01. Januar 1448 Geburt von Huldrych Zwingli in Wildhaus
- Redaktion

- 1. Jan.
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Am 1. Januar 1484 wird in Wildhaus Huldrych Zwingli geboren – der spätere Zürcher Reformator, aus dessen Reformkreis heraus 1525 die ersten Täufer hervortreten und der damit zugleich am Anfang jener Entwicklung steht, die für die Täufer bald Verfolgung und Zerstreuung bedeutete.
Warum Zwingli für Täufer und später Mennoniten bedeutsam ist
Zwingli ist für Mennoniten (als Teil der täuferischen / anabaptistischen Familie) eine Schlüsselfigur mit doppelter Bedeutung: Er steht einerseits am Anfang des Zürcher Reformaufbruchs, aus dem die erste täuferische Glaubenstaufe hervorgeht – andererseits prägt gerade sein obrigkeitlich gestütztes Kirchenmodell den Bruch und die frühe Verfolgung maßgeblich.
1) „Aus Zwinglis Kreis heraus“: Die Täuferbewegung entsteht in Zürich (1525)
Historisch bedeutsam ist, dass die ersten Schweizer Täufer ehemalige Schüler, Freunde und Mitstreiter Zwinglis waren. Der Ursprung wird in Zürich auf Januar 1525 datiert: Nach einem Ratsentscheid zur Kindertaufe kam es im Umfeld von Konrad Grebel, Felix Manz und Jörg Blaurock zur ersten Glaubenstaufe; sie fand (der Überlieferung nach) im Haus von Felix Manz statt. Mennoniten erinnern dieses Datum bis heute als „Geburtsstunde“ ihres weiteren geistlichen Stammbaums (Anabaptisten → später u. a. Mennoniten, Amish).
2) Der Kernkonflikt: Wer bestimmt die Kirche – Christusgemeinde oder Stadtregierung?
Für Zwingli war Reform in Zürich bewusst mit dem Rat (der Obrigkeit) verbunden. Genau hier liegt ein Hauptgrund, warum er für Mennoniten so bedeutsam ist: Im täuferischen Verständnis soll die Gemeinde der Glaubenden nicht von staatlicher Macht gesteuert werden. In zeitgenössischer Logik hingegen galt die Verweigerung der Kindertaufe schnell als Gefahr für Einheit und Ordnung. Damit wird Zwingli zur historischen „Schnittstelle“: Er verkörpert den Weg der landeskirchlich/obrigkeitlichen Reformation, gegen den sich die Täufer in Richtung Freiwilligkeit, Gemeindezucht und Trennung von Kirche und Staat abgrenzen.
3) Ratsmandate und „Wassertod“: Verfolgung als prägende Früh-Erfahrung (1526–1527)
Für die mennonitische Erinnerung ist nicht nur der theologische Streit zentral, sondern die schnelle Eskalation in staatliche Strafpraxis. Ein Schlüsselbeleg ist das Zürcher Mandat gegen das Wiedertaufen vom 7. März 1526: Es verbietet die Wiedertaufe im Zürcher Herrschaftsgebiet unter Androhung der Todesstrafe durch Ertränken und ordnet an, das Mandat in den Pfarrkirchen zu verlesen und an Landvögte zu schicken. Am 5. Januar 1527 wird Felix Manz in der Limmat ertränkt – ein frühes, symbolisch starkes Martyrium der Schweizer Täufer. Diese Ereigniskette erklärt, warum Mennoniten Zwingli oft zugleich als „Wegbereiter“ (Schriftprinzip) und als Teil jener Reformationskonstellation sehen, die die täuferische Bewegung kriminalisierte.
4) Schleitheim 1527: Täuferische Identität formiert sich (auch als Antwort auf Zürich)
Unter Verfolgungsdruck verdichtet sich das täuferische Profil rasch. Ein Markstein ist die Schleitheimer Artikel/Schleitheimer Bekenntnis (1527), das zentrale Positionen der Schweizer Brüder bündelt (u. a. bewusste Taufe, Gemeindezucht, Absonderung, Haltung zu „Schwert“ und Eid).
Es entsteht ausdrücklich in einer Zeit „intensiver Verfolgung“ und dient auch dazu, Vorwürfe zu entkräften und die Bewegung zu ordnen. Gerade die Punkte Nichtgewalt, Eidverweigerung und Distanz zum Staat sind bis heute typisch mennonitische Erkennungszeichen – und historisch eng mit den Erfahrungen im Raum Zürich/Bern/Schweiz verbunden, in denen die Obrigkeit religiöse Abweichung als Staatsproblem behandelte.
5) Langzeitfolge: Flucht, Zerstreuung, neue Räume – und spätere Versöhnung
Die Repression führte dazu, dass Täufer ausweichen mussten (u. a. in entlegene Gebiete, später auch ins Ausland). In der Zürcher Erinnerung wird ausdrücklich genannt, dass Verfolgung, Verbannung und Flucht dazu beitrugen, dass täuferische Präsenz auf Zürcher Gebiet langfristig stark zurückging – während Nachkommen und Schwesterbewegungen andernorts weiterlebten.
Dass 2004 in Zürich eine Gedenktafel am Limmatufer im Zeichen der Versöhnung gesetzt wurde, zeigt zudem: Der Konflikt Zwingli–Täufer ist nicht nur „Geschichte“, sondern Teil einer bis heute bearbeiteten Erinnerungskultur.




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