20. August 1527 Augsburger Märtyrersynode
- Redaktion

- 20. Aug. 2025
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Aktualisiert: 9. Jan.

Vom 20. bis zum 24. August 1527 fand in Augsburg ein großes Treffen von Führern der Täuferbewegung statt.
Vom 20. bis 24. August 1527 kamen in der Reichsstadt Augsburg rund 60 Täufer-Abgesandte aus Süddeutschland, der Schweiz und Österreich zusammen. Es war eines der größten überregionalen Treffen der frühen Täuferbewegung – und zugleich ein Treffen im Schatten einer Verfolgung, die sich gerade zuspitzte. Dass diese Synode später als „Märtyrersynode“ bekannt wurde, hängt damit zusammen, dass viele Teilnehmer in den folgenden Jahren gefangen genommen und hingerichtet wurden.
Warum Augsburg?
Augsburg war um 1527 nicht nur ein wirtschaftliches und publizistisches Zentrum, sondern auch ein Brennpunkt religiöser Debatten: soziale Spannungen, reformatorische Aufbrüche und eine hohe Dichte an Druckereien machten die Stadt zu einem Ort, an dem neue Ideen schnell zirkulierten. In den Jahren 1525–1530 entwickelte sich Augsburg – neben Zürich und Straßburg – zu einem der wichtigsten Zentren der frühen Täuferbewegung.

Zugleich gab es in Augsburg eine vergleichsweise starke Täufergemeinde, die (noch) Räume und Quartiere bereitstellen konnte. Treffen fanden nicht öffentlich, sondern in Privathäusern statt – überliefert sind u. a. das Haus des Webers Gall Fischer, das Haus des Konrad Huber sowie das Haus des Metzgers Matheis Finder.
Ausgangslage: Streitfragen im jungen Täufertum
Die Täuferbewegung war 1527 dynamisch – aber nicht einheitlich. Nur wenige Monate zuvor waren unter Leitung Michael Sattlers in Schleitheim die Schleitheimer Artikel formuliert worden, die u. a. Eidesleistung, Waffendienst und die Übernahme weltlicher Ämter ablehnten. Andere süddeutsche Strömungen – besonders im Umfeld des Missionars Hans Hut – dachten in manchen Punkten anders und waren stärker von endzeitlichen Erwartungen geprägt.
Genau hier setzte die Synode an: Man wollte klären, was „täuferisch“ im Kern heißen soll, Streitpunkte begrenzen und handlungsfähig bleiben – nicht zuletzt, weil die Gefahr von Verhaftungen real war und die Gemeinden voneinander abhängig waren.
Was wurde beraten?
Ein offizielles Verhandlungsprotokoll ist nicht erhalten; vieles lässt sich nur aus späteren Verhörprotokollen rekonstruieren. Dennoch zeichnen die Quellen ein recht klares Bild der Hauptthemen:
Eid und Schwert (Verhältnis zur Obrigkeit): Die Schweizer Brüder hielten am konsequenten Gewaltverzicht fest. Hans Hut argumentierte nach späteren Aussagen eher „obrigkeitsfreundlich“ und befürwortete in Teilen Eid und Kriegsdienst – ein Punkt, der deutlich machte, wie unterschiedlich die Gruppen Bibeltexte (z. B. Römer 13) auslegten.
Eschatologie (Endzeiterwartung): Hut vertrat die Erwartung eines nahen Gerichts und soll Berechnungen zum Zeitpunkt verbreitet haben. Die Synode lehnte solche Datierungen mehrheitlich ab bzw. drängte darauf, sie nicht öffentlich zu lehren – ein bemerkenswerter Versuch, apokalyptische Dynamik zu zügeln.
Gemeindeordnung und Einheit: Hinter den Einzelthemen stand die größere Frage: Wie kann eine Bewegung mit unterschiedlichen Prägungen zusammenbleiben, ohne ihr Gewissen zu verraten? Augsburg war damit ein (letztes) „Gesamttreffen“ sehr verschiedener Täuferströmungen.
Beschluss mit Folgen: die Aussendung von Sendboten
Am Ende stand weniger ein „Papier“, sondern ein Missionsplan: Von Augsburg aus sollten Boten in klar umrissene Regionen gehen, um Gemeinden zu stärken, zu lehren und neue Gruppen zu sammeln. In den Quellen werden konkrete Namen und Ziele genannt (u. a. Richtung Worms, Basler Land/Zürich, Vorarlberg, Franken, Bayern, Linz/Österreich, Salzburger Land).
Gerade diese Aussendung trug tragisch zur Namensgebung bei: Viele Sendboten wurden kurz nach ihrer Ankunft verhaftet und hingerichtet. Die Synode wurde so rückblickend zu einem Symbol für Martyrium und Zerstreuung – und für die Entschlossenheit, trotz Gefahr an der Glaubenstaufe und am Gemeindeverständnis festzuhalten.
Unmittelbare Nachwirkungen
Als der Augsburger Rat von dem Treffen erfuhr, wurden führende Täufer verfolgt und festgesetzt. Besonders bekannt ist das Schicksal Hans Huts, der nach Verhaftung in Augsburg im Gefängnis starb (Dezember 1527); sogar nach seinem Tod ging die Obrigkeit demonstrativ gegen ihn vor.
Auch die Augsburger Gemeinde selbst stand bald unter massivem Druck – obwohl sie 1527 noch spürbar wuchs: Sigmund Salminger und Jakob Dachser trugen als Vorsteher die Aufbauarbeit; allein Salminger taufte in wenigen Monaten nachweislich zahlreiche Personen. Augsburg zeigt damit exemplarisch beides: missionarischen Aufbruch und raschen Umschlag in Verfolgung.
Bedeutung für die mennonitische Erinnerung
Für Mennoniten ist die Märtyrersynode mehr als ein historischer Termin: Sie markiert einen Moment, in dem sich Grundlinien täuferischer Identität – Glaubenstaufe, Gemeindezucht, Nachfolge, Gewissensfreiheit und (bei vielen Gruppen) Friedfertigkeit – unter realer Bedrohung behaupten mussten. Zugleich erinnert Augsburg daran, wie vielfältig das frühe Täufertum war und wie schmerzhaft die Suche nach Einheit verlief.
Quellen:
MennLex V: Artikel „Augsburg“ (Kontext zur Stadt und zur Täuferbewegung in Augsburg).
Wikipedia: „Augsburger Märtyrersynode“ (Daten, Themen, Teilnehmer, Trefforte, Aussendung).
Wikipedia: „Martyrs’ Synod“ (Folgen/Verfolgung, Hans Hut).
Stadtlexikon Augsburg/Wissner: Artikel „Täufer“ (Synode/Datum/Schwerpunktfragen).




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