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25.07.1934 Nestor Mancho: Der Mennonitenmörder


Es mag sein, dass unbelehrbare Anarchisten in Nestor Mancho in seiner Zeit und danach eine Art Volkshelden und „Robin Hood“ gesehen haben, der den Reichen nahm und den Armen gab. Aber dem war erstens nicht so und zweitens ist er im Gedächtnis der Mennoniten als einer der schlimmsten Wüstlinge und Mörder ihrer Brüder, Schwestern und Verwandte geblieben. Am 25.07.1934 starb Nestor Machno und trat so vor seinen Schöpfer und Richter.


Wie kam es dazu? Nestor Machno erblickte am 27.Oktober des Jahres 1889 in dem ukrainischen Dorf Guljai-Pole das Licht der Welt. Sein Vater war Leibeigner und verstarb sehr früh. Zurück blieb die Witwe mit 4 minderjährigen Söhnen, der jüngste, Nestor war erst 10 Monate alt. Es mag nicht unwichtig sein, dass es in Russland kein soziales Netz gab, wie Bismark es beispielsweise in Deutschland zusammen mit den landwirtschaftlichen und gewerblichen Betrieben und der Industrie errichtet und im Reichstag beschlossen hatte.


In Russland gab es zu dieser Zeit weder ein Versicherungsnetz noch eine Volksvertretung. Die Duma entstand erst im Jahre 1905 mit sehr begrenzten Rechten. So konnte der Todesfall des Vaters die Familie schon in die Nähe des sozialen Abgrundes bringen. Die Folge war, dass Kinder schon sehr früh arbeiten gehen mussten. So kam es auch, dass Nestor schon früh bei den Bauern des Dorfes die Kühe und Schafe hüten musste.


Erst mit 8 Jahren trat er in die Volksschule ein. Im Winter besuchte er die Schule und im Sommer weidete er die Kühe und Schafe. Nach der Beendigung der Schule arbeitete Machno auf den Gütern der deutschen Großbauern und Großgrundbesitzer in der Umgebung.


Später verrichtete er arbeiten in seinem Heimatdorf in der Gießerei Kröker, die landwirtschaftliche Maschinen herstellte. Machno musste Wagen, Putzmühlen und andere Geräte anstreichen. Ähnlich ging es seinen Brüdern. Die Löhne waren niedrig und die Familie blieb arm. Vielleicht vergeudeten sie aber auch das wenige Geld, dass sie verdienten. Ein Zeitgenosse, Antynpenko, der damals im Ort wohnte erinnerte sich: „Weder eine Henne, noch ein Ferkel, noch ein Hälmchen Stroh konnte man bei diesem Haus sehen, obgleich die Mutter vier Söhne hatte.


Das Dorf lag an einem Nebenfluss des Dnjeper und hatte zu der Zeit etwa 10.000 Einwohner. Zumeist waren es Ukrainer, aber es gab auch viele Juden, Russen und Deutsche, unter ihnen Lutheraner und Mennoniten. Die eisten Häuser waren aus Lehmkaten, aber in der Dorfmitte gab es auch bessere Häuser, wie die Wolostverwaltung, 2 orthodoxe Kirchen, ein Krankenhaus, Läden, eine Bank, Weizenhandelgeschäfte, 2 Dampfmühlen, einige Windmühlen, eine Synagoge, drei öffentliche Schulen und eine deutsche Privatschule. In dieser Privatschule fanden sonntags die lutherischen Gottesdienste statt. Auch gab es hier eine Branntweinfabrik, welche den Ort und die Umgebung mit dem so heißbegehrten Wodka versorgte.


Während der Revolution 1905/06 fanden auch in Guljai-Pole wie auch an anderen Orten, Versammlungen und Demonstrationen statt. Im Dorf gab es Intelligenzler, Angestellte und Arbeiter, die revolutionäre Neigungen verspürten. Hinzu kamen die Agitatoren aus der Kreisstadt Alexandrowsk (Saporoshje) und Jekatrinoslaw (Dnjepropetrowsk).


Bald erschien im Dorf ein Trupp Donkosaken verkleidet als Polizisten, die mit den Aufrührern nicht lange verhandelten. Wer sich auf der Straße zeigte, wurde mit Naigaikas (Reitpeitsche) geschlagen, während die Verhafteten unter Kolbenhiebe aus der Stadt getrieben wurden. Man hat das Vorgehen dieser Strfkommandos so schnell nicht vergessen.


Die Anarchisten spielten in Guljai-Pole eine bedeutende Rolle. Diese Leute lehnten jegliche gesellschaftliche Ordnung und staatliche Autorität ab. Die Einstellung war zu der Zeit fast weltweit verbreitet. Die Anarchistengruppen im Ausland waren noch sehr klein, aber in Russland schon wesentlich größer, und, was sehr wichtig ist, ihre Anhänger und Führer kamen z. T. aus „gutem Hause“ wie etwa Michael Bakunin (1814-1876) und Fürst Peter Kropotkin (1842-1921).


Die Anarchistenidelologie lehnte jeglichen Staat ab und damit auch deren Diener, die Beamten. Der Kaiser als das oberste Symbol des Staates bis hinunter zu dem einfachen Postbeamten im Dorf waren ihnen mehr als verhasst. Die ersten Anhänger für den Anarchismus wurden in Guljai-Pole nach der Revolution von 1905/06 gewonnen. In diesem Ort war es ein Tscheche namens Wolodja Antoni, der die illegalen Schriften von Jekatrinoslaw bekam und sie an seine ehemaligen Schulkameraden verteilte.


Dann brauchten die Anarchisten Geld für eine Druckmaschine, um die illegalen Traktate drucken zu können. Der erste Versuch der „Expropriation“ verlief unblutig und sie erbeuteten 500 Rubel. Die Maschine konnte gekauft werden. Dann wollten die Anarchisten in einer 2. „Expropriation“ einen Postwagen mit Geld überfallen. Es gelang, aber ein Begleitpolizist wurde dabei erschossen. Da dieser als guter und redlicher Polizist bekannt war, warfen sie der Witwe einen Umschlag mit 100 Rubel in ihr Haus. Der Polizeichef bekam ziemlich schnell heraus, dass es sich hier um Ortsansässige handelte. Es kam zu Morden, Bespitzlungen und Verhaftungen.


Machno wurde von der anarchistischen Ortsgruppe nicht aufgenommen, wiewohl er doch auch Anarchist geworden war. Der Grund für die Nichtaufnahme war, dass Machno gerne trank und dann zänkisch war was zu häufigem Streit führte. Schließlich wurde Machno verhaftet und kam mit anderen Gefangenen nach Jekatrinoslaw. (In der Sowjet Enzyklopädie ist nachzulesen, dass Machno wohl die Stadtkasse von Berdjansk überfallen haben soll). Vier Anarchisten wurden zum Tode verurteilt, Nestor Machno erhielt eine Gefängnisstrafe. Machno verbrachte die folgenden Jahre im Deportationsgefängnis Butyrki in Moskau, aus dem ihn erst die Revolution befreite. In dieser Zeit soll er, nach Berichten von Mithäftlingen, genutzt haben, um die eigene Bildung zu verbessern. Er lernte die russische Grammatik, beschäftigte sich mit Mathematik, russischer Literatur und Volkswirtschaft. Die „Katorga“ war so die einzige Schule, in der Machno seine historischen und politischen Erkenntnisse erworben hat. Man kann sich natürlich auch vorstellen, dass er sämtliche Tricks und Brutalitäten, die einige Strafgefangene so an sich haben, gierig aufgenommen hat. Anders sind seine späteren, fast unbeschreiblichen Brutalitäten nicht zu erklären.


Als er aus dem Gefängnis kam, stellte er nach seinen eigenen Erinnerungen fest, dass die Bauern der Ukraine, wie er selbst, ein tiefes Misstrauen gegen jegliche Form der Regierung hegten. Es waren, so die Meinung von Machno, allzumal Ausbeuter und „duraki“ (Dummköpfe, Narren), wie der „durak“ Romanow (der Zar), der „durak“ Kerenski, der nur seinen Platz einnahm. Dann war da noch der „Pan“ (Herr) Lenn, der wie die anderen auch, die Bauern durch Steuern ausplünderte, die Dorfburschen zum Militärdienst einzog oder desse Anhänger Gewalttaten verübten. Zur gleichen Zeit war Machno selbst dabei, vor Ort alle Macht auf sich selbst zu vereinen. Schon bald war er Vorsitzender des Rayon-Bauernverbandes und des Landeskomitees, dazu nahm er den Vorsitz der Metall- und Holzarbeiter-Gewerkschaft an.



Schon im August 1917 war Machno so stark, dass er von allen Gutsbesitzern, wohlhabenden Bauern „Auskünfte über Ländereien und Inventare verlangen konnte.“ Machno übernehm auch in den umliegenden Gouvernements die Schrimherschaft. Auch hier wurde weiter requiriert.


Dabei kam es zu kuriosen Dingen. An Guijai-Pole grenzte der deutsch-mennonitische Schönfelder Wolost. Dort wohnten die mennonitischen Gutsbesitzer Jakob Neufeld, Gerhard Klassen, David Schröder, Wilhelm Janzen u. a. Eine Tochter von Jakob Neufeld ist später nach Kanada ausgewandert und berichtete: „Anfangs 1918 fuhr Machno mit seinen Anhängern von einem Gut zum anderen und teilte es auf. So kam er auch zu uns. Alles tote und lebende Inventar wurde zusammengebracht und dann verteilt. Dabei kamen kuriose Dinge vor. Ein armer Mann bekam einen feinen Spazierwagen mit Gummireifen und blauem Tuch ausgeschlagen. Er wurde auf dem Gut nur selten gebraucht, weil er eben unpraktisch war. Dazu bekam der Mann ein Kalb. Das legte er in den Wagen, spannte seine mageren Pferdchen davor und fuhr nach Hause. Ein anderer bekam den Selbstbinder, der dann bei ihm im Hof herumstand. Der wurde mit Gras überwuchert und die Kinder spielten damit.“ – Der Verfasser erinnert sich an ähnliches 1945 bei ihm zu Hause in Neuendorf-Höhe, Krs. Elbing. Dort haben die Rotarmisten nach seiner Verschleppung den Binder requiriert und nach Russland verfrachtet. Aber zu dem Binder gehörten leinene Tücher, die über Rollen liefen und dann das gemähte Getreide vom Mähtisch zur Bindeapparatur hochwalzten, wo die Garben mit Bindfaden gebunden und abgeworfen wurden. Wenn man also für den Binder keine Tücher hat, so ist er genau so wertlos wie ein Düsenflugzeug ohne Motor. Es fliegt nicht! Die Russen selbst sagten später: Solange es einem Wirt gehört, der damit umzugehen versteht, hatte dieses Ding auf seine Art seinen Wert. Wir wissen damit nichts anzufangen.

Machno schlief dann auch bei Neufelds im Gastzimmer, weil die Verteilung mehrere Tage in Anspruch nahm. Als Neufeld ihm den Hausschlüssel geben wollte, lehnte Machno das mit den Worten ab. „Es ist nicht nötig, bei ihnen schlafe ich bei unverschlossenen Türen.“



Bei der Umverteilung wurde verlangt, dass der Gutsbesitzer die „Gäste“ bewirtet. Die Requisition dauerte gewöhnlich so lange, bis die Mehlkisten, die Hühner- und Kälberställe leer waren. Dann zog die Bande weiter auf den nächsten Hof. Setzte sich der Wirt zur Wehr, hielt Geld, oder Schmuck in einem Versteck, so wurde er drangsaliert, geschlagen, und nicht selten die männlichen Familienmitglieder erschossen. Die Frauen wurden wiederholt vergewaltigt. Manches Mal kleideten sich die Anhänger Machnos in allen möglichen Kleidungsstücken, die sie bei den Gutsbesitzern, Städtern oder in jüdischen Läden requiriert hatten. Sie trugen Stiefel, Pelze, einen Frack, Lackstiefel und stolzierten umher. Ferner trugen sie verschiedene Hemden, weite Hosen, mit einem Gürtel zusammengehalten, der bis zur Erde reichte. Dazu einen Säbel, die Pistole und Handgranaten waren in den Gürtel gesteckt.



Über die Schultern wurden Maschinengewehrgurte geschwungen. In den Häusern standen Gewehre an der Wand. Im Dorf hörte man Musik, kreischende Frauen und Tanz. Solche Orgien fanden die ganze Nacht statt. – All dies Verhalten der Machnowzen erinnert den Verfasser sehr an das Treiben der Rotarmisten in den eroberten ostdeutschen Provinzen, wie Ost- und Westpreußen 1944/ 45!


„Dann kam das jähe Ende. Die neue ukrainische Regierung unterzeichnete einen Sonderfrieden mit den Mittelmächten. (9. 2. 1918) Um die Ukraine vor der bolschewistischen Okkupation zu schützen, lud sie deutsche und österreichisch- ungarische Besatzungstruppen ins Land ein. Die Machno-Bewegung zerstreute sich schlagartig. Machno floh nach Moskau.“

Seit April 1918 rückten deutsche und österreichisch-ungarische Truppen vor und Kiew wurde am 1. April besetzt, die Banden vertrieben. Aber das neue Parlament, die Centralna Rada, rief mit seiner sozialistischen Politik Unzufriedenheit hervor, am 9. April kam es zum Umsturz. Schon am 30. Juli 1918 wurde der Oberbefehlshaber, Feldmarschall von Eichhorn, ermordet.



Und General Skorpadski wurde vom Bauernkongress zum Hetman der Ukraine gewählt. Aber wegen der Revolution in Deutschland wurde die Ukraine der Unterstützung durch die deutsche Regierung beraubt. Sie dauerte nur bis zum 15. November 1918. Die langsame Räumung zog sich allerdings bis zum 16. März 1919 hin. Im Februar 1919 stürzten bolschewistische Truppen die neue Regierung. Es entstand nun die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik als Bundesmitglied der gesamten Sowjetunion und blieb es bis 1990.


In dem Durcheinander der unstabilen Lage des Jahres 1919, verursacht durch den Bürgerkrieg, der besonders auch die Ukraine betraf, brach Machno durch die Front der Weißen Armee des Generals Denikin bei Uman in der westlichen Ukraine durch, und stürmte mit seinen Horden zurück in sein Heimatland. Seine Operationsbasis wurde sein Heimatdorf. Von hier aus leitete er die Raubzüge. Was vorher geschehen war, war schlimm genug, was nun kam, übertraf alles, was sie vorher getrieben hatten. Die Manchnowzen hielten sich besonders gerne in den Dörfern der Mennoniten auf, wo Pferde, Wagen, Lebensmittel, Kleider und was sie sonst noch in großen Mengen mitnehmen konnten. Lokale Banden schlossen sich ihnen an, die Möbel und landwirtschaftlichen Maschinen und was sie sonst noch gebrauchen konnten, wegschleppten. Was sie nicht mitnehmen konnten, wurde zerstört.



Die Mennonitenkolonien machten sehr schwere Erfahrungen, die fast endzeitlichen Charakter annahmen. Am schwersten haben, nach Angaben von Johann G. Rempel, die Kolonien Sagradowka, Chortitza und die benachbarte Kolonie Nikopol gelitten. Die Liste der Ausgangs November 1919 in Sagradowka Ermordeten weist 214 Namen auf. Schwer erging es auch den 16 Dörfern der Kolonie Chortitza. Die Insel Chortitza war zu dem Zeitpunkt schon geräumt. Die Besatzung der Manchnowzen dauerte dort vom 21. September bis 22. Dezember 1919. In Eichenfeld – Dubowka wurden in der Nacht vom 26. Oktober 1919 81 Männer und vier Frauen ermordet. Wenn man dann noch die umliegenden Dörfer wie Hochfeld, Petersdorf, Nikolaipol und einige andere dazunimmt, so waren es einige 100.



„Aber nicht nur, dass die Manchnowzen hier raubten und Menschen töteten, es brach unter den Machnowzen Flecktyphus aus. Über die Hälfte aller Soldaten dieser „Armee“ erkrankten an Typhus, selbst der Führer Machno. Da sie in den Häusern der Mennoniten logierten und diese mit unzähligem Ungeziefer besetzten, die die Krankheit massenhaft verbreiteten, so erkrankte die erwachsene mennonitische Bevölkerung in der alten Kolonie (Chortitza) fast vollzählig. Es starben 11 bis 15 Prozent aller Menschen in dieser Kolonie.“ Das lag zum einen daran, dass Machno an vieles bei seinen Raubzügen gedacht hatte, aber gerade die Hygiene der Banditentruppe sehr zu wünschen übrig ließ. Es mangelte an Seife und dem Willen, sich zu waschen. Die Manchnowzen trugen häufig sehr lange und stark verlauste Haare. Wenn sie dann an Typhus erkrankten, lagen sie in Schulen und Häusern herum. Dort fehlten Schwestern und Pfleger, die ihnen beim Besuch der Toilette hätten helfen können. Zumindest in einem Fall hat Machno persönlich sogar einen Feldscher (Krankenpfleger) erschossen, weil sich dessen Patient beschwert hatte, er würde nicht gut behandelt werden. In Nieder-Chortitza gab es 894 Einwohner, davon wurden 637 mit Typhus infiziert.


Maria Andres, Chortitza, später wohnhaft in Kirchheimbolanden (Pfalz) hat von ihrer Mutter gehört, dass ihr Vater, Johann Andres (1900 – 1926) kurze Zeit in der Weißen Armee gedient hatte. Irgendwie hatten die Manchnowzen davon gehört. Er floh vor ihnen und ging mit den Händen an der Brücke über den Dnjeper (das war vor der Zeit des Staudammes). Die Machnowzen wollten ihm dann die Hände abhacken. Daraufhin ließ er sich fallen und fiel in den kalten Fluss, konnte aber ab das Ufer gelangen und sich verstecken. Später ist er vom unfreiwilligen kalten Bad im Dnjeper erkrankt, bekam eine Blinddarmentzündung, die nicht richtig operiert wurde. Er starb daran 1926. – Weiterhin hat die Mutter ihr erzählt, dass die Machnowzen einer mennonitischen Frau den abgehackten Kopf ihres Mannes gebracht hätten, um ihr zu zeigen, was sie mit ihm angestellt hatten. (Aussage 12. 8. 2006)


Machno ließ seine Wut auf die Kapitalisten nicht nur die Mennoniten spüren, sondern hat auch eine Reihe von russischen Gutsbesitzern und Städtern erschossen. In einem Falle ließ er einen Lehrersohn, der im Laden seines Onkels tätig war, erschießen, weil er angeblich als Verkäufer einen Kunden ungerecht behandelt hätte. Lenin wollte ihm für seine Sache gewinnen, während Trotzki ihm nicht traute, wollte Lenin gerne die Machno – Armee auf seiner Seite bringen. – Man sollte es nicht für möglich halten, aber es ich dennoch so gewesen, dass Machno so viel Vorräte zusammengeraubt hatte, dass er zeitweilig die Rote Armee mit Nachschub versorgen konnte! – Die Schätzungen über die Stärke seines Heeres gehen von 50 000 – 100 000 Mann. In Wirklichkeit mögen es um die 5000 Mann gewesen sein, die mit den Trossen, den politischen Beratern und anderem Gefolge, mit etwa 8000 Mann angenommen werden können. Er befehligte etwa 1 500 Mann zu Pferde, der Rest waren Infanteristen, die z. T. auf geraubten Kutschwagen mit aufmontierten MGs als schnelle Eingreiftruppe fuhren. Dazu 35 Geschütze und er ließ Schaf- und Rinderherden als Trosse treiben.


Manchmal schwollen die Verbände auf 15 000 Banditen an. Zeitweilig wurden die Machnowzen in eine sowjetische Division eingegliedert. Dann fing die bolschewistische Presse an, ihn sogar als „Mietling der Kulaken“ zu beschimpfen.

Obwohl Machnow zeitweilig mit dem späteren Marschall Woroshilow denselben Panzerzug bewohnte, wollte man sich des unbequemen Partners entledigen.


Machno tauchte nach der Räumung der Krim durch General Wrangel wieder in seinem Heimatort Guljai-Pole auf. Dort wurde er von der Roten Armee eingeschlossen. Es gelang ihm, auf abenteuerliche Weise aus der Umsiedlung auszubrechen. Kämpfend erreichte er die rumänische Grenze, überquerte am 28. August 1919 den Dnjester, und kehrte so der Ukraine den Rücken. Auf das Konto seiner Banden gehen unter den Mennoniten ca. 600 Morde.


Er gelangte schließlich nach Paris, erlebte dort Partei- und Familienfehden. Er verfiel dem Alkohol und verstarb am 25. Juli 1934 im Tenon – Krankenhaus. Etwa 500 Trauergäste, französische, spanische und russische Anarchisten und Revolutionäre, folgten seinem Sarg, unter ihnen nur 2 Ukrainer, seine Frau und Tochter.


Text und Bilder aus dem Buch "Die Rußlandmennoniten Band 2" von Horst Gerlach


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