05. November 1710: Niederländische Mennoniten beraten über Hilfe für verfolgte Glaubensgeschwister

Am 05. November 1710 versammelten sich in Amsterdam 37 Vertreter niederländischer Mennonitengemeinden, um über die Not ihrer verfolgten Glaubensgeschwister in der Schweiz zu beraten. Im Mittelpunkt standen finanzielle Unterstützung, Hilfe für Gefangene und die Suche nach neuen Siedlungsmöglichkeiten für vertriebene Familien.
Schwere Verfolgung in der Schweiz
Besonders im Kanton Bern gingen die Behörden streng gegen die Täufer vor. Weil diese die Kindertaufe ablehnten, die Glaubenstaufe praktizierten und aus biblischer Überzeugung weder Eide schworen noch Kriegsdienst leisteten, wurden sie verfolgt. Viele verloren ihren Besitz, wurden eingesperrt oder aus ihrer Heimat vertrieben.

Im Frühjahr 1710 versuchte die Berner Regierung, mehr als 50 gefangene Täufer nach Amerika zu deportieren. Die Gefangenen wurden auf Schiffen den Rhein hinabgebracht. Durch die Bemühungen niederländischer Mennoniten und staatlicher Stellen kamen sie jedoch am 9. April bei Nijmegen frei.

Gemeinsame Hilfe beschlossen
Bereits im August 1710 hatten die niederländischen Mennoniten ihre Gemeinden zu Geldsammlungen für die verfolgten Schweizer aufgerufen.
Auf der Generalversammlung am 5. November berichteten die beiden Schweizer Täufer Hans Rupp und Peter Thönen, die selbst zu den zuvor freigelassenen Gefangenen gehört hatten, über die schwierige Lage ihrer Glaubensgeschwister.

Die Versammlung bevollmächtigte einen Amsterdamer Hilfsausschuss, die gesammelten Spendengelder einzusetzen. Gleichzeitig wurden Möglichkeiten beraten, vertriebenen Familien in den Niederlanden oder in Preußen eine neue Heimat zu geben.
Hunderte Täufer verlassen die Schweiz
Die Hilfsbereitschaft war groß. Bis Anfang Januar 1711 kamen rund 50.000 Gulden zusammen. Auch durch Verhandlungen mit der Berner Regierung versuchten die niederländischen Mennoniten, die Lage ihrer Glaubensgeschwister zu verbessern.
Im Februar 1711 gewährte Bern eine zeitlich begrenzte Amnestie, die vielen Täufern die Auswanderung ermöglichte. Im Sommer desselben Jahres verließen mehrere Hundert Schweizer Täufer ihre Heimat. Zahlreiche Familien gelangten über den Rhein in die Niederlande, wo sie von ihren Glaubensgeschwistern aufgenommen und unterstützt wurden.
Ein Zeugnis christlicher Bruderliebe
Die Amsterdamer Versammlung vom 5. November 1710 wurde zu einem bedeutenden Beispiel mennonitischer Hilfsbereitschaft. Obwohl die niederländischen Mennoniten selbst weitgehend Religionsfreiheit genossen, vergaßen sie ihre verfolgten Glaubensgeschwister nicht.
Ihr Handeln entsprach der biblischen Aufforderung aus Galater 6,10:
„Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“
Die Ereignisse zeigen eindrucksvoll, wie christliche Bruderliebe und gemeinsame Opferbereitschaft Menschen in großer Not helfen können.
Quellen:
Ernst Müller: Geschichte der bernischen Täufer (1895), S. 292 ff.
Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online (GAMEO): Fonds voor Buitenlandsche Nooden.
Stadsarchief Amsterdam: Sitzungsunterlagen vom 5. November 1710.
Doopsgezinde Gemeente Haarlem: Hulp aan onze onderdrukte Zwitserse broeders en zusters in 1710.





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