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16. Mai 1569 Dirk Willems – der Täufer, der seinen Verfolger rettete

Aktualisiert: vor 16 Stunden

Gemälde: Dirk Willems rettet seinen Verfolger und gibt damit seine Freiheit auf
Gemälde: Dirk Willems rettet seinen Verfolger und gibt damit seine Freiheit auf

Am 16. Mai 1569 wurde der Täufer Dirk Willems bei Asperen in den damaligen Niederlanden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Sein Name gehört bis heute zu den bekanntesten Märtyrergeschichten der Täufer- und Mennonitengeschichte. Nicht nur sein Tod, sondern besonders eine Tat der Feindesliebe machte ihn unvergessen: Auf der Flucht kehrte er um, um seinem Verfolger das Leben zu retten.


Dirk Willems stammte aus Asperen. Er hatte sich als junger Mann auf das Bekenntnis seines Glaubens hin taufen lassen. Nach damaligem Recht galt dies als „Wiedertaufe“, weil er als Kind bereits getauft worden war. Genau diese Glaubensüberzeugung brachte viele Täufer im 16. Jahrhundert in Lebensgefahr. Sie lehnten die Kindertaufe ab, hielten an der bewussten Glaubenstaufe fest und versammelten sich oft in Häusern, weil ihre Gemeinden nicht öffentlich anerkannt waren.


Nach der überlieferten Gerichtsakte wurde Dirk Willems vorgeworfen, er habe sich in Rotterdam taufen lassen und in seinem Haus in Asperen verbotene Versammlungen zugelassen. Außerdem sollen dort weitere Personen getauft worden sein. Das Urteil stellte diese Handlungen ausdrücklich gegen den „christlichen Glauben“ und gegen die Erlasse des Königs. Deshalb wurde er zum Tod durch Feuer verurteilt; sein Besitz sollte eingezogen werden.


Fluss Linge bei Asperen, Niederlande
Fluss Linge bei Asperen, Niederlande

Flucht über das Eis


Dirk Willems wurde in Asperen gefangen gehalten. Nach der bekannten Darstellung im Märtyrerspiegel gelang ihm die Flucht aus dem Gefängnis. Er ließ sich mit einem aus zusammengebundenen Tüchern gefertigten Seil hinab und floh über das Eis. In manchen Darstellungen ist von einem zugefrorenen Gewässer oder Fluss die Rede; die neuere Erinnerungstradition nennt besonders den Bereich des Hondegat, eines Gewässers beziehungsweise Grabens bei Asperen.


Historische Darstellung von Asperen aus dem 16. Jahrhundert
Historische Darstellung von Asperen aus dem 16. Jahrhundert

Ein Verfolger setzte ihm nach. Dirk Willems war durch die Haft offenbar so abgemagert, dass er das dünne Eis überqueren konnte. Sein Verfolger dagegen brach ein und drohte im eiskalten Wasser zu ertrinken. In diesem Augenblick hätte Dirk Willems weiterlaufen können. Die Freiheit lag vor ihm. Doch er kehrte um.


Er rettete den Mann, der ihn festnehmen wollte.


Der Gerettete soll bereit gewesen sein, ihn laufen zu lassen. Doch der Bürgermeister erinnerte ihn an seinen Eid. Daraufhin wurde Dirk Willems erneut festgenommen.



Ein Märtyrer bekannt für seine Feindesliebe


Gerade diese Tat macht die Geschichte von Dirk Willems so eindrücklich. Er handelte nicht nach dem natürlichen Wunsch, sich selbst zu retten, sondern nach dem Gebot Christi: den Feind zu lieben und dem Bedürftigen zu helfen. In diesem Sinn ist seine Geschichte nicht nur eine Erzählung über Verfolgung, sondern auch ein Zeugnis gelebter Nachfolge Jesu.


Der Märtyrerspiegel, das große täuferisch-mennonitische Märtyrerbuch, bewahrte seine Geschichte für spätere Generationen. Besonders bekannt wurde auch der Kupferstich von Jan Luyken in der niederländischen Ausgabe von 1685, der zeigt, wie Dirk Willems seinen Verfolger aus dem Eis rettet. GAMEO weist darauf hin, dass diese Darstellung in der zweiten niederländischen Ausgabe des Märtyrerspiegels erschien.


Die Hinrichtung bei Asperen


Nach seiner erneuten Gefangennahme wurde Dirk Willems am 16. Mai 1569 außerhalb von Asperen, in Richtung Leerdam, verbrannt. Der Märtyrerspiegel berichtet, dass an diesem Tag ein starker Ostwind wehte. Dadurch wurde das Feuer vom oberen Teil seines Körpers weggetrieben, sodass sein Sterben besonders lange dauerte. Nach der Überlieferung waren seine Rufe bis nach Leerdam zu hören. Ein anwesender Amtsträger soll schließlich den Scharfrichter aufgefordert haben, dem Leiden rasch ein Ende zu machen.


So starb Dirk Willems nicht als Aufrührer, sondern als ein Mann, der um seines Glaubens willen verfolgt wurde und selbst im entscheidenden Augenblick Barmherzigkeit übte. Sein Tod steht für die schwere Verfolgungszeit der Täufer im 16. Jahrhundert, aber auch für ein Glaubensverständnis, das Gewaltlosigkeit, Gewissensfreiheit und praktische Nächstenliebe ernst nahm.


Bedeutung bis heute


Dirk Willems ist bis heute eine der bekanntesten Gestalten der täuferisch-mennonitischen Erinnerungskultur. Seine Geschichte wird in mennonitischen, amischen und täuferischen Gemeinden weitergegeben, weil sie auf einfache und zugleich ernste Weise zeigt, was Nachfolge kosten kann. In Asperen selbst wird er ebenfalls erinnert; Goshen College berichtet, dass er dort auch außerhalb mennonitischer Kreise als eine Art lokaler Glaubens- und Erinnerungsfigur gilt.


Statue von Dirk Willems im Friedensgarten in Steinbach, Manitoba, Kanada. Bildquelle Mennotoba
Statue von Dirk Willems im Friedensgarten in Steinbach, Manitoba, Kanada. Bildquelle Mennotoba

Sein Beispiel stellt eine klare Frage an jede Generation: Was ist stärker – der Wille zur Selbsterhaltung oder der Gehorsam gegenüber Christus? Dirk Willems entschied sich für die Barmherzigkeit. Damit verlor er sein irdisches Leben, hinterließ aber ein Zeugnis, das seit mehr als 450 Jahren weiterwirkt.



Quellen:

  • GAMEO – Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online, „Dirk Willemsz (d. 1569)“; knappe mennonitische Lexikoninformation zu Herkunft, Tod bei Asperen und Märtyrerspiegel-Überlieferung.

  • Martyrs Mirror / Märtyrerspiegel, Bericht über Dirk Willems; enthält die klassische Überlieferung zu Flucht, Rettung, Urteil und Hinrichtung.

  • SermonIndex, Abschrift des Urteils gegen Dirk Willems; nennt unter anderem Rotterdam, Hausversammlungen, verbotene Lehren, Todesurteil und Einziehung des Besitzes.

  • Goshen College Archive, „Compassion For The Enemy“; moderne Zusammenfassung der Geschichte mit Hinweis auf Asperen, Hondegat und heutige Erinnerung.




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