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20. März 1531 Hinrichtung von Sikke Snijders in Leeuwarden



Am 20. März 1531 wurde in Leeuwarden der Täufer Sikke Snijders, auch Sikke Freriks oder Sikke Freerks genannt, öffentlich hingerichtet. Er gilt als der erste täuferische Märtyrer in den Niederlanden. Das Urteil wurde vom Hof von Friesland gefällt: Sikke sollte mit dem Schwert enthauptet werden; anschließend wurde sein Leichnam auf ein Rad gelegt und sein Kopf zur Abschreckung auf einen Pfahl gesetzt.


Sikke war vermutlich von Beruf Schneider und stand in Verbindung mit der frühen täuferischen Bewegung, die sich seit 1530 von Emden aus ausbreitete. Historisch wichtig ist dabei eine Korrektur: Nach den heute gebräuchlichen Darstellungen wurde Sikke nicht direkt von Melchior Hofmann selbst getauft, sondern wohl am 11. Dezember 1530 in Emden durch Jan Folkertsz Trypmaker, einen von Hofmann eingesetzten Prediger. Von dort gelangte er nach Friesland und trat in Leeuwarden als Verkündiger der neuen Taufgesinnung auf.


Sein Wirken dauerte nur wenige Monate, hinterließ aber deutliche Spuren. In Leeuwarden entstand ein kleiner täuferischer Kreis melchioritischer Prägung, der in den Quellen teils als Gemeinschaft der „Bundesbrüder“ erscheint. Aus diesem friesischen Umfeld gingen später bedeutende Persönlichkeiten der frühen niederländischen Täuferbewegung hervor, darunter Obbe Philips und Dirk Philips. Damit war Sikke nicht nur ein frühes Opfer der Verfolgung, sondern auch eine Gestalt am Beginn jener Bewegung, aus der sich später das mennonitische Täufertum entwickeln sollte.


Im Prozess bekannte sich Sikke offen zu seinen Überzeugungen. Nach späteren Zusammenfassungen der archivalischen Überlieferung gestand er, in Emden die Glaubenstaufe empfangen zu haben, und erklärte sinngemäß, dass er sich erneut taufen lassen würde, wenn seine Kindertaufe als einzig gültige Taufe gelten sollte. Gerade diese offene Haltung machte ihn aus Sicht der Obrigkeit zu einem gefährlichen Beispiel. Die Hinrichtung sollte deshalb ausdrücklich abschreckenden Charakter haben.


Besonders weitreichend wurde die Wirkung seines Todes durch Menno Simons. Dieser war damals noch katholischer Priester in Friesland. Als er von der Hinrichtung eines frommen Mannes hörte, der wegen einer „zweiten Taufe“ enthauptet worden war, begann er erneut die Heilige Schrift zu prüfen. In seinen späteren Erinnerungen schrieb Menno, dass ihn gerade dieser Fall dazu brachte, nach einer biblischen Grundlage für die Kindertaufe zu suchen — und dass er eine solche Grundlage nicht finden konnte. Sikkes Tod wurde damit zu einem wichtigen Anstoß auf Mennos Weg aus dem Katholizismus und hin zur täuferischen Bewegung.


Menno fand bei seinem gründlichen Bibelstudium keine Bibelstellen welche die Kindertaufe rechtfertigen und so schrieb Menno später: "Da sah ich deutlich, dass wir auch mit der Kindertaufe betrogen waren."


Historisch bemerkenswert ist außerdem, dass die spätere Märtyrerüberlieferung nicht in jedem Detail zuverlässig war. GAMEO und andere neuere Darstellungen weisen darauf hin, dass der Martyrs’ Mirror Sikkes Tod irrtümlich auf 1533 datierte und zusätzliche Folterelemente überlieferte, die sich in den ausgewerteten Archivalien nicht bestätigen lassen. Gerade deshalb lohnt es sich, bei Sikke Snijders nicht nur an eine ergreifende Märtyrergeschichte zu denken, sondern auch an einen gut belegten Wendepunkt in der Geschichte der niederländischen Täufer.


Quellen:

  • Buch: Spuren von Menno Simons

  • Buch: Die Schriften des Menno Simons

  • GAMEO: „Sicke Freerks (d. 1531)” – knapper Überblick zu Person, Hinrichtung in Leeuwarden und Wirkung auf Menno Simons.

  • GAMEO: „Punishment of the Anabaptists in the Low Countries” – Einordnung der Verfolgung der Täufer in den Niederlanden; nennt Sikke Freerks als ersten täuferischen Märtyrer dort.



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