05. Januar 1527: Der Tag, an dem Zürich Felix Manz ertränkte
- Redaktion

- 5. Jan.
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Es ist ein kalter Januartag in Zürich. An der Limmat stehen Menschen dicht gedrängt – nicht, weil ein Fest bevorsteht, sondern weil die Stadt ein Exempel statuieren will. Am 5. Januar 1527 führt die Obrigkeit Felix Manz zum Fluss. Der Mann, der die Glaubenstaufe (statt Kindertaufe) verteidigte, soll sterben – durch Ertränken. Gerade diese Todesart ist kein Zufall: Wasser, das Manz als Zeichen des neuen Lebens verstand, wird zum Instrument der Strafe.
Vom Urteil zum Fluss
Manz ist zu diesem Zeitpunkt kein Unbekannter. Seit 1525 hatte sich in Zürich eine täuferische Gemeinschaft gebildet, die außerhalb der staatlich geregelten Kirchenordnung lebte. Die Behörden sahen darin nicht nur einen theologischen Streit, sondern eine Herausforderung der öffentlichen Ordnung: Wer die Kindertaufe ablehnt, entzieht sich (in der damaligen Logik) auch einem zentralen Band der christlichen Bürgerschaft.
Am Hinrichtungstag wird Manz – nach Verhören und dem Todesurteil wegen „Wiedertaufens“ und beharrlicher Verweigerung – zur Limmat gebracht. Die Szene trägt den Charakter einer öffentlichen Warnung: Der Weg zum Fluss ist Teil der Strafe, das Zuschauen Teil der Botschaft.
Die letzten Minuten: Standhaftigkeit vor den Augen der Stadt
Am Ufer wird noch einmal versucht, ihn zum Widerruf zu bewegen. Doch Manz bleibt bei seiner Überzeugung. Überlieferungen berichten, dass er einen Psalm anstimmt – ein hörbares Bekenntnis, während die Stadt bereits entschieden hat. Besonders eindrücklich ist der Moment, der sich ins Gedächtnis der Täufer eingeprägt hat: Seine Mutter soll ihm vom Ufer zugerufen haben, er solle im Glauben standhalten.
Dann geschieht es schnell und brutal: Manz wird gefesselt, in ein Boot oder unmittelbar ins Wasser gebracht, und in der Limmat ertränkt. Der Fluss nimmt den Körper – aber mit diesem Tod beginnt etwas, das Zürich nicht beabsichtigt hatte: eine Märtyrererzählung.
Der erste Märtyrer der Täufer
Gerade weil Manz als erster Täufer in Zürich auf diese Weise hingerichtet wurde, gilt er in der täuferischen Erinnerung als der erste Märtyrer der Täuferbewegung. Sein Tod markiert den Moment, in dem aus einem innerreformatorischen Streit eine Verfolgungsgeschichte wird: Eine reformierte Stadt tötet einen Reformdissidenten – und macht ihn dadurch zum Symbol.
Warum der 5. Januar 1527 bis heute zählt
Der Hinrichtungstag steht wie ein Brennglas über der frühen Reformationszeit: Er zeigt, wie eng Glaubensfragen und Staatsordnung damals verbunden waren – und wie rasch religiöse Einheit mit Zwang verteidigt wurde. Für die Täufer wird der 5. Januar 1527 zum Datum des „ersten Blutes“: Nicht als Triumph, sondern als Zeugnis dafür, dass Glaube nicht erzwungen werden kann – selbst dann nicht, wenn eine ganze Stadt am Fluss steht und zusieht.





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