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Argentinien: Mennonitischer Käse ist bei Kunden sehr gefragt

Aktualisiert: 2. Aug.

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Im Norden Patagoniens sind die Käseprodukte der Mennoniten sehr gefragt. In Neuquén bilden sich auf den Märkten lange Schlangen, um mennonitischen Käse zu kaufen.


Kunden stehen in der Warteschlange um mennonitischen Käse zu kaufen
Kunden stehen in der Warteschlange um mennonitischen Käse zu kaufen

An jedem Samstag findet im Zentralpark von Neuquén ein Marktverkauf von landwirtschaftlichen Produkten statt. Regelmäßig fällt auf diesem Markt schon früh am Morgen die Schlange von Menschen auf, die geduldig darauf warten, einen kleinen Verkaufstand zu erreichen. Es handelt sich um die stets treuen Kunden, die auf der Suche nach Frischkäse, Wurstwaren und "Mennonitenkäse" sind, die Gerardo Tcach und seine Partnerin Lorena Oyer verkaufen.


Verkaufsschild, welches die Kunden anzieht
Verkaufsschild, welches die Kunden anzieht

Auf einer großen schwarzen Tafel steht „Mennonitischer Käse 9000 Pesos”, ein Magnet, der neue und alte Kunden anzieht, die aus verschiedenen Stadtteilen der Hauptstadt Neuquén kommen, um solche Produkte zu kaufen.


In der Schlange geben einige Kunden zu, dass sie wegen des cremigen Käses oder der Wurstwaren kommen, die Gerardo aus der Provinz Buenos Aires, aus Córdoba und La Pampa mitbringt. Andere hingegen kommen direkt wegen des "Mennonitenkäses", der auf dem Markt der Renner ist.


Beliebter mennonitischer Käse aus der Kolonie "Nueva Galia" in Argentinien
Beliebter mennonitischer Käse aus der Kolonie "Nueva Galia" in Argentinien

Auf dem Verkaufstisch liegt eine große Auswahl an Käsesorten, die in Stücken von einem Kilogramm verkauft werden. Es handelt sich um Produkte, die von der Mennonitenkolonie "Nueva Galia" in San Luis hergestellt werden, darunter einige Käsesorten, die an ihrer roten oder schwarzen Rinde zu erkennen sind. Zweifellos ist der mennonitische Käse einer der meistgekauften Produkte auf dem Markt im Zentralpark.

 

Verkaufsstand an dem die mennonitischen Produkte verkauft werden
Verkaufsstand an dem die mennonitischen Produkte verkauft werden

Gerardo betreibt seinen Stand seit Anfang 2000. Das Geschäft mit dem mennonitischen Käse hat er von einem Freund übernommen. „Der mennonitische Käse verkaufte sich sehr gut“, erinnert sich Gerardo, der damals die Produkte aus der Kolonie "Guatraché" in La Pampa über einen Zwischenhändler bezog, der ein Telefonzentrum betrieb und die Bestellungen für die Mennoniten entgegennahm. „Sie wurden mit einem Transportmittel verschickt, was aber manchmal sehr lange dauerte“, erinnert er sich, und aufgrund dieser Tatsache beschlossen sie 2015, ein Transportmittel zu kaufen, um die Produkte selbst abzuholen.


Von da an begann Gerardo eine direkte Beziehung zu den Mitgliedern der mennonitischen Kolonie, die sich der Herstellung dieser Käsesorten widmen. „Damals gab es drei Fabriken. Ich nahm Kontakt mit der ersten Fabrik auf, die sich in der Kolonie befand. Diese hieß "Del Monte" und wurde von Peter Abraha betrieben", erinnert er sich an diese ersten Kontakte in Guatraché.


„Ich hatte und habe das Glück, eine sehr gute Beziehung zu den Mennoniten aufgebaut zu haben”, sagt Gerardo. Seit ihrem ersten Besuch und aufgrund der guten Beziehung, fährt Gerardo jetzt jede Woche dorthin, um die Produkte abzuholen.


Da die Mennoniten hauptsächlich Plattdeutsch sprechen, ist, wie Gerardo zugibt, die Kommunikation etwas schwierig. Aber die Mennoniten können zunehmend Spanisch sprechen, sodass die Kommunikation sich vereinfacht.


Die Käseherstellung ist bei den Mennoniten eine Gemeinschaftsarbeit
Die Käseherstellung ist bei den Mennoniten eine Gemeinschaftsarbeit

Mit Herrn Peter Abraham arbeiteten sie fast vier Jahre lang zusammen, bis dieser in den Ruhestand ging, die Fabrik schloss und alle Maschinen an einige Neffen aus Mexiko verkaufte, die ein Feld in San Luis kauften und eine neue Kolonie gründeten.


Seit 2019 arbeitet Gerardo bis heute mit der Kolonie "San Luis" zusammen und kauft die "El Tupa" Käsesorten. „Abgesehen von den Marken sind die Käsesorten identisch”, erklärt er. Der von ihnen hergestellte Käse, "Sardo" oder "Pategrás", wird nach dem Rezept von Chester hergestellt, was den Käse zu einem frischen Produkt mit mildem Geschmack macht, was die Verbraucher sehr schätzen.


Es handelt sich um einen Käse, der nicht gelagert werden kann, „er kann nicht reifen, weil er sonst sauer wird”. Es ist ein „Käse für jede Tageszeit”, aus diesem Grund wird er in einem Kilo-Stück hergestellt, da es sich um einen Frischkäse handelt. Aufgrund dieser Eigenschaften des Käses fährt Gerardo jede Woche in die Kolonie um den Käse zu holen und verkauft samstags die gesamte Produktion auf dem Markt. „Zum Glück ist die Nachfrage so groß, dass das Angebot nie ausreicht”, gibt er zu.


Herstellung des Käse "El Tupa" in San Luis, Argentinien
Herstellung des Käse "El Tupa" in San Luis, Argentinien

Die Beziehung, die Gerardo und seine Familie seit mehreren Jahren zur mennonitischen Kolonie pflegen, hat ihn dazu veranlasst, mit ihnen in verschiedenen Bereichen zusammenzuarbeiten. So haben sie beispielsweise gemeinsam den Herstellungsprozess verbessert, damit die Käse länger haltbar sind, und ihnen sogar bei verschiedenen bürokratischen Formalitäten geholfen.


Gerardo erwähnt, dass die Kultur in der mennonitischen Gemeinschaft anders ist als die argentinische und dass die Frauen nicht direkt in der Käseproduktion arbeiten und auch kein Spanisch sprechen. „Sie haben eine ganz andere Mentalität als wir”, sagt er. Die erwachsenen Männer koordinieren die Aktivitäten für den Betrieb der verschiedenen mennonitischen Genossenschaften.


„Wie erklärt man der Regierung, dass es keinen Eigentümer der Fabrik gibt, sondern dass alle Eigentümer sind? Es handelt sich um eine Art Genossenschaftsform, die aber nicht der traditionellen Genossenschaft entspricht, die in der nationalen Gesetzgebung verankert ist”, erklärt Gerardo.


Trotz dieser Unterschiede räumt Gerardo ein, dass er „eine sehr schöne kulturelle Verbindung zur Gemeinde“ aufgebaut hat, deren Grundlage der Respekt vor den Überzeugungen jedes Einzelnen ist. Er erzählt auch, dass die mennonitische Gemeinschaft fernab von Technologie lebt und Technologie in einigen Fällen nur für die Produktion erlaubt ist. „Meine Tochter war bei einem Besuch überrascht, dass sie keinen Fernseher hatten”, und „dass die Puppen mit denen die Mädchen spielen aus aus Keramik sind”, erklärt Gerardo.


Stoffpuppe mit Stoffkörper und Kopf, Hände und Füße aus Porzellan
Stoffpuppe mit Stoffkörper und Kopf, Hände und Füße aus Porzellan

Dank harter Arbeit, Geduld und Respekt sowie der großen Akzeptanz der mennonitischen Käse durch die Kunden aus Neuquén ist diese Kultur heute zumindest teilweise jeden Samstag auf dem Markt im Zentralpark präsent, wo man sie kennenlernen, probieren und genießen kann.

Informationen aus der Zeitung "Mas produccion" übersetzt und angepasst

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