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06. Januar 1525: Geburt von Rachel Grebel – ein Kind im Brennpunkt der Tauffrage


Konrad Grebel Gemälde von Oliver Wendell Schenk 1972
Konrad Grebel Gemälde von Oliver Wendell Schenk 1972

06. Januar 1525: Geburt von Rachel Grebel – ein Kind im Brennpunkt der Tauffrage


Am 6. Januar 1525 wurde in Zürich Rachel (auch: Rahel) geboren, die Tochter des späteren Täufer-Mitbegründers Konrad Grebel und seiner Frau Barbara. Was zunächst wie ein privates Familienereignis wirkt, steht erstaunlich nah am „Zündfunken“ der frühen Täuferbewegung: der Frage, ob Säuglinge getauft werden dürfen – oder ob Taufe eine bewusste Entscheidung des Glaubens sein muss.


„Noch nicht im römischen Wasserbad …“


Besonders greifbar wird das in einem Brief, den Grebel wenige Tage später an seinen Schwager Joachim Vadian schrieb. Darin erwähnt er, dass seine Tochter Rachel „noch nit in dem Römschen wasserbad“ getauft sei – eine kurze, aber klare Spitze gegen die damals selbstverständliche Kindertaufe. Dieser Satz zeigt: Grebels Überzeugung war nicht nur eine Theorie aus Bibelgesprächen, sondern berührte sein eigenes Haus und seine Verantwortung als Vater.


Der Castelberger Lesekreis: Bibellesen mit Folgen


Grebel gehörte zu einem Zürcher Bibelkreis, der später nach seinem Gastgeber Andreas Castelberger „Castelberger Lesekreis“ genannt wurde. Dort wurde gemeinsam gelesen, diskutiert und geprüft, ob kirchliche Praxis tatsächlich biblisch begründet sei. Solche Lesekreise sind ein Schlüssel zum Verständnis der Frühzeit: Die spätere Täuferbewegung entstand nicht „aus dem Nichts“, sondern aus intensivem Bibelstudium und dem Wunsch, Glauben und Gemeinde konsequent am Neuen Testament auszurichten.


Eine Geburt – und wenige Tage später ein Ratsmandat


Die Lage spitzte sich im Januar 1525 dramatisch zu. Nach der Taufdisputation in Zürich erließ der Rat am 18. Januar 1525 ein Mandat: Wer sein Kind nicht innerhalb weniger Tage taufen lasse, müsse mit Verbannung rechnen. Damit wurde die Tauffrage plötzlich nicht nur ein theologischer Streit, sondern eine Angelegenheit von Recht, Ordnung und öffentlicher Loyalität. Für Grebel, dessen Tochter gerade geboren war und ungetauft blieb, war das Mandat unmittelbar persönlich.


Nur drei Tage später, am 21. Januar 1525, kam es dann zur berühmten Versammlung im Umfeld von Felix Manz, bei der – nach der Überlieferung – die ersten Glaubenstaufen vollzogen wurden. In vielen Darstellungen beginnt hier die Täuferbewegung als eigenständige Gemeinschaft. Die Geburt Rachels am 6. Januar liegt damit wie ein stilles Vorspiel unmittelbar vor diesem Wendepunkt.


Warum dieses Datum in der Täufergeschichte bedeutsam ist


Rachels Geburt erinnert daran, dass die frühe Täuferbewegung nicht nur aus „großen“ öffentlichen Ereignissen besteht (Disputationen, Mandate, Verfolgung), sondern auch aus Familienentscheidungen, die Mut kosteten. Die Weigerung, ein Kind taufen zu lassen, stellte die damalige gesellschaftliche Ordnung infrage – und machte sichtbar, was Täufer später immer wieder betonten: Gemeinde entsteht aus persönlichem Glauben, nicht aus Geburt oder Staatszugehörigkeit.


Quellen und Hinweise

  • Peter Kamber, Anmerkungen „Buchstabe des Glaubens“ (mit Hinweis auf Grebels Brief an Vadian und das Geburtsdatum Rachels).

  • Deutsche Biographie, Indexeintrag „Grebel, Konrad“ (Lebensdaten, Ehe).

  • Verlags-/Titelinfo Quellen zur Geschichte der Täufer in der Schweiz (Mandat 18.01.1525; Einordnung 21.01.1525).

  • BEFG-Dossier / reformiert.info (Überblick zur Versammlung und den Taufen am 21.01.1525). (

  • „Castelberger Lesekreis“ (Überblick, Datierung, Einordnung der Bibelkreise).


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