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Viehdieb flieht nach Diebstahl bei mennonitischer Familie in Pailón


Die Polizei in Santa Cruz fahndet nach einem Mann, der beschuldigt wird, auf einem mennonitischen Hof in Pailón insgesamt 73 Rinder entwendet zu haben. Laut Berichten bolivianischer Medien handelt es sich bei dem Gesuchten um Carmelo S. G., der als casero (Verwalter/Hofwächter) für das Anwesen zuständig gewesen sein soll.


Nach Angaben von Óscar Céspedes, dem Anwalt des Geschädigten, habe der Mann zunächst das Vertrauen der Mennoniten gewonnen. Besonders Sonntags, wenn die Mennoniten alle in der Kirche waren und er alleine auf dem Gelände gewesen sei, soll er die Gelegenheit genutzt haben, Tiere aus dem Bestand „herauszuziehen“ und vom Hof wegzubringen.


Hoher Schaden – und Verdacht auf weitere Beteiligte


Der Anwalt beziffert den möglichen Schaden – allein nach Fleischwert gerechnet – auf 5.000 bis 7.000 Bolivianos pro Tier. Auf 73 Rinder hochgerechnet wären das grob 365.000 bis 511.000 Bolivianos; lebend könne der Wert je nach Tier deutlich höher liegen. Weil Viehhaltung üblicherweise dokumentiert und kontrolliert wird, hält Céspedes es zudem für möglich, dass weitere Personen beim Abtransport und bei der Vermarktung geholfen haben.

Brisant: Als ein Ermittler nach der Anzeige den Hof erreichte, soll der Beschuldigte demnach sofort in ein Waldgebiet geflüchtet sein – seither fehlt von ihm jede Spur.


Ein Fall, der in ein bekanntes Muster passt: Rinderdiebstahl trifft mennonitische Produzenten wiederholt


Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Berichten ein, wonach Mennoniten in Santa Cruz immer wieder von Viehdiebstahl (abigeato) betroffen sind. Dieses ist kein „Sonderfall“, sondern weil viele mennonitische Familien in der Region landwirtschaftlich und als Viehhalter wirtschaften zählen sie typischer Weise zu Zielen solcher Delikte.



Ein besonders aufsehenerregendes Beispiel gab es im August 2025: In der mennonitischen Kolonien Brecha 4 / Colonia Swift Current (La Guardia, Santa Cruz) hielten Bewohner mehrere Verdächtige an, die mit frisch geschlachteten Tieren bzw. Fleisch unterwegs waren. Da die bolivianische Polizei in solchen Fällen die Diebe nach kurzer Haft wieder laufen lässt, nahmen die Mennoniten die Sache selbst in die Hand. Sie beschlagnahmten das Fleisch, züchtigten die Diebe und stecken die Tatfahrzeuge in Brand.


In den Berichterstattungen ist auch von einer „häufigen“ Problematik die Rede: Die zuständige Staatsanwaltschaft verwies darauf, dass das illegales Schlachten (Faenar) und der Diebstahl von Rindern wiederholend vorkomme.


Der Vorsitzende des Viehzüchterverbandes Fegasacruz, Walter Ruiz, sagte zudem, man habe bereits zuvor Hinweise auf Diebstähle in derselben Zone erhalten – und drängte darauf, nicht nur Täter, sondern auch Abnehmer von Fleisch ohne Sanitätskennzeichnung zu ermitteln.


Warum „Viehdiebstahl“ so schwer zu stoppen ist


Hintergrundberichte aus Santa Cruz beschreiben das Grundproblem: Abgelegene Betriebe, schnelle Transportwege und ein Markt für illegal geschlachtetes Fleisch schaffen Anreize für organisierte Strukturen. Genau deshalb taucht in mehreren Quellen neben dem wirtschaftlichen Schaden auch das Thema Lebensmittelsicherheit auf – Fleisch ohne Kühlkette und ohne amtliche Kontrolle.



Zahlen und rechtlicher Rahmen: Viehdiebstahl ist in Santa Cruz ein Dauerthema


Dass Viehdiebstahl kein Randphänomen ist, zeigen auch frühere Berichte:

  • La Razón bezifferte die Schäden durch Viehdiebstahl in Santa Cruz für 2023 auf rund 4 Mio. US-Dollar (nach Angaben aus dem Umfeld von Fegasacruz) und verwies auf steigende Tendenz

  • ATB berichtete von kumulierten Verlusten von 15,9 Mio. US-Dollar in fünf Jahren und skizzierte zugleich den rechtlichen Rahmen (u. a. Strafrahmen nach Artikel 350 des bolivianischen Strafgesetzbuches, je nach Konstellation bis zu mehreren Jahren Haft).


Im Zuge der Fälle aus Brecha 4 wurden zudem Forderungen nach härteren Strafen öffentlich, weil Produzenten beklagen, dass Verfahren, wenn sie angestoßen werden, oft lange dauern und Sanktionen aus ihrer Sicht nicht ausreichend abschrecken. Zudem wird auch beklagt, dass Viehdiebe, von der örtlichen Polizei zu schnell wieder auf freien Fuß gesetzt werden.


Ausblick


Im aktuellen Fall von Pailón richtet sich der Fokus der Ermittler nun darauf, den flüchtigen Beschuldigten zu finden – und mögliche Mitbeteiligte im Umfeld von Transport, Schlachtung oder Weiterverkauf zu identifizieren. Für mennonitische Viehhalter (und andere Produzenten in Santa Cruz) ist der Fall zugleich ein weiteres Signal, dass Viehdiebstahl nicht nur ein finanzielles Risiko bleibt, sondern auch das Vertrauen in Sicherheit und Rechtsdurchsetzung im ländlichen Raum weiter belastet.

 

Quellen:

  • Correo del Sur (26.01.2026): Fall Pailón / 73 Rinder / Flucht des Beschuldigten

  • Unitel (25.01.2026): Parallelbericht und O-Töne des Anwalts

  • El Deber (12.–13.08.2025): Brecha 4, Ermittlungen, Forderung nach härteren Strafen

  • Unitel (13.08.2025): Haftentscheid, Einordnung als häufiges Problem

  • El Día (13.08.2025): Fallzahlen/Argumente zu Abnehmern ohne Sanitätssiegel

  • La Razón (09.02.2024): Schadensschätzung 2023 in Santa Cruz

  • ATB (25.02.2024): Fünfjahresverluste und rechtlicher Rahmen

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