17. März 1568: Jacob Dirks und seine beiden Söhne sterben in Antwerpen
- Redaktion

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Am 17. März 1568 wurden in Antwerpen der Täufer Jacob Dirks und seine beiden erwachsenen Söhne Andreas und Jan hingerichtet. In den Quellen erscheinen die Namen der Söhne auch als Andries/Adriaen und Hans/Jan. Nach der mennonitischen Überlieferung wurden die drei zunächst gewürgt beziehungsweise erhängt und anschließend verbrannt. Ihr Tod steht exemplarisch für die harte Verfolgung der Täufer in den habsburgischen Niederlanden des 16. Jahrhunderts.
Antwerpen war damals ein bedeutendes Zentrum der täuferischen Bewegung. Schon seit den 1530er Jahren fanden Täufer dort Anhänger; später überwogen in der Stadt die friedlichen Mennoniten. Zeitgenössische und spätere mennonitische Darstellungen schildern Antwerpen als einen Ort schwerer Verfolgung, an dem viele Täufer gefangen genommen, gefoltert und hingerichtet wurden. GAMEO bezeichnet die Geschichte der Täufer in Antwerpen sogar als die eines „außerordentlich wichtigen“ Zentrums, das immer wieder von Repression erschüttert wurde.

Jacob Dirks stammte aus Wageningen und arbeitete als Schneider in Utrecht. Weil er dort als Mennonit verdächtigt wurde und die Obrigkeit ihn festnehmen wollte, floh er nach Antwerpen. Seine Frau, die nach der Überlieferung nicht der täuferischen Richtung angehörte, folgte ihm später dorthin und starb dort. Doch auch in Antwerpen fand die Familie keine Sicherheit: Jacob und seine beiden Söhne wurden gefasst, zum Tode verurteilt und als Glaubensabweichler hingerichtet. Die Quellen betonen ausdrücklich, dass ihnen kein gewöhnliches Verbrechen zur Last gelegt wurde, sondern dass sie „allein um der göttlichen Wahrheit willen“ verurteilt worden seien.
Besonders eindrücklich ist die Schilderung ihres letzten Weges. Auf dem Gang zur Hinrichtungsstätte begegnete ihnen Jacobs jüngster Sohn Peter. In tiefer Verzweiflung fiel er seinem Vater um den Hals, wurde jedoch nach der Überlieferung sofort gewaltsam weggerissen und zu Boden gestoßen. Am Richtplatz fragte der Vater seine beiden Söhne: „Wie ist es, meine lieben Söhne?“ Beide antworteten: „Sehr wohl, mein lieber Vater.“ Diese kurze Szene wurde später zu einem festen Bestandteil der mennonitischen Märtyrererinnerung. Auch die Braut des Andreas sowie seine Schwester sollen das Geschehen aus der Ferne mit ansehen müssen.
Die Hinrichtung fiel in eine Zeit wachsender politischer und religiöser Härte. Nach der Entsendung des Herzogs von Alba in die Niederlande wurde 1567 der sogenannte Rat der Unruhen eingerichtet, der gegen Ketzerei und Aufruhr vorging und tausende Menschen zu Tod oder Haft verurteilte. Zwar ist der Fall von Jacob Dirks vor allem aus der täuferischen Märtyrerüberlieferung bekannt, doch sein Schicksal passt genau in dieses Klima verschärfter Verfolgung. Hinzu kam, dass das Eigentum Verurteilter eingezogen werden konnte. Auch bei Jacob Dirks wurde das Vermögen beschlagnahmt; die Quellen vermerken, dass es einen beträchtlichen Erlös einbrachte.
So blieb der 17. März 1568 in der mennonitischen Erinnerung nicht nur als Tag einer Hinrichtung, sondern als Zeugnis einer Familie in äußerster Bedrängnis erhalten. Vater und Söhne starben gemeinsam. Gerade diese familiäre Geschlossenheit im Angesicht des Todes machte ihre Geschichte für spätere Generationen besonders eindrucksvoll. Der Märtyrerspiegel übernahm den Bericht später aus älteren mennonitischen Märtyrerquellen und bewahrte ihn so über Jahrhunderte hinweg.
Quellen:
Thieleman J. van Braght, Martyrs Mirror: Abschnitt „Jacob Dircks, With His Two Sons, Andries Jacobs and Jan Jacobs, A. D. 1568“; dazu in der Bildübersicht die Zuordnung Buch 2, S. 371: „Burning of Jakob Dircks and sons, Antwerp, 1568“.
GAMEO (Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online), Artikel „Jacob Dirks (d. 1568)”.
Pitts Theology Library / Emory University, Bild- und Kurzbeschreibung „Jacob Dircks Led to His Execution“ zu Jan Luykens Darstellung des Falles.




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