08. Januar 1579 – Ausweisungsbefehl gegen Mennoniten in Preußen
- Redaktion

- 8. Jan.
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Der 8. Januar 1579 fällt mitten in eine Zeit, in der Obrigkeiten in Nord- und Mitteleuropa religiöse Einheit nicht als Privatangelegenheit, sondern als Grundpfeiler öffentlicher Ordnung verstanden. In Preußen – genauer: im Herzogtum Preußen (dem späteren Ostpreußen) – stand damals Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach an der Spitze der Regierung. Er war ein Hohenzoller, lutherisch geprägt und in Personalunion auch „Herzog in Preußen“.
Eine Winterverfügung mit harter Frist
Nach später überlieferten Berichten erging am 8. Januar ein Befehl, der sich gegen die Mennoniten (Täufer) richtete: Sie sollten die Stadt räumen und sich „hinführo“ nicht mehr niederlassen – mit einer Ausreisefrist bis zum 1. Mai. Solche Fristen waren typisch: Sie gaben den Betroffenen wenige Wochen, um Arbeit, Wohnung, Werkzeuge, Vieh, Schulden und Schutzverhältnisse zu ordnen – in einer Zeit ohne soziale Sicherung und mit begrenzter Mobilität.
Warum traf es die Mennoniten?
Die Mennoniten waren im 16. Jahrhundert in vielen Territorien unerwünscht, weil sie mit zentralen Erwartungen frühneuzeitlicher Staaten kollidierten:
Erwachsenentaufe statt Kindertaufe (damit Infragestellung der „Volkskirche“),
Weigerung, Eide zu schwören, und
Gewaltverzicht/Kriegsdienstverweigerung (damals als politisches Risiko gelesen).
Dazu kam in Preußen der Druck, eine einheitliche Konfession im Land zu sichern. In einer späteren Darstellung heißt es ausdrücklich, Georg Friedrich habe die Ansiedlung abgelehnt, weil ein Landesfürst darauf zu achten habe, dass in seinem Machtbereich eine einheitliche Religion herrsche.
Mennoniten in und um Königsberg: nützlich – und dennoch verdächtig
Gerade in Königsberg tauchen Täufer/Mennoniten früh auf. Sie wurden als Wasserbauer bzw. Spezialisten zur Trockenlegung sumpfiger Gebiete aus dem niederländischen Raum geholt und lebten u. a. in der Vorstadt Roßgarten. Doch schon früh kam es zu Ausweisungen all jener, die sich nicht lutherisch einordneten. Das zeigt das Grundmuster: wirtschaftlich gebraucht, konfessionell misstrauisch beäugt.

1579/1580: Druck, Gesuch – und weitere Räumungsdaten
Für das Jahr 1579 ist außerdem überliefert, dass Mennoniten dem Markgrafen eine Bittschrift übergaben und – bemerkenswert genug – auch ein Glaubensbekenntnis beilegten, um ihre Duldung zu erreichen. Doch die Bitte wurde abgewiesen; in derselben Darstellung erscheint dann sogar eine weitere Räumungsanordnung, die den Abzug bis zum 8. Mai 1580 verlangt.
Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich zur Frist „1. Mai“. Historisch ist so etwas allerdings gut erklärbar: Häufig gab es mehrere Stufen (städtische Anordnung vs. landesherrliche Entscheidung, erste Frist vs. aufgeschobene Vollstreckung, unterschiedliche Orte im Herzogtum). Sicher ist: 1579 markiert einen Höhepunkt staatlichen Drucks gegen die mennonitische Präsenz im Herzogtum Preußen.
Langfristige Spur: Ausweisung als wiederkehrendes Instrument
Auch später wird derselbe Grundton wiederholt: Eine Quelle aus der Russlandkolonisten-Literatur fasst zusammen, Georg Friedrich habe 1579 verlangt, Mennoniten müssten zum Luthertum übertreten oder Preußen verlassen; 1586 sei der Befehl erneut ausgesprochen worden. Für die Betroffenen bedeutete das: Duldung blieb prekär – abhängig von Nutzen, politischer Lage und konfessionellem Kurs der Obrigkeit.
Bedeutung des 8. Januar 1579
Der 8. Januar 1579 steht damit stellvertretend für die „unsichtbare Alltagsdramatik“ der Täufergeschichte: nicht nur Märtyrerberichte, sondern auch Verwaltungsakte, Fristen, Umzüge, zerbrochene Existenzen – und zugleich das Ringen einer Minderheit, sich mit Bittschriften und Bekenntnissen einen legalen Raum zu erbitten.
Quellen und Hinweise
Kurzbiografie Georg Friedrich (Deutsche Biographie).
Überlieferung des Befehls „8. Januar … bis 1. Mai … die Stadt räumen“.
Darstellung zur Bittschrift 1579, Ablehnung wegen konfessioneller Einheit und Räumungsdatum (bis 8. Mai 1580).
Zusammenfassung: „zum Luthertum übertreten oder Preußen verlassen“ (1579; Wiederholung 1586).
Überblick zu frühen Täufern/Mennoniten in Königsberg und ihrer Rolle als Wasserbauer (Sekundärdarstellung).




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