser Internetseite möchten wir den internationalen Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Unterstützung über Ländergrenzen hinweg fördern.

Wir laden alle Besucher herzlich ein, Feedback zu geben, Korrekturen vorzuschlagen oder eigene Beiträge einzureichen.

Bei Fragen, Kommentaren oder Anregungen können Sie uns gerne kontaktieren.


WhatsApp:
00598 98072033
Uruguay-98072033


info@mennoniten-weltweit.info

WhatsApp.webp
telegram-icon-6896828_640.png
Mennoniten: Arbeite und hoffe
bottom of page