13. Juni 1925: Die erste Mennonitische Weltkonferenz beginnt in Basel
- Redaktion

- 13. Juni
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Am 13. Juni 1925 begann in Basel ein Ereignis, das für die mennonitische Geschichte von bleibender Bedeutung wurde: die erste Mennonitische Weltkonferenz. Anlass war der 400. Jahrestag der Täuferbewegung. Vier Jahrhunderte waren vergangen, seit im Januar 1525 in Zürich die erste täuferische Glaubenstaufe stattgefunden hatte. Aus jenem mutigen Schritt war eine Bewegung entstanden, die trotz Verfolgung, Vertreibung und vieler Leiden bis in das 20. Jahrhundert bewahrt geblieben war. Die Konferenz ging bis zum 16 Juni.
Rückblick nach Zürich
Der Blick der Teilnehmer ging zunächst zurück auf den 21. Januar 1525. In Zürich hatten sich damals Männer versammelt, die überzeugt waren, dass die Taufe nach dem Neuen Testament mit persönlichem Glauben, Buße und bewusster Nachfolge verbunden sein müsse. Sie wollten nicht einfach eine äußere Volkskirche fortführen, sondern eine Gemeinde von Menschen, die Christus aus freiem Herzen nachfolgen.
Damit stellten sie sich gegen die herrschende Ordnung ihrer Zeit. Kirche und Obrigkeit waren eng miteinander verbunden. Wer die Kindertaufe ablehnte, galt nicht nur als religiöser Abweichler, sondern auch als Gefahr für die öffentliche Ordnung. Bald wurden die Täufer verfolgt, vertrieben, gefangen genommen und hingerichtet. Dennoch breitete sich die Bewegung weiter aus.
Später wurden die friedfertigen Täufer besonders durch Menno Simons gesammelt und gestärkt. Nach ihm wurden viele dieser Gemeinden schließlich „Mennoniten“ genannt. Ihr Zeugnis blieb geprägt von der Bibel, der Glaubenstaufe, der Gemeindezucht, der Wehrlosigkeit und dem ernsten Wunsch, Jesus Christus im täglichen Leben gehorsam zu folgen.
Eine Konferenz nach schweren Jahren
Als die Mennoniten 1925 in Basel zusammenkamen, lag der Erste Weltkrieg erst wenige Jahre zurück. Europa war verwundet. Auch unter Mennoniten hatte der Krieg Spuren hinterlassen. Gemeinden aus verschiedenen Ländern standen sich nicht immer nahe. Manche hatten auf verschiedenen Seiten des Krieges gelebt. Andere litten unter den Folgen politischer Umbrüche, besonders die Mennoniten in Russland.
Gerade darum war diese erste Weltkonferenz mehr als eine historische Gedenkfeier. Sie war ein Ruf zur Besinnung. Die Frage lautete nicht nur: „Woher kommen wir?“ Sondern auch: „Wie bleiben wir dem Herrn treu?“
Der wichtigste Förderer der Konferenz war Christian Neff, Prediger auf dem Weierhof und Vorsitzender der Konferenz Süddeutscher Mennoniten. Er erkannte, dass die zerstreuten mennonitischen Gemeinden eine stärkere Verbindung untereinander brauchten. Aus dieser Überzeugung heraus wurde Basel zum Treffpunkt für Brüder und Schwestern aus verschiedenen Ländern.
Ein bescheidener Anfang
Nach heutigen Maßstäben war die erste Mennonitische Weltkonferenz klein. Die Teilnehmer kamen vor allem aus der Schweiz, Deutschland, Holland und Frankreich. Aus Nordamerika war nur eine sehr kleine Vertretung anwesend. Doch gerade diese Schlichtheit passt zu der Geschichte der Mennoniten. Es ging nicht um äußere Größe, sondern um geistliche Sammlung.
Die Tagungen wurden von den Schweizer Ältesten Fritz Goldschmidt und Samuel Nussbaumer geleitet. Zu den Rednern gehörten unter anderem Jakob Kröker, Michael Horsch und Christian Schnebele aus Deutschland, David Geiser aus der Schweiz sowie W. J. Kühler und T. O. Hylkema aus den Niederlanden.

Ein wichtiges Thema lautete: „Wie können wir das geistliche Leben in unseren Gemeinden fördern?“ Diese Frage zeigt, worum es den Teilnehmern im Kern ging. Sie wollten nicht nur zurückblicken. Sie wollten wissen, wie die Gemeinden in der Gegenwart lebendig, bibeltreu und Christus ergeben bleiben konnten.
Die Stimme der leidenden Brüder
Besonders bewegend war bei der ersten Mennonitischen Weltkonferenz der Blick nach Russland. Dort standen viele Mennoniten seit Revolution, Bürgerkrieg, Hungerzeit und wachsendem Druck durch die sowjetische Regierung unter schwerer Belastung. Gemeinden, Schulen, Besitz und das geistliche Leben gerieten immer stärker unter staatliche Kontrolle.
Gerade aus diesen bedrängten Gemeinden kam ein wichtiger Anstoß zur weltweiten Verbindung der Mennoniten. Eine führende Rolle spielte Ältester Jakob Aron Rempel aus Grünfeld in der Chortitzaer Alt-Kolonie. Er hatte im Januar 1925 die Moskauer Bundeskonferenz mitgeleitet. Diese Konferenz beschloss, ihn als Delegierten zu den Zusammenkünften in Basel und Zürich zu entsenden.

Doch die Schweizer Regierung verweigerte Vertretern aus der kommunistischen Sowjetunion die Einreisevisa. Damit war eine Teilnahme an der Konferenz selbst nicht möglich. Benjamin H. Unruh, der zweite mit den südrussischen Mennoniten verbundene Delegierte, drängte jedoch aus Deutschland telegrafisch dazu, die Reise trotzdem anzutreten, um wenigstens persönliche Kontakte zu ermöglichen.
Rempel erhielt am 6. Juni 1925 sein Ausreisevisum. Über Riga, Eydtkuhnen und Berlin gelangte er nach Karlsruhe, wo ihn Unruh und der niederländische Prediger T. O. Hylkema empfingen. Da Rempel und Unruh nicht in die Schweiz einreisen durften, kam es außerhalb des offiziellen Konferenzraumes zu Begegnungen mit Teilnehmern der Tagung. Hylkema brachte unter anderem Pierre Sommer, einen mennonitischen Leiter aus Montbéliard, zu ihnen. Später hielten sich Rempel und Unruh in Lörrach auf, wo sie von einer Familie Lechler aufgenommen wurden.
Ihre Botschaften wurden dennoch in die Abschlusssitzung des Basler Programmteils am Montag, dem 15. Juni, eingebracht. Unruh dankte im Namen der Glaubensgeschwister in Sowjetrussland für die Hilfe, die besonders durch das Mennonite Central Committee in der Hunger- und Notzeit geleistet worden war. Zugleich wurde offen bekannt, dass die vergangenen Jahre auch Schuld und Versagen gebracht hatten. Dennoch hielten die Gemeinden daran fest, dass Gott auch in dunkler Zeit auf seinem Thron bleibt.
Rempel brachte die Hoffnung der russländischen Mennoniten auf einen weltweiten Zusammenschluss der Mennoniten zum Ausdruck. Diese Gemeinschaft sollte nicht nur materielle Hilfe leisten, sondern auch geistlich stärken. Besonders wichtig war ihm die Sorge um die Jugend, die christliche Erziehung und das Zeugnis der Wehrlosigkeit unter den neuen politischen Verhältnissen.
Zusätzlich lag der Versammlung ein Memorandum der Moskauer Bundeskonferenz vor. Darin wurde die Gründung eines Verbandes aller Mennoniten angeregt — mit einer Zentrale, einer gemeinsamen Kasse und einer eigenen Zeitschrift. Zu den Aufgaben sollten die Betreuung kleiner Gemeinden, Missionsarbeit, Unterstützung Bedürftiger, Hilfe für Studierende und die Behandlung von Auswanderungsfragen gehören.
So wurde die Begegnung bei Basel und Lörrach zu einem starken Zeichen. Die Brüder aus Russland konnten nicht an der Konferenz teilnehmen, aber ihre Stimme wurde gehört. Von Anfang an ging es bei der Mennonitischen Weltkonferenz deshalb nicht nur um Erinnerung und Vorträge, sondern auch um brüderliche Hilfe, geistliche Gemeinschaft und Treue zu Christus in schwerer Zeit.
Dankbarkeit statt Triumph
Die Basler Konferenz von 1925 war keine Siegesfeier im weltlichen Sinn. Die Geschichte der Täufer war zu sehr von Blut, Tränen und Verbannung geprägt. Wer an 1525 erinnerte, erinnerte auch an Felix Manz, Michael Sattler, viele unbekannte Märtyrer und die zahllosen Familien, die wegen ihres Glaubens Heimat, Besitz und Sicherheit verloren hatten.
Darum lag über der Feier ein ernster Ton. Man dankte Gott, dass Er seine Gemeinde durch vier Jahrhunderte bewahrt hatte. Zugleich war die Konferenz ein Ruf zur Treue. Die Teilnehmer wurden daran erinnert, dass mennonitischer Glaube nicht nur aus Überlieferung besteht. Er muss im Leben sichtbar werden: im Gehorsam gegenüber der Schrift, in der Friedfertigkeit, in der Gemeinde und in der Absonderung von weltlichem Geist.
Der Anfang einer weltweiten Verbindung
Aus dem kleinen Anfang von Basel entwickelte sich später die Mennonitische Weltkonferenz als weltweite Gemeinschaft täuferisch-mennonitischer Kirchen. Schon die zweite Konferenz 1930 in Danzig stellte die Hilfe für mennonitische Flüchtlinge aus Russland in den Mittelpunkt. Dabei ging es auch um die Ansiedlung in neuen Ländern, unter anderem in Paraguay, Brasilien und Kanada. Die dritte Konferenz 1936 in den Niederlanden erinnerte an den 400. Jahrestag der Bekehrung Menno Simons’.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Konferenzen größer und internationaler. Gemeinden aus Nordamerika, Südamerika, Afrika und Asien traten immer stärker hervor. Was 1925 in Basel noch europäisch und bescheiden begonnen hatte, wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einer weltweiten Verbindung.
Bedeutung für heute
Der 13. Juni 1925 erinnert daran, dass die mennonitische Geschichte nicht nur aus einzelnen Kolonien, Gemeinden oder Ländern besteht. Sie ist Teil einer größeren Glaubensgeschichte. Mennoniten in Europa, Russland, Nord- und Südamerika und später auch in Afrika und Asien gehören nicht durch politische Macht zusammen, sondern durch den Glauben an Jesus Christus und das Erbe der täuferischen Nachfolge.
Die erste Mennonitische Weltkonferenz in Basel stellte deshalb eine einfache, aber ernste Frage: Sind wir noch würdig, das Erbe der Väter weiterzutragen?
Diese Frage bleibt bis heute ernst und aktuell. Die Erinnerung an 1525 und 1925 soll uns nicht zu menschlichem Stolz führen, sondern zu Demut, Dankbarkeit und neuer Treue. Die Täufer wollten Christus nicht nur mit Worten bekennen, sondern Ihm im täglichen Leben gehorsam nachfolgen — auch dann, wenn dieser Weg Verachtung, Verlust oder Verfolgung bedeutete. Die Mennoniten, die 1925 in Basel zusammenkamen, erinnerten nach 400 Jahren an dieses Erbe. Und auch heute, nach 500 Jahren, bleibt der Kern unverändert: Gottes Wort hören, Christus gehorchen, die Gemeinde rein und biblisch bewahren, den Weg der Wehrlosigkeit gehen und als abgesondertes Volk Gottes in dieser Welt leben, ohne sich von ihrem Geist formen zu lassen.
Quellenliste
Internetseite chortitza.org
Mennonite World Conference: Previous Assemblies Offizielle Angabe zur ersten Weltkonferenz: Basel, 13.–16. Juni 1925, Präsident Christian Neff.
Mennonite World Conference: History of MWC Hintergrund zum täuferischen Beginn am 21. Januar 1525 in Zürich und zur Entstehung der Weltkonferenz.
MennLex: Mennonitische Weltkonferenz Deutschsprachiger Überblick: Christian Neff, Themen, Redner, erste Konferenzen.
GAMEO: Mennonite World Conference Ergänzende Angaben zur kleinen Teilnehmerzahl, zur Ausrichtung der ersten Konferenz und zu den weiteren Weltkonferenzen.
Mennonite Historian, März 1978: Wichtige Details zu Jakob A. Rempel, Benjamin H. Unruh, dem Treffen außerhalb der Schweiz und der Aufnahme durch Familie Lechler in Lörrach.
Lapp / Straten: Mennonite World Conference 1925–2000: Wissenschaftlicher Überblick zur Entstehung und Entwicklung der Mennonitischen Weltkonferenz.
Wikimedia Commons: 1925 Mennonite World Conference Assembly Bildquelle für das Konferenzfoto von Basel 1925; die Kategorie enthält das direkt passende Bild.




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